Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Weltmilchtag

Österreichs Milchbauern haben kein Grund zum Feiern

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 01.06.2022 - 06:30

Kammerpräsidenten und Unabhängiger Bauernverband (UBV) bnbeklagen schlechte Wirtschaftslage. Sie fordern höhere Erzeugerpreise und einen Ausgleich für hohe Betriebsmittelkosten.

Euterhygiene_Melkstand

Der Weltmilchtag am 1. Juni ist nach Auffassung der Interessenvertretung für Österreichs Milchbauern kein Grund zum Feiern, denn die explodierenden Betriebsmittelkosten setzen die Milchproduzenten massiv unter Druck. So haben sich etwa die Futtermittelpreise zum Teil mehr als verdoppelt und liegen im Schnitt um 50% über den bereits hohen Preisen des Vorjahres.

Auch die Preise für Energie, Düngemittel, Reparaturen etc. haben sich stark verteuert. "Bei dieser Kostenexplosion geht vielen Milchbauern bald die Luft aus", warnt Landwirtschaftskammer (LK) Kärnten-Präsident Siegfried Huber vor einem dramatischen Strukturwandel in der Milchbranche. Allein 2021 haben wieder 50 Milchviehbetriebe für immer ihre Stalltüren schließen müssen.

Österreichs Milch mit besserer Klimabilanz

Aufgrund der nachhaltigen Wirtschaftsweise habe heimische Milch die beste Klimabilanz in der gesamten Europäischen Union, so die LK Kärnten. Während bei der Produktion von 1 l österreichischer Milch zirka 1 kg CO2 entsteht, liegt der EU-Durchschnitt um 40% darüber (1,4 kg CO2 je kg Milch), betont die Interessenvertretung.

 

Titschenbacher sieht Handel in der Pflicht

Laut dem steirischem Landwirtschaftskammer-Präsidenten Franz Titschenbacher sind die Molkereien in der Steiermark „dankenswerterweise in Vorlage getreten und haben in kleinen Schritten die Erzeugermilchpreise angehoben“.

Doch diese Vorleistungen müssten die Molkereien, die aktuell in zähen Verhandlungen mit dem Lebensmittelhandel stehen, erst erwirtschaften. Daher fordert Titschenbacher die Verantwortlichen des Lebensmittelhandels auf, den Molkereien vernünftige, betriebswirtschaftlich vertretbare Produktpreise zu bezahlen, um eine nachhaltige Milchwirtschaft in Österreich zu sichern.
 

Huber: Bauernmilchpreise sind keine Inflationstreiber

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Kammerpräsident Huber. Zwar hätten die Milchpreise für die Bauern in den letzten Monaten angezogen, reichten aber bei Weitem nicht aus, um die stark gestiegenen Produktionskosten zu decken.

Interessant ist laut Huber ein Vergleich zwischen den Milchpreisen für die Bauern und den Milchpreisen im Supermarkt: Während die Bauernpreise laut Statistik Austria im ersten Quartal 2022 im Vergleich zu den Preisen im Jahr 2021 um magere 2 bis 4 Cent gestiegen sind, müssen die Konsumenten für viele Milchprodukte weitaus tiefer in die Tasche greifen. Frischmilch ist um rund 10 Cent teurer geworden, und auch die Preise für Butter und Käse in den Regalen haben kräftig angezogen.

Huber sind in der Entwicklung den Beweis, "dass die Bauernmilchpreise keine Inflationstreiber sind". Er fordert "einen fairen Anteil an der Wertschöpfung für die Milchbauern" vom Lebensmitteleinzelhandel. Die Milchbauern hätten sich bessere Preise verdient.
 

Teuerungsausgleich gefordert

Die beiden Kammerpräsidenten Huber und Titschenbacher nehmen die Bundesregierung in die Pflicht, die an den höheren Betriebsmittelpreisen im Wege der Umsatzsteuer mitverdient. Sie verlangen einen Teuerungsausgleich, bei dem das Geld zielgerichtet und unbürokratisch bei den Betrieben ankommt. Sonst werden noch mehr Milchbauern den Hut drauf hauen.

LK-Präsident Titschenbacher zeigt an einem Zahlenbeispiel, wie bedroht Milchbauern derzeit sind: Für eine Arbeitsstunde bleiben dem Milchbauern gerade einmal 5,70 Euro, was inklusive EU-Ausgleichszahlungen im Monat magere 1.026 Euro netto pro Arbeitskraft ausmacht. Seit dem Jahr 2010 haben 33 Prozent der Milchviehbetriebe in der Steiermark ihre Stalltüren für immer geschlossen. Die magische Grenze von 4.000 steirischen Milchlieferanten und in Österreich von 24.900 Milchbauern wurde bereits im Vorjahr unterschritten.

UBV verlangt Touristen-Beteiligung

Nach Auffassung des Unabhängigen Bauernverbands (UBV) erzeugen Österreichs Kühe, Schafe und Ziegen umweltschonend hochqualitative Milch. Sie pflegen damit die Kulturlandschaft, wovon der Tourismus am meisten profitiert. Der UBV fordert, dass diese Leistung vom Tourismus abgegolten wird.

Anstatt der überbordenden Bürokratie soll der Inflationsausgleich auch bei den Ausgleichszahlungen von der Bundesregierung umgesetzt werden.

 

Immer weniger Milchbauern

Rückläufig sind die Zahlen auch in Kärnten. 2021 haben dort 1.732 Betriebe Milch an Molkereien geliefert, das sind um 50 Betriebe (-3%) weniger als 2020. 2001 gab es noch 3.750 Milchviehbetriebe in dem Bundesland, was ein Minus bei den Höfen von 54% in den vergangenen 20 Jahren bedeutet.

Währenddessen bleibt die Milchproduktion annähernd gleich. So hat diese 2021 rund 207.600 t (+0,4% im Vergleich zum Vorjahr) betragen, und die durchschnittliche Anlieferung je Betrieb stieg von 116.000 kg (2020) auf 119.000 kg im Jahr 2021 an. Die Betriebe sind kleinstrukturiert und hatten 2020 in Kärnten 33.538 Milchkühe gehalten. In einem Stall in Kärnten stehen durchschnittlich 19 Milchkühe. Laut LK Kärnten werden 100% der Milch in dem Bundesland gentechnikfrei hergestellt.
 

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt