Wirtschaftsmodelle

Ökosoziale Marktwirtschaft: Ein Modell für die Zukunft

aiz
am Donnerstag, 17.09.2020 - 05:19

Wirtschaften im Einklang mit der Natur erscheint aktueller denn je.

Landwirtschaftsministerin Österreich

Wien - Vor mehr als 30 Jahren stellte Josef Riegler das visionäre Konzept der "Ökosozialen Marktwirtschaft" vor, das darauf abzielt, Wirtschaft, Soziales und Umwelt in Balance zu bringen. "Heute ist dieses Wirtschafts- und Lebensmodell wichtiger denn je", betonte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger zum "Tag der Ökosozialen Marktwirtschaft", der am vergangenen Samstag begangen wurde. "Im Einklang mit der Natur zu wirtschaften ist in der DNA unserer Bäuerinnen und Bauern verwurzelt. Die heimische Land- und Forstwirtschaft hat selbst größtes Interesse daran, ökosozial und nachhaltig zu arbeiten, denn das ist ihre Lebensgrundlage", so Köstinger.

Wertschöpfungskette Forst-Holz als Beispiel für gelebte Nachhaltigkeit

"Grund und Boden zu bewirtschaften, ihn für die nächsten Generationen zu erhalten und zu schützen, das ist gelebte ökosoziale Marktwirtschaft", erklärte die Ministerin. Als eines von vielen Beispielen nannte sie die Wertschöpfungskette Forst-Holz, in der sowohl Innovation als auch Nachhaltigkeit von entscheidender Bedeutung seien. Wie viele andere landwirtschaftliche Sektoren stehe die heimische Forstwirtschaft vor enormen Herausforderungen.

"Die Preise stagnieren, Trockenheit und Schädlinge setzen dem Wald- und Holzbestand zu. Der Wald ist aber nicht nur stark vom Klimawandel betroffen, sondern auch Teil der Lösung", verdeutlichte die Bundesministerin. Daher habe die Bundesregierung erst kürzlich einen Waldfonds mit einem Volumen von 350 Mio. Euro eingerichtet, um Österreichs Wälder zukunfts- und klimafit zu machen. Das Paket enthalte zehn Maßnahmen, um die Forstwirtschaft zu stärken. Dazu gehöre auch ein Forschungsschwerpunkt zur Erzeugung von Treibstoffen aus Holz. "Um Klimaziele und Erneuerbaren-Energie-Ziele zu erreichen, ist eine Alternative zu fossilen Energieträgern notwendig. Im vergangenen Jahr waren mehr als 60% der österreichischen Holzernte Schadholz, auch heuer wird mit ähnlichen Mengen gerechnet. Ziel ist es, Schadholz bestmöglich für die energetische Verwertung zu nutzen. Holzgas und Holzdiesel haben hier viel Potenzial", zeigte Köstinger auf.

Rein rechnerisch könnte man alle Häuser in Österreich mit Holz bauen

"Im Sinne einer ökosozialen Kreislaufwirtschaft gewinnt Holz auch als ökologische Alternative beim Bauen an Bedeutung. Alle 40 Sekunden wachsen in Österreich 40 m3 Holz, was dem Bedarf für den Bau eines Einfamilienhauses entspricht. Die Forstwirtschaft arbeitet dabei nachhaltig, es wächst mehr nach als genutzt wird. Mit zwei Drittel der jährlichen Holznutzung könnten wir rein rechnerisch alle Häuser in Österreich mit Holz bauen", so Köstinger. Die österreichische Holzbauoffensive im Umfang von 60 Mio. Euro solle diesen Ansatz stärken und dazu beitragen, dass Holz künftig auch in der Bauwirtschaft eine größere Rolle spielt.

"Josef Riegler ist einer der größten Vordenker unserer Zeit. Seine Ideen und Konzepte waren starker Antrieb für viele Veränderungen, vor allem in der Land- und Forstwirtschaft. Nachhaltiges Wirtschaften, unter Einbeziehung der Menschen und ihrer Bedürfnisse, ist heute zum Glück zur Selbstverständlichkeit geworden. Dafür steht die ökosoziale Marktwirtschaft, die auch in den nächsten Jahren Richtschnur unserer Arbeit sein wird", so Köstinger. Nähere Informationen über die ökosoziale Bedeutung des Waldes sind unter www.nachhaltigkeit.at verfügbar. (Schluss)