Österreich: Ein Euro pro gepflanztem Baum

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Karola Meeder Portrait 2019
Karola Meeder
am Mittwoch, 28.08.2019 - 11:47

Sofortmaßnahme soll auch rückwirkend für Aufforstungen in den Jahren 2018 und 2019 gelten.

Um alle wichtigen Funktionen der österreichischen Wälder wiederherzustellen, hat das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich eine Sofortmaßnahme erarbeitet. Diese soll durch die Klimaverschlechterung in Existenznot geratene Waldbäuerinnen und Waldbauern mit einer gezielten Unterstützung dazu motivieren, dringend notwendige Arbeiten zur Aufforstung und weiteren Pflege dieser Flächen durchzuführen.
Das neue und zusätzliche Element des „Wiederaufbaus und der Pflege des forstwirtschaftlichen Potenzials“ ist, dass nach borkenkäferbedingten Zwangsnutzungen die Pflege der neu aufgeforsteten Wälder mit einem Euro je gepflanztem Baum (brutto) unterstützt werden soll. Gelten soll die Maßnahme auch rückwirkend für Aufforstungen in den Jahren 2018 und 2019, wobei Ergänzungsanträge zu stellen sind. Die Maßnahme soll ab Oktober 2019 wirksam werden.

Weitere Schritte angekündigt

Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich, zeigt sich erfreut über die Sofortmaßnahme. „Wir müssen unsere Waldbesitzer ermutigen und dabei unterstützen, borkenkäferbefallene oder nach einem Extremwetterereignis viel zu früh geerntete Bäume und Waldabschnitte wieder aufzuforsten und zu pflegen“, erklärte er. Dieses Erste-Hilfe-Programm sei sehr wichtig, aber es bedürfe noch weiterer Schritte, um die vielfältigen Waldleistungen für die nächste Generation aufrechtzuerhalten. Er forderte mutige Weichenstellungen in der Energiepolitik, eine Umstellung auf Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft. Auch die Forschung und Züchtung von klima- und schädlingsresistenten Pflanzen sowie die Entwicklung und Zulassung von ökologisch verträglichen Bekämpfungsmaßnahmen gegen Schadorganismen müssten vorangetrieben werden.

Welche Gesamtsumme in die neue Sofortmaßnahme fließt, wird davon abhängen, in welchem Umfang diese von den Waldbauern in Anspruch genommen wird. Aktuelle Schätzungen liegen bei bis zu 20 Mio. €, wobei derzeit noch nicht absehbar ist, wie sich die Borkenkäfersituation in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird. Bei der Vorstellung des Programms kündigten Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek und LK-Präsident Josef Moosbrugger weitere Schritte an, die dieser Sofortmaßnahme folgen sollen. „Der Schadholzanfall schreitet im Eiltempo voran. Darum müssen wir handeln – und wer schnell hilft, hilft doppelt“, betonte Patek. „Die Holzmarktsituation ist zurzeit derart katastrophal, dass viele Waldbäuerinnen und Waldbauern keinerlei Perspektive mehr darin sehen, ihre kaputten Waldbestände wieder aufzuforsten“, sagte Moosbrugger. Um ihre Investitionsbereitschaft wiederherzustellen, bräuchte es sowohl kurz- als auch langfristig wirkende Maßnahmen.

Mit Material von AgE