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Energiepreisbremse

Österreich: Strompreisbremse kommt erst Mitte 2023

Heuballen_Trocknung
Josef koch
Josef Koch
am Montag, 28.11.2022 - 14:14

Erste Entlastungen sind nun für das zweite Quartal 2023 angekündigt. Das sind die Details zur Strompreisbremse.

Wien Bis Österreichs Bauern den lange angekündigten Stromkostenzuschuss bekommen, wird dauern. Wie das Ministerium jetzt bekanntgab, ist mit der Auszahlung der ersten Stufe erst im zweiten Quartal 2023 zu rechnen. Die zweite Stufe soll sogar erst in der zweiten Jahreshälfte 2023 ausgezahlt werden. Ursprünglich hatte die Bundesregierung die Entlastung aber schon ab Anafang kommenden Jahres angekündigt.

Aufgrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine sind die Betriebsmittelkosten in der Landwirtschaft stark angestiegen. Zusätzlich zum Entlastungspaket der Bundesregierung, einem 110 Mio. Euro Versorgungssicherungspaket und weiteren Unterstützungsmaßnahmen, hat das Landwirtschaftsministerium nun einen 120 Mio. Euro Stromkostenzuschuss für landwirtschaftliche Betriebe erarbeitet. Damit will die Regierung die erhöhten Energiekosten abzufedern. Nach Auffassung von Agrarminister Norbert Totschnig federt die „unbürokratische Unterstützung“ nicht nur die Kostenbelastung ab, sondern sichert auch die „Versorgung mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig“.

Auszahlungen erfolgen in zwei Stufen

Die Umsetzung des Stromkostenzuschusses erfolgt in zwei aufeinander folgenden Stufen. Sie umfassten die gesamte landwirtschaftliche Urproduktion und das landwirtschaftliche Nebengewerbe.

In der ersten Stufe ist ein pauschaler Zuschuss mit Flächen- und Tierbezug (Großvieheinheiten) vorgesehen. Basierend auf dem pauschalen Stromverbrauch wird ein Zuschuss von etwa 10,4 Cent/kWh ausbezahlt, sobald der Mindestbetrag von 100 Euro pro Betrieb überschritten ist. Für die meisten Betriebe, rund 110 000, bilden die Daten aus dem Mehrfachantrag 2022 die Berechnungsrundlage. Für sie wird nach Ministeriumsangaben ein Autoantrag umgesetzt. Betriebe ohne Mehrfachantrag 2022 können gegebenenfalls bis 31. Dezember 2022 einen Antrag mit Angabe der Tierliste zum Stichtag 1. April 2022 nachreichen.

Zweite Stufe für energieintensive Betriebszweige

Bei der zweiten Stufe hängt der Zuschuss vom tatsächlichen Verbrauch ab. Folgende stromintensive Betriebszweige und Tätigkeitsfelder können darüber hinaus einen Antrag stellen:

  • Elektrisch betriebene Beregnung landwirtschaftlicher Flächen,
  • Elektrisch betriebene Belüftung, Kühlung oder Trocknung landwirtschaftlicher Erzeugnisse,
  • Produktion von Gemüse, Obst oder Zierpflanzen im geschützten Anbau,
  • Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Innenräumen mit Einsatz elektrisch betriebener Anlagen, wie Pilze, Hanf, Schnecken, Insekten etc.,
  • Aquakultur und Teichwirtschaft mit Einsatz elektrisch betriebener Anlagen,
  • Weinproduktion,
  • Be-/Verarbeitung sowie Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte,
  • Buschenschank und Almausschank, Vermietung von Privatzimmern oder Ferienwohnungen

Als Nachweis für die Berechnung der Bemessungsgrundlage wird der Durchschnitt aus den zwei letzten Jahresabrechnungen zu Grunde gelegt. Abwicklungsstelle ist die Agrarmarkt Austria (AMA). Die erforderlichen elektronischen Anträge mit Nachweisen sind bei der AMA bis 15. April 2023 einzureichen.

Strassser verlangt neue Börsenregeln

Für Bauernbund-Präsident Georg Strasser gibt der Stromkostenzuschuss für die Landwirtschaft „unseren Bauernfamilien wieder mehr Luft zum Atmen“. Er komme zielgerichtet und unbürokratisch an. Allerdings gibt sich Strasser damit nicht zufrieden. Neben nationalen Entlastungsmaßnahmen wie dem Stromkostenzuschuss müsse der Strompreis auf EU-Ebene neu definiert werden. „Wir müssen das Problem an der Wurzel packen und den Strompreis vom Gaspreis entkoppeln“, verlangt er. Damit hinterfragt Strasser das Merit-Order-System. Dieses treibt bei einem engen Stromangebot die Preise besonders nach oben, da der Preis des teuesten Stromanbieters (Gaskraftwerke) auch für alle Anbieter gilt. Strasser fordert die zuständigen Institutionen auf, umgehend Vorschläge für ein neu gestaltetes Marktdesign auf den Tisch zu legen.

Beispiele für den Stromkostenzuschuss

Damit sich Landwirte vorstellen können, wie hoch die Entlastung ausfallen kann, hat das Ministerium einige Berechnungsbeispiele veröffentlicht. So würde ein mittlerer 40 ha-Ackerbaubetrieb mit einem jährlichen Stromverbrauch von 2400 kWh mit 248 € Entlastung rechnen können.

höher fällt der Stromkostenzuschuss bei einem 30 ha-Stiermastbetrieb und 50 GVE Masttieren. Bei einem Jahresverbrauch von 9300 kWh Strom erhält er 966 €.

Vierstellig wird der Zuschuss indes für Direktvermarkter mit Milcherzeugung und Heutrocknungsanlagen. Bei 50 000 kWh jährlichem Stromverbrauch bekommt er 4420 € Stromkostenzuschuss. Unterstellt sind dabei 12 ha intensives Dauergrünland mit 15 Milchkühen und 5 Jungrinder.

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