Nährwertkennzeichnung

Österreich plant Werbeverbot für Milch und Schinken

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 12.11.2020 - 09:50

In Österreich droht ein Werbeverbot unter anderem für normale Milchprodukte. Das sorgt für Ärger in der Bauernschaft.

Milchwerbung-Österreich

Das von der Nationalen Ernährungskommission (NEK) geplante Werbeverbot für bestimmte Lebensmittel lehnt die Landwirtschaftskammer (LK) Österreich klar ab. Danach dürften unter anderem für Kuh-, Ziegen- und Schafmilch, Joghurt, Würste, Schinken, Speck, eingelegtes Gemüse wie Sauerkraut und bestimmte Pflanzenöle nicht mehr beworben werden.

Formell erfolgt die Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht im Parlament über mehrere Gesetze, unter anderem über das ORF-Gesetz. Da die Europäische Kommission in der "Farm to Fork"-Strategie bis zum vierten Quartal 2022 die Festlegung von Nährwertprofilen zur Einschränkung der Bewerbung von Lebensmitteln mit hohem Salz-, Zucker- und/oder Fettgehalt plant, macht es nach Auffassung der Kammer keinen Sinn, national sogar mit einer eventuell strengeren Regelung vorzupreschen. Gold Plating helfe niemandem, so die LK.

Milch würde als ungesund gelten

Die vorgesehene Festlegung von Werbeverboten hätte darüber hinaus auch absurde Folgen, weil damit zum Beispiel eine Trinkmilch mit natürlichem Fettgehalt per Gesetz als "ungesund" abgestempelt würde, heißt es in einer Kammermitteilung. Zudem betont sie, dass die Kontrolle von Werbeverboten im Internet, unabhängig ob per Selbstverpflichtung oder mit Verboten, schwierig bis unmöglich ist.

Konkret sollen bei der nächsten Sitzung der Nationalen Ernährungskommission, einem Expertengremium des Gesundheitsministeriums mit beratender Funktion, Nährwertprofile beschlossen werden, auf deren Basis Lebensmittelwerbung an Kinder nicht mehr möglich sein soll. Hintergrund ist eine Novelle der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste, mit der der Geltungsbereich auch auf das Internet und die sozialen Medien ausgedehnt werden soll.

Gesundheitsminister schrammt am Ziel vorbei

Der Bauernbund erachtet es zwar als sinnvoll, für Minderjährige Werbung für gefährliche Produkte in audiovisuellen Medien einzuschränken. Der Vorschlag des Gesundheitsministeriums für die nationale Umsetzung schrammt laut Präsident Strasser aber am ursprünglichen Ziel vorbei. Hier dürfte zum Beispiel Milch, die einen natürlichen Fettgehalt von 4% hat, nicht mehr beworben werden. "

Das ist absurd und komplett überzogen“, so der Bauernbund-Präsident. Das vorgeschlagene Österreichische Nährwertprofil lässt beispielsweise für Milch- und Milchprodukte der weißen Palette einen Fettanteil von 3,6% für eine positive Beurteilung zu, dabei würden aber gering bearbeitete Milch- und Milchprodukte mit einem natürlichen Fettgehalt von mindestens 4% als „nicht gesundheitsförderlich“ eingestuft werden.

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