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Mutterkühe, Kurse und Kochbücher

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Patrizia Schallert
am Montag, 03.09.2018 - 12:29

Bäuerin Heidi Huber hat sich vor allem einen Namen als Autorin gemacht

Reinbach/Salzburg Der „Katzlmoos-Hof“ in Reinbach bei St. Johann im Pongau ist ein Nebenerwerbsbetrieb wie viele andere, wäre da nicht die Bäuerin Heidi Huber, die sich als Autorin zahlreicher Koch- und Backbücher einen Namen gemacht hat. In ihren Druckwerken mit einer Gesamtauflage von mehr als 80 000 Exemplaren vermittelt sie dem Leser nicht nur ihr umfangreiches Wissen über eine gesunde Ernährung und Rezeptideen. In jedem ihrer Bücher ist auch spürbar, wie wichtig der St. Johannerin die tiefe Achtung und Wertschätzung der Natur ist, die „uns jahrein jahraus wertvolle Mittel zum Leben schenkt“.

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Heidi Huber hat mit ihrem Mann Hermann vor 35 Jahren seinen elterlichen Betrieb übernommen, der seit langem verpachtet war. Gemeinsam begannen die Beiden auf dem „Katzlmoos-Hof“ wieder mit der bäuerlichen Urproduktion und führten den Betrieb im Nebenerwerb. „Als ich Hermann geheiratet habe, hatte ich unglaubliche Angst vor Rindern, heute liebe ich sie“, blickt Huber zurück. „Damals entschlossen wir uns für den Umstieg auf kleinere Nutztiere. Wir schafften 20 Tiroler Bergschafe und fünf Ziegen an.“ Zwei Jahre später zogen schließlich wieder Fleckviehkühe auf dem Katzlmoos-Hof ein. Die Milch einer der Kühe verarbeitete die Bäuerin selbst. „Durch unsere fünf Kinder hatte ich ja schließlich mehr als genug Verwendung dafür“, sagt die 58-Jährige.

Mutterkühe im Nebenerwerb

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Drei Jahre später hat Familie Huber als eine der ersten im Pongau ihren Betrieb aus arbeitstechnischen Gründen auf Mutterkuhhaltung umgestellt. 2006 baute sie einen neuen Laufstall. Dieser wird nur im Winter genutzt. Ab dem Frühjahr sind die zwölf Mutterkühe mit ihrer Nachzucht – im Schnitt zehn bis zwölf Jungtiere – und einem Stier auf der Weide. Den Sommer verbringen drei bis vier Mutterkühe mit ihren Kälbern auf der Alm. Der Betrieb bewirtschaftet 12 ha mehrmädige Wiesen, 5 ha Hutweide und 9 ha Wald. Als Futter werden Heu- und Grassilage vorgelegt, im Mittel jährlich drei Kalbinnen nachgestellt. Die Vermarktung der schlachtreifen Tiere erfolgt über die Erzeugergemeinschaft Salzburg Rind. Inzwischen hat das Betriebsführerpaar den Hof an Sohn Manuel und dessen Freundin Nicole übergeben.

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Heidi Huber ernährt sich gerne gesund und schwört auf Selbstgemachtes. „Wenn ich das Essen mit naturnahen und hochwertigen Produkten zubereite, weiß ich, was wirklich drinnen ist. Außerdem ist das saisonale, regionale und gesunde Kochen mit viel Liebe das Erfolgsrezept zum Gelingen eines jeden Gerichts.“ Die Austragsbäuerin findet es „sehr verwerflich“, was die Industrie alles in den Lebensmitteln verarbeitet. Schockiert sei sie vor allem, wenn auf der Verpackung „zuckerreduziert“ steht, obwohl Maissirup oder andere Zuckerersatzprodukte in hochkonzentrierter Form enthalten sind. „Es ist bedauerlich, dass nicht darauf hingewiesen wird, welches Suchtpotenzial in manchen industriell hergestellten Lebensmitteln steckt.“

Erstes Buch über Milchverarbeitung

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Als Heidi Huber vor mehr als 30 Jahren mit der Verarbeitung der hof- eigenen Milch begann, war das eine Herausforderung. „Ich hatte ja keine Ahnung, wie ich Joghurt, Topfen oder Weichkäse herstellen soll, also besuchte ich erst einmal ein Käse- und ein Hygiene-Seminar.“ Weil sie kaum Literatur über die Verarbeitung von Milch fand, beschloss sie ein Buch über ihre Erfahrungen zu schreiben. „Dabei wollte ich vor allem auch auf meine Probleme und Misserfolge eingehen.“ Eines der größten Hindernisse in der Produktion war der Mangel an geeignetem Werkzeug. „Ich war ratlos, wo ich für den Hausgebrauch kleine Käseformen oder Käseleinen herbekommen sollte. Damals gab es ja noch kein Internet, in dem man einfach googeln kann.“

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An ihrem ersten Buch „Köstlichkeiten aus Milch“ hat die Pongauerin etwa ein Jahr lang geschrieben, ganz bewusst in einfacher und verständlicher Sprache. Im Eigenverlag ließ sie 2000 Exemplare drucken und ging damit von Zeitungsverlag zu Zeitungsverlag hausieren, um es publik zu machen. „Das war sehr mühsam und zeitraubend. Umso verwunderter war ich, als die erste Auflage bereits nach zwei Monaten ausverkauft war.“ Als Bäuerin hatte sich Huber in ihrem Buch nicht nur auf Tipps und Tricks für die traditionelle Milchverarbeitung und Rezepte beschränkt. Sie ging auch darauf ein, wie sich Erkrankungen oder die Art der Fütterung der Kühe auf die Qualität der Milch auswirken. Das Vorlegen von Silage könne beispielsweise ein Hindernis sein, dass sich aus der Milch problemlos Joghurt, Topfen oder Weichkäse herstellen lässt.

Großer Erfolg mit Kochbüchern

Beflügelt durch den erfolgreichen Verkauf ihres ersten Buches, der Freude am Schreiben und am Experimentieren in der eigenen Küche entstand 1998 aus Hubers Feder das nächste Werk mit dem Titel „Köstlichkeiten aus Germteig.“ Zwei Jahre zuvor hatte die Autorin noch mit dem Computer gehadert und ihre Kreationen selbst analog fotografiert. „Das war immer ein Bangen, ob die Fotos gelungen sind, nachdem ich sie entwickeln lassen hatte“, lacht Huber. Dieses Buch wurde wieder im Eigenverlag gedruckt. Schnurstracks waren die 3000 Stück vergriffen.

Weil der Bäuerin das saisonale Kochen sehr am Herzen lag, kam, was kommen musste: ihr nächstes Buch mit dem Titel „Das Bäuerinnen-Kochbuch der Jahreszeiten – 365 Rezepte nach dem Erntekalender“. Der erste Salat im Jahr mit taufrischer Brunnenkresse, saftige dunkelrote Kirschen im Juni, ein herzhafter Gemüsestrudel im Oktober und wärmendes Kohlgemüse im Dezember – wer sich im Jahreszeitenkreislauf ernähren will, findet in diesem Kochbuch für jeden Tag eine Anregung, schreibt die Autorin im Vorwort. Über Umwege kam Huber zum Löwenzahnverlag, der ihr Buch druckte und verlegte. „Obwohl das Bäuerinnen-Kochbuch mit sehr wenigen Bildern hinterlegt wurde, ist es immer noch der Renner und wird bereits in der dritten Auflage verkauft“, freut sich Huber über den Erfolg, an dem sie zwei Jahre gearbeitet hatte.

Ein Rezeptbuch folgt dem nächsten

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Die Zeit verging und die Bäuerin hatte unzählige neue Rezeptideen im Kopf. So erschien über den „Dort-Hagenhausen-Verlag“ 2013 ihr Buch „Alles von der Milch – Köstlich & Selbstgemacht“, das sogar in das Englische und Französische übersetzt wurde. In ihrem Buch „Schlank durchs Jahr – Saisonale Rezepte für Ihr Wohlfühlgewicht“ gibt die Autorin nicht nur hilfreiche Informationen für eine langfristige Ernährungsumstellung zur nachhaltigen Gewichtsreduktion mit alltagstauglichen Rezepten, sondern auch Bewegungs- und Motivationstipps. Nach ihrem Buch „Schnelle Küche für jeden Tag“ hat Huber ihr vorerst letztes Werk „Kuchenglück vom Blech“ gemeinsam mit ihrer Tochter Christina, einer gelernten Bäckerin und Konditorin, herausgebracht.

Das Schreiben und Fotografieren waren aber nicht die einzige Passion der Autorin. Zwei Jahre lang war sie für das Land Salzburg Leiterin des Projekts „Lebensqualität Bauernhof“ und schloss zudem die Qualifizierung zur Waldpädagogin und für „Schule am Bauernhof“ ab. Außerdem absolvierte sie vor 20 Jahren die Ausbildung zur Seminarbäuerin.

Kurse über Milch und gesunde Ernährung

In dieser Funktion nutzte sie in Vorträgen und Kochkursen die Gelegenheit, ihr Wissen rund um die Milch und die gesunde Ernährung mit regionalen Produkten an andere Menschen weiterzugeben. Ihre Zielgruppe waren vor allem Bäuerinnen, Tagesmütter und Schulkinder.
Das „Eltern-Kind-Kochen“ ist damals ein Highlight für mich gewesen, erinnert sich Huber. Als Mutter von fünf Kindern weiß sie, wie wichtig eine gesunde und ausgewogene Ernährung für deren Wachstum ist. „Wenn Kinder von klein auf beim Ernten und Zubereiten der Lebensmittel dabei sind, greifen sie auch später auf hochwertige Produkte zurück.“ Im Hinterkopf geblieben ist Huber auch die Aussage einer Kursteilnehmerin, die auf den Bewertungsbogen für den Kurs geschrieben hatte: „Heidi Huber ist ein Naturkind und mag keine Chemie.“

Tatsächlich ist die Bäuerin eng mit der Natur verbunden. Ihr erster Weg nach dem Aufstehen führt sie zu einem Bach in Hofnähe, an dem sie ihre Meditationen macht und die Stille des Morgens genießt. Große Freude bereitet der Austragsbäuerin auch das Arbeiten in ihrem Blumen- und Gemüsegarten. „Beim Unkrautjäten und Pflanzen vergesse ich die Welt um mich herum und bin einfach nur glücklich über mein schönes Leben.“ Seit Huber am Katzlmoos-Hof wohnt, hat sie zwar viele Höhen und Tiefen durchlebt, inzwischen aber ihren inneren Frieden gefunden. „Rückblickend frage ich mich manchmal aber schon, wie ich Haus und Hof, die Arbeit als Arzthelferin, fünf Kinder, das Bücherschreiben und die Tätigkeit als Seminarbäuerin unter einen Hut gebracht habe.“ Ohne ihre Mama Erika wäre vieles nicht möglich gewesen, sagt Huber mit einem dankbaren Lächeln im Gesicht.