Preiskrise

Moosbrugger: Milch und Fleisch müssen teurer werden

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 12.11.2021 - 16:14

Österreichs Kammerpräsident beklagt große Schere zwischen Kosten und Erlösen. Nur im Ackerbau sind Preise gestiegen.

Euterhygiene_Melkstand

Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger hält dringend höhere Erzeugerpreise für geboten. In einem APA-Interview beklagte er die Explosion der Kosten für bäuerliche Produzenten. Stickstoff-Dünger koste aktuell fast dreimal so viel wie im Vorjahr. Auch deutlich gestiegene Preise für Futtermittel, Energie, Baumaterial, Ersatzteile, Maschinen und andere Betriebsmittel würden die Bilanzen der Land- und Forstbetriebe "erheblich" belasten. Moosbrugger sprach sich für bessere Erzeugerpreise, "einen Schulterschluss der gesamten Wertschöpfungskette" und eine wie von der Regierung geplante, verpflichtende Lebensmittel-Herkunftskennzeichnung aus.

Nur in manchen insbesondere pflanzlichen Produktionssparten können Landwirte die höheren Kosten bis zu einem gewissen Grad über aktuell bessere Erzeugerpreise abgefedern, so Moosbrugger. Aber die Halter von Schweinen, Milchvieh oder Legehennen würden von zwei Seiten unter Druck geraten. "Während einerseits die Futter- beziehungsweise Betriebsmittelkosten massiv in die Höhe geschnellt sind, erleben die Betriebe auf der Absatzseite den üblichen Preiskampf und -wettbewerb."

GVO-freies Sojaschrot vierfach verteuert

Sojaschrot_Preis-steigend

Die Preis-Kosten-Schere klaffe somit immer weiter auseinander. Das könne "nicht so weitergehen". Bei den Futtermittelpreisen habe sich der Zuschlag für Gentechnik-freien Sojaschrot binnen zwölf Monaten von 50 Euro auf über 200 Euro/t mehr als vervierfacht, der Basispreis für Soja sei um ein Drittel gestiegen. Auch Mischfuttermittel hätten sich deutlich verteuert, für Hühneraufzucht etwa um 24%.

Der Kammerpräsident hält es für unerlässlich, dass die Kosten in der Wertschöpfungskette dort bezahlt werden, wo sie anfallen. Sonst würde es sich finanziell "für viele Betriebe nicht länger ausgehen. „Dann darf sich auch niemand über weitere Betriebsaufgaben und leblose, ländliche Räume beklagen", warnt er.

Der Generalsekretär der LK Österreich, Ferdinand Lembacher, empfiehlt bäuerlichen Unternehmen etwa beim Saatgut-, Dünger- oder Futtererwerb nicht alles zu einem Zeitpunkt zu besorgen, sondern die Preise über eine längere Phase zu beobachten und zu mehreren Zeitpunkten Teilmengen zu kaufen.

Hechenberger: Molkereien mehr Milchgeld zahlen

Der Vorsitzende des Ausschusses für Milchwirtschaft in der LK Österreich und LK Tirol-Präsident, Josef Hechenberger, drängt beim Milchpreis nach kürzlich von der AMA veröffentlichten Meldungen "erfreulicher Tendenzen" darauf, die Milchauszahlungspreise für die Bauern weiter zu erhöhen. Die internationalen Milchpreise und die Betriebsmittelkosten stiegen nämlich.

Das richtungsweisende Milchpreisbarometer des deutschen ife-Instituts verzeichnet seit dem Sommer einen Aufwärtstrend. Dort ist der ife-Rohstoffwert Milch ab Hof auf 43,3 Cent/kg gestiegen. Seit Jahresanfang legte er um 12 Cent/kg zu. Basis sind 3,4% Eiweiß, 4% Fett, ab Hof, netto.

"Diesen Trends müssen auch Verarbeiter und Handel Rechnung tragen. Wir fordern die Molkereien daher mit Nachdruck auf, die Bauernmilchpreise dringend nach oben zu korrigieren", so Hechenberger.

Mit Material von aiz
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