Eiweißfuttermittel

Mehr heimisches Eiweiß als Ziel

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 12.07.2021 - 08:10

Österreich will bis 2030 seine Sojaimporte mehr als halbieren. Dafür sind mehrere Maßnahmen geplant.

Sojaanbau-Pflanze

Bis 2030 will Österreich die Sojaimporte aus Übersee mindestens auf 250.000 t halbieren. Das gab Bundesagrarministerin Elisabeth Köstinger Anfang der Woche bekannt, als sie Eiweißstrategie vorstellte. Derzeit führt Österreich rund 500.000 t Sojabohnen und Sojaschrot ein. Damit steigt die Eigenversorgung mit pflanzlichem Eiweiß für die Tierfütterung auf über 90 Prozent.

Laut Österreichs Kammerpräsident Josef Moosbrugger kann Österreich seinen Bedarf an pflanzlichem Eiweiß vor allem dank seines wertvollen Grünlands zu über 80% aus der eigenen Produktion decken. „Bei Soja sind wir, was den Ackerflächenanteil betrifft, sogar Europameister und wollen diese Vorreiterrolle weiter ausbauen. Das Ziel einer möglichst autonomen Eiweißversorgung tragen wir auch gerne mit, wenn die Rahmenbedingungen passen,“ so der Präsident. Vor allem bei der Fütterung von Wiederkäuern kann sich Österreich nach Ministeriumsangaben schon jetzt fast selbstversorgen.

Zusätzliche Fördergelder angekündigt

Um das „sportliche“ Ziel zu erreichen, sind mehrere Maßnahmen vorgesehen. Zunächst will die Regierung den Anbau heimischer Eiweißfuttermittel ausdehnen. Derzeit beträgt er über 75. 000 ha, 40 Prozent davon sogar biologisch. Die Erntemengen beliefen sich in den vergangenen beiden Jahren mehr als 200.000 t, so das Ministerium. Dazu sollen die Kammern die Beratung verstärken. Daneben will „bisher erfolgreiche“ Züchtungsstrategien fortsetzen.

Gleichzeitig können die Landwirte auf zusätzliche Fördergelder bauen. „Für den Anbau aber auch für die Fütterung werden wir in der zukünftigen Gemeinsamen EU-Agrarpolitik noch stärkere Anreize setzen, “ verspricht Bundesagrarministerin Köstinger.  Dabei denkt sie an Fruchtfolgeauflagen und Förderung von Feldfutter mit Eiweißpflanzen, ebenso die Förderung der Artenvielfalt durch Anbaudiversifizierung und förderungswürdige Eiweißpflanzen. Auch für Begrünungsmaßnahmen und Erhalt des Dauergrünlands will sie zusätzliche Mittel bereitstellen.

Im Öpul-Programm erhalten Tierhalter eine Prämien-Option bei stark stark eiweißreduzierter Fütterung. Daneben sind Forschungsschwerpunkte zur bedarfsgerechten und optimierten Eiweißfütterung in der Strategie vorgesehen. Das Ministerium erhofft sich dadurch weniger Sojabedarf, weniger Stickstoff im Wirtschaftsdünger, eine geringere N-Belastung des Grundwassers und  weniger Ammoniak-Emissionen.

Absatzmärkte stärken

Gleichzeitig nimmt die Strategie auch den Absatzmarkt in den Blick. Laut Ministerium müssen Konsumentinnen und Konsumenten bereit sein, die Mehrkosten für Produkte mit heimischem oder europäischen Eiweiß zu übernehmen. Die Kosten können und sollen nicht alleine Landwirtinnen und Landwirten oder die öffentliche Hand tragen, heißt es in der Eiweißstrategie. Daher sollen im AMA-Gütesiegel mehr Tierwohl und nachhaltige europäische Eiweiß-Futtermittel miteinander verknüpft werden. Begleitend setzt man auf Maßnahmen, um den Absatz dieser Produkte zu steigern. Schweinehaltende Betriebe, die bereits erhöhte Tierwohlanforderungen umsetzen, sollen zukünftig auch eine Unterstützung erhalten, wenn sie ausschließlich nachhaltige europäische Eiweißfuttermittel verwenden.

Für Bauernbundpräsident Georg Strasser geht es vor allem darum, die Absatzmärkte für gentechnikfreie Lebensmittel zu stärken, um auch die Mehrkosten in der Fütterung abzugelten. Dafür braucht es eine geschickte Marktpolitik mit treffsicheren Informations- und Werbemaßnahmen.

„Mit dieser Eiweißstrategie kommen wir unserem Ziel näher, das AMA-Gütesiegel marktkonform gentechnikfrei zu gestalten. Dazu laufen bereits intensive Vorbereitungsarbeiten,“ stellt Strasser in Aussicht. Zudem will die Bundesregierung in ihrem Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen öffentlichen Beschaffung, dass öffentliche Kantinen schrittweise bis 2025 gänzlich auf GVO-freie Fütterung bei Rind- und Schweinefleisch umstellen.

 

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