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Pflanzenschutz

LK Österreich bezeichnet Pestizidatlas als skurrile Vermischung

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 12.01.2022 - 18:23

Die Landwirtschaftskammer Österreich und der Unabhängige Bauernverband gehen mit dem Pestizidatlas hart ins Gericht. Global 2000 widerspricht.

Pflanzenschutz-Lagerung

In ihrer Stellungnahme bezeichnet die Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) den Pestizidatlas-Meldung von Global 2000 als „eine skurrile Vermischung von Kraut und Rüben“. Die Situation in Südamerika, Afrika und Asien, wo eine vollkommen andere Landwirtschaft herrsche, könne nicht mit jener in Europa und Österreich in Verbindung gesetzt werden. Das entbehre jeder Seriosität.

Die regelmäßigen Untersuchungen der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bescheinigen laut LK Österreich heimischen Lebensmitteln höchste Qualität und Sicherheit. „Das weitaus größte Gesundheitsrisiko sind falsche Ernährung, zu wenig Bewegung und falsche Lagerung von Lebensmitteln im Haushalt“, betont die LKÖ.
 

Weniger Pflanzenschutzmittel

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln findet nach LKÖ-Angaben in Österreich auf höchstem regulatorischen und technischen Niveau statt. Der Einsatz der chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel sei in den letzten zehn Jahren laut AGES-Daten um 22,1% gesunken. Auch im Grünen Bericht 2021 sei nachzulesen, dass in Österreich nach Herausrechnen der sogenannten inerten Gase, womit im Wesentlichen harmloses Kohlendioxid gemeint ist, die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln schon seit längerem rückläufig ist.

„2020 beträgt die Abnahme 4,1%. Der Anteil an chemisch-synthetischen Wirkstoffen ging in diesem Jahr sogar um 8,3% zurück und umfasst nur mehr ein Drittel der Gesamtmenge“, so die LKÖ. „Die einsetzten Mittel bzw. Wirkstoffe haben auf EU- und nationaler Ebene außerdem ein strenges und genaues Zulassungsverfahren durchlaufen. Sie werden erst eingesetzt, wenn sie als sicher und wirksam gelten. Jeder Anwender muss über Sachkunde verfügen und eine entsprechende Ausbildung absolviert haben“, so die Landwirtschaftskammer.
 

Landwirte stellen Flächen für Biodiversität bereit

„Österreichs Bäuerinnen und Bauern sind Nachhaltigkeits-, Tierwohl- und Bio-Weltmeister. Hierzulande werden mittlerweile 26% der Fläche biologisch bewirtschaftet. Mehr als 80% der heimischen Bauernhöfe nehmen am Agrarumweltprogramm (ÖPUL) teil.

Aktuell werden bereits 5% der Flächen von den Bäuerinnen und Bauern ganz gezielt für die Biodiversität, allen voran (Wild-)Bienen und andere Bestäuber, zur Verfügung gestellt. Warum würde diese Leistungen nicht endlich anerkannt?, fragt sich die LKÖ. "Es ist geradezu geschäftsschädigend für unsere hart und nachhaltig arbeitenden Bauernfamilien, wenn von Pestizidvergiftungen gesprochen wird. Das entbehrt jeglicher Fakten!“, kritisiert die Landwirtschaftskammer scharf.

Global 2000-Aktivitäten verunsichern Verbraucher

Aktivitäten wie jene von Global 2000 sind nach LKÖ-Ansicht nicht zuletzt die Ursache für die Skepsis gegenüber Wissenschaft und Forschung. Die Abwehrhaltung mancher Menschen gegenüber der Pharmazeutik sowie ihren Medikamenten und Impfstoffen sei kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Verunsicherungen. Sehr oft sind es dieselben Firmen, die im Bereich der Medikamente genauso forschen, wie im Bereich der Pflanzenschutzmittel.

„Wenn deren Wissenschafts- und Geschäftsaktivitäten von NGOs ständig in ein schiefes Licht gerückt werden, darf sich niemand wundern, wenn Verschwörungstheorien auf fruchtbaren Boden fallen“, warnt die LKÖ. Sie fordert daher in ihrem Statement, Wissenschaft, Forschung und zuständigen Behörden mehr zu glauben als den „Scharlatanen“.

UBV fordert Importverbot

Der Unabhängige Bauernverband (UBV) betont, die österreichischen Landwirte halten sich an die strengen gesetzlichen Vorschriften bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Er fordert stattdessen ein Importverbot von Lebensmitteln, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, welche in Österreich schon lange verboten sind. Zum Schutz der heimischen Bauern und der Konsumenten. Bei den importieren Lebensmitteln hingegen fehlt laut UBV die Kontrolle.

Global 2000 weist Kammervorwürfe zurück

Global 2000 weist die Vorwürfe der LKÖ entschieden zurück und ruft zu mehr Sachlichkeit auf.  Der Pestizidatlas sei das Ergebnis einer Zusammenarbeit der Heinrich Böll-Stiftung, des BUND Deutschland, des PAN und Global 2000 unter Mitwirkung zahlreicher Expertinnen und Experten, so Dagmar Gordon von Global 2000.

"Dass die dort beschriebenen Inhalte der LKÖ nicht gefallen, mag nachvollziehbar sein", meint Gordon. Es berechtige jedoch nicht zu reflexartigen Unterstellungen. Dies sei einer sachlichen Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen der Landwirtschaft, mit denen auch die Bäuerinnen und Bauern zu kämpfen haben, nicht zuträglich. GLOBAL 2000 lädt aus diesem Grund die LKÖ ein, etwaige Zweifel hinsichtlich der Inhalte des Pestizidatlas zu übermitteln. Die Organisation will in einem Gespräch die Zweifel erörtern.

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