Bilanz

Österreich: Einkommen stagnieren

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 09.09.2020 - 18:01

Obwohl die Regierung mehr ÖPUL-Gelder zahlt, konnten die Einkommen der Bauern unter Stich kaum davon profitieren.

Milchviehbetrieb-Österreich-Milchviehstall

Im Ministerrat wurde heute der Grüne Bericht 2020 beschlossen. Dem Bericht zufolge beliefen sich die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft 2019 in Österreich im Durchschnitt aller Betriebe auf 27.966 Euro. Dies bedeutet ein Minus von 0,2% gegenüber dem Vorjahr. "Nach den Zuwächsen der Jahre 2016 und 2017 und einem deutlichen Minus von 10% im Jahr 2018 stagnierte das agrarische Einkommen 2019 auf dem Niveau von 2016. Vor allem der Klimawandel setzt unseren bäuerlichen Betrieben massiv zu, das spüren sie auch beim Einkommen. Diese Entwicklung zeigt, dass Entlastungsmaßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft zwingend notwendig sind", stellt Bundesministerin Elisabeth Köstinger fest.

Laut Köstinger hat der Bund in den vergangen zwei Jahren Entlastungen von 120 Mio. Euro für die bäuerlichen Familienbetriebe umgesetzt. Die steuerlichen Erleichterungen kämen ab 2020 und damit zur richtigen Zeit", so Köstinger.
 

Schweinebauern profitieren

Eine Auswertung der Daten nach Betriebsformen zeigt, dass die Veredelungsbetriebe - vor allem durch den Anstieg des Schweinepreises - die höchsten Zuwächse erzielten (+49%). Im Gegenzug dazu verzeichneten die Dauerkulturbetriebe mit 31% das stärkste Einkommensminus, bedingt durch enorme Preisrückgänge im Vergleich zum Vorjahr im Obstbau und durch Ertragseinbußen im Weinbau. Einkommensrückgänge wurden auch - trockenheitsbedingt - bei den Futterbaubetrieben verzeichnet, und die Forstwirtschaft wurde schwer durch den starken Borkenkäferbefall beeinträchtigt.

"Positiver gestaltete sich die Entwicklung bei den Gemischtbetrieben (+9%) und Marktfruchtbetrieben (+4%)", erläutert Franz Fensl, Bereichsleiter Agrarökonomie bei LBG Österreich.

Für Bergbauern 19 Prozent weniger

Die land- und forstwirtschaftlichen Einkünfte aller Bergbauernbetriebe betrugen 2019 im Schnitt 22.657 Euro je Betrieb und lagen um 19% unter dem Durchschnitt aller Betriebe. Gegenüber dem Vorjahr blieben die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft im Durchschnitt aller Betriebe gleich, wobei die Nicht-Bergbauernbetriebe einen Einkommensanstieg von 3% erzielten und die Bergbauernbetriebe ein Minus von 5% verzeichneten. Dies ist vor allem auch auf die sinkenden Erträge aus der Forstwirtschaft zurückzuführen.
 

Bio-Betriebe erzielten höheres Einkommen

Bio-Betriebe haben im Berichtsjahr 2019 im Schnitt ein höheres Einkommen im Vergleich zu konventionellen Betrieben erzielt. Vor allem im Wein- und Milchbereich wirken sich die Exporte positiv aus. Bei den Marktfruchtbetrieben zeigt sich allerdings ein anderes Bild, hier wirkte sich ein gewisses Überangebot an Bio-Getreide negativ auf die Preise aus.

Dennoch lag das Einkommen mit 36.536 Euro rund 7.500 Euro höher als bei den konventionellen Betrieben. Im Vergleich zum Vorjahr mussten die Bioackerbauern aber einen Rückgang um fast 21 Prozent hinnehmen.

Gründe für die Veränderungen

Positiv auf die landwirtschaftlichen Einkünfte wirkten sich im Jahr 2019 ein deutlicher Ertragsanstieg in der Schweinehaltung, bedingt durch höhere Preise bei leichten Produktionsrückgängen, die Ertragssteigerung im Marktfruchtbau durch höhere Erntemengen bei Getreide, Hack- und Ölfrüchten, weiters höhere Erträge aus der Diversifizierung (Direktvermarktung, Heuriger, Urlaub am Bauernhof) sowie die Zunahme der öffentlichen Gelder, vor allem beim Agrarumweltprogramm ÖPUL, aus.

Einen negativen Einfluss übten gleichzeitig die schlechte Ertragssituation im Obst- und Weinbau, die Einbußen in der Forstwirtschaft aufgrund erhöhten Anfalls an Borkenkäferschadholz, aber auch die gesunkenen Erträge aus der Rinderhaltung infolge von Preisrückgängen und höheren Sachaufwendungen (Tierzukäufe, Futtermittel, Energie) aus. Dazu kamen noch gestiegene Abschreibungen für Maschinen und Geräte.

Mit Material von aiz