Standbeine

Die Leidenschaft für den Wald

Betriebsleiter
Patrizia Schallert
am Dienstag, 05.11.2019 - 10:19

Das Winklergut im Tennengebirge lebt vom Bergwald, Fleckviehzucht und Milchwirtschaft. Betriebsleiter und Fachlehrer Franz Bernhofer wurde für seine beispielhafte Waldwirtschaft mit dem Staatspreis ausgezeichnet.

Auf einen Blick

  • Franz Bernhofer bewirtschaftet 95 ha Bergwald als Mischwald mit Naturverjüngung. Das Holz wird vielfältig vermarktet. Ertrag und Kosten werden genau dokumentiert.
  • Das kluge Wirtschaften mit der Natur ist Betriebsphilosophie.
  • Sein Wissen gibt der Land- und Forstwirt als Lehrer weiter.
  • Erika Bernhofer kümmert sich um die Fleckviehherde, die den Sommer auf der Alm verbringt. Die Milchleistung der Biokühe liegt bei durchschnittlich 7700 kg.
  • Mit den drei Standbeinen wird der einstige Nebenerwerbsbetrieb heute im Vollerwerb bewirtschaftet.

Oberscheffau/Salzburger Land - Leben für den Wald – für Franz Bernhofer hat das eine zweifache Bedeutung: sein Leben dem Wald widmen und dem Wald Leben schenken. Der Wald dankt es mit einer stabilen Wirtschaftlichkeit. Für seinen Unternehmergeist und seine ökologieorientierte Produktion wurde der Forstwirtschaftsmeister und Landwirt mit dem österreichischen Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft ausgezeichnet.

Sein 95 ha großer Waldbesitz in Scheffau am Tennengebirge befindet sich vorwiegend in Steillagen und wurde zu zwei Dritteln als Schutzwald in Ertrag klassifiziert. Der Forstbetrieb ist für seine Dokumentationsfreudigkeit bekannt. Die umfassenden Aufzeichnungen bilden nicht nur die Entscheidungsgrundlage für Waldbau und Einschlag. Sie belegen auch den staatlichen Förderungsbedarf für die kostenintensive Bewirtschaftung von Steillagen.

Im Blick: Ökologie und Wirtschaftlichkeit

Forstbetrieb

Ökologie und Nachhaltigkeit sind freilich nicht alles, zur erfolgreichen Waldwirtschaft gehört auch die Ökonomie, wie Bernhofer betont. „Die größte Stärke mancher Berufskollegen ist die Leidenschaft, die größte Schwäche die Betriebswirtschaft.“ Der 47-jährige Forstwirtschaftsmeister weiß, wovon er spricht. Auf seinem Betrieb wird penibel dokumentiert, ob und wie viel Holz eingeschlagen, welche Sortimente bereit liegen, wie die Preise sind, was investiert und abgeschrieben wird.

Dabei hat er die Festmeterkosten stets im Blick. „Die Einberechnung der Sozialversicherung fällt hier oft unter den Tisch“, sagt Bernhofer. Auf seinem Betrieb sind das, gleich welche Baumart, 11 €. Dazu kommen der Bau und Erhalt der Forstwege mit 6 €/fm sowie die Abschreibung der forstlichen Maschinen mit 12 €/fm. Der Aufwand für Betriebsmittel oder Reparaturen ist hier noch nicht einmal eingerechnet. „Bei einem aktuellen Bruttoholzerlös von 65 €/fm ist der Deckungsbeitrag schon ernüchternd.“

Kalamitäten verursachen große Einbußen

Wer mit der Natur arbeitet, kann sich selbst auf einen noch so ausgeklügelten Waldwirtschaftsplan, wie ihn Bernhofer führt, nicht verlassen. In den vergangenen Jahren seien die angedachten Maßnahmen aufgrund zahlreicher Kalamitäten wie Schneedruck, Windwurf, Borkenkäfer und Eschensterben in den Hintergrund getreten. „Mindestens die Hälfte der Holznutzung besteht aus Schadholz.

Der Schneedruck hat uns 2018/19 mit 500 Festmeter nahezu einen ganzen Jahreseinschlag beschert.“ Allein die betriebswirtschaftlichen Schäden an Kulturen und Starkholz beziffert Bernhofer auf 20 000 €. Große Einbußen musste das Winklergut auch 2017 durch einen Sturm hinnehmen, der 650 fm umgeworfen hat.

Mit Mischwald und Vögeln gegen den Borkenkäfer

Rinderhalter

Immerhin, der Borkenkäfer macht derzeit noch keine großen Probleme. „Doch die Wahrheit kommt erst im September, wenn die Nadeln braun werden“, befürchtet der Forstwirtschaftsmeister. Umso wichtiger seien ökologische Maßnahmen wie die Förderung von Mischwald und das Belassen von Totholz, das ein wertvolles Habitat für Insekten, Schwämme und Vögel ist. „Wer weiß, dass beispielsweise ein Specht täglich bis zu 3000 Borkenkäfer frisst oder sich von der Frucht der Eberesche mehr als 60 Vogelarten ernähren, der weiß auch, was zu tun wäre.“

Die alten, abgestorbenen Spechtbäume werden jedoch oft zur Gefahr, wenn sie an Wanderwegen stehen. Der Waldbesitzer ist per Forstgesetz verpflichtet, sie frei zu halten. Die Haftungsfrage sei hier eine große Herausforderung.

Naturverjüngung statt Pflanzen soweit möglich

Herausgefordert werden die Waldbesitzer auch vom Klimawandel. Der Forst der Familie Bernhofer besteht zu zwei Dritteln aus Nadelbäumen, diese wiederum zu 90 % aus Fichten und 10 % Tannen. Auf einem Drittel der Fläche wachsen Buchen und Bergahorn. Randbaumarten sind Linde und Ulme. „Eschen musste ich schon Tausende fällen“, klagt der Betriebsführer.

Wo es möglich ist, setzt er auf Naturverjüngung, gepflanzt werden nur Fichten, Tannen und Bergahorn. Die Jahresniederschlagmenge beläuft sich in der Region auf 1500 mm pro Jahr. Da das Kalkgestein des Tennengebirges kein allzu guter Wasserspeicher ist, kann sich selbst in dieser an sich niederschlagreichen Gegend die Trockenheit der vergangenen Jahre bemerkbar machen. Da ist nur von Vorteil, dass 80 % der hofeigenen Waldfläche schattenseitig liegen.
Bernhofer ist der festen Überzeugung, dass es auch in Zeiten des Klimawandels Standorte gibt, zu denen die Fichte passt. In den 60 und 70er-Jahren sei sie jedoch häufig auch dort gepflanzt worden, wo an und für sich Laubholz von Natur aus vorgekommen ist, welches ganz gezielt auch mit chemischen Mitteln bekämpft wurde. „Mein Vater ist in den 70er-Jahren dem Trend gefolgt und hat Douglasien gesetzt.

Heute steht keine einzige Douglasie mehr, weil sie auf dem kalkhaltigen Untergrund nicht gedeiht, nicht anders verhält es sich mit der Lärche. Fakt ist, dass auf unseren Böden die Fichte nunmal am besten gedeiht.“ Expertentipps dürften in der Praxis durchaus hinterfragt werden, sagt Berndorfer. Bei Baumarten wie Douglasie, türkische Hasel oder Roteiche gebe es noch wenig Erfahrungswerte zu Schädlingen oder der Vermarktung. „Welches Sägewerk kauft schon Douglasienholz und wenn ja, zu welchem Preis?“

Die Fichte sei nur deshalb in Verruf gekommen, weil in den 60er- und 70er-Jahren Monokulturen an Standorten angelegt wurden, auf denen früher Mischwälder wuchsen. „Von der Fichte und ihren Problemen spricht man vor allem so viel, weil sie am häufigsten vorkommt.“ Wildverbiss drohe den Tannen im Winter, weil die Gemsen in dieser Jahreszeit vom Tennengebirge bis in die Niederungen heruntersteigen. Rehverbiss hat Bernhofer eher wenig zu beklagen, Schäden durch Hochwild gar nicht. „Es wäre wichtig, dass Bauern die Jagd wieder aktiver ausüben, dann würde sich so manches Problem von selbst erledigen.“ Leider gehe die Zahl der Bauernjäger kontinuierlich zurück. Bernhofer ist Waidmann und übt als Mitglied der örtlichen Jagdgenossenschaft die Jagd im eigenen Wald selbst aus.

Vielfältige Vermarktung sichert Einkommen

Ausbildung

„In unserem Wald setzen wir auf Baumarten, die dort von Natur aus vorkommen und sich selbst verjüngen“, erklärt Bernhofer. Der jährliche Holzeinschlag beläuft sich auf rund 500 fm. Der Großteil des Nadelholzes wird an Sägewerke oder die Papier- und Zellstoffindustrie vermarktet. Buchenstammholz verkauft die Familie an Sägewerke, an die Plattenindustrie oder als Energieholz. Jährlich produziert das Winklergut 150 rm Scheitholz, das den Kunden teils ofenfertig zugestellt wird. Das Hackgut, das ausschließlich aus Restholz und Ästen von starken Randbäumen gewonnen wird, geht an die Heizwerke in Kuchl und Abtenau. „Beim Einschlag anfallendes Astmaterial bleibt bei uns grundsätzlich im Wald.“

Die betrieblichen Kosten stets im Blick

Wie seinen Wald hat Franz Bernhofer auch seine betrieblichen Kosten stets im Blick. „Jeder Betriebsführer sollte seine eigenen Zahlen kennen, beispielsweise die Abschreibung, die Sozialversicherung oder die variablen Kosten. Zu empfehlen sei eine separate Buchführung für die Land- und die Forstwirtschaft. Auch hier spricht der Betriebsleiter aus seiner Erfahrung.

Das Winklergut ist nämlich nicht nur im Forstbereich, sondern auch in der Milchproduktion und im Zuchtviehverkauf gut aufgestellt. Die 16 Fleckviehkühe kommen auf einen Stalldurchschnitt von 7700 kg. Die Milch wird von der Molkerei SalzburgMilch verarbeitet. Die Kühe werden von einem Techniker mit Fleckvieh- und Red Friesian-Samenmaterial belegt. Die Vermarktung der männlichen Nachzucht erfolgt im Alter von vier Wochen über die Erzeugergemeinschaft Salzburger Rind in Maishofen. Jährlich werden auch mehrere Zuchtkalbinnen ab Hof verkauft.
Das Futter wird auf 17 ha eigenem und 8 ha gepachtetem Grünland erzeugt. Neben Grünfutter, Heu und im Winter Silage wird den Milchkühen 14 dkg Kraftfutter pro kg Milchleistung vorgelegt. Bernhofers legen großen Wert darauf, dass die Leistung aus dem Grundfutter entsprechend hoch ist. Deshalb werden die Milchkühe bis zu 180 Tage im Jahr geweidet. Das Jungvieh und die Trockensteher sind von Ende Mai bis Ende September auf der 153 ha großen Alm. Hier besitzt die Familie ein Fünftel der Agrargemeinschaft Jochalpe. Mit Blick auf die Maschinenkosten bestehen zahlreiche Gemeinschaften mit Berufskollegen: Güllefass, Holzspalter, Rückewagen, Kleinseilbahn, Mulcher und Klauenstand. „Auf diese Weise lässt sich viel Geld sparen“, betont der Betriebsführer.

Das Ressort der Landwirtschaft liegt hauptsächlich in den Händen von Erika Bernhofer. Die 47-jährige Biobäuerin hat eine land- und hauswirtschaftliche Facharbeiterausbildung absolviert. Unterstützt wird das Betriebsführerpaar von ihren Kindern Rupert, Franz und Heidi sowie den Altbauern Aloisia und Franz.

Ausbildung der Jugend in Waldbewirtschaftung

Die vielen helfenden Hände ermöglichen es dem Betriebsführer, seiner Lehrertätigkeit im forstlichen Bereich nachzugehen. „Diese Arbeit gefällt mir, und zwar nicht nur weil sie rund 20 % unseres Betriebseinkommens ausmacht“, bekräftigt Bernhofer. „Die Ausbildung der Jugend ist eine große Aufgabe und die Zeit in der Schule ist zu knapp, dass sie ausreichend praktische Erfahrungen sammeln können.“

In diese Aufgabe war der landwirtschaftliche Facharbeiter und Forstwirtschaftsmeister hineingewachsen, nachdem er 2004 gemeinsam mit seiner Ehefrau Erika den elterlichen im Nebenerwerb geführten Biobetrieb übernahm. Damals war er als gelernter Tischler in einer erfolgreichen Möbelfabrik tätig.

Bereits zwei Jahre später entschied er sich für die Aufgabe seines Berufs, um das Wink-
lergut im Haupterwerb zu führen. Das kam auch seinem Wunsch entgegen, sich mehr um den Wald zu kümmern. „Forstwirtschaft hat auf unserem Betrieb schon eine lange Tradition. Einen Stall mit 100 Kühen möchte ich nicht geschenkt.“

In den kurstauglichen Waldflächen des Winklerguts oder in Wäldern der Umgebung führt Bernhofer den Praxisteil der Meister- und Facharbeiterausbildungen durch. Fachliches Wissen sei wichtig für eine erfolgreiche Forstwirtschaft: „Der entscheidende Moment im Leben eines Baumes ist seine letzte Viertelstunde. In ihr fällt die Entscheidung, ob sein Besitzer eine Wertschöpfung erzielt. Wie schlägt er den Baum, wie formt er ihn aus, wie vermarktet er ihn? Nur wenn er alles richtig macht, hat die Arbeit der vorherigen Generationen Sinn gemacht.“ Dabei habe sich leider bei so Manchen der eine oder andere Euro schon unnötig in Luft aufgelöst.

Erwachsenenbildung und Öffentlichkeitsarbeit

Ein weiteres Betätigungsfeld des Forstwirtschaftsmeisters ist die Erwachsenenbildung am LFI. Dort hält er für Firmen wie der ASFINAG oder Salzburg AG abgestimmte Kurse im Bereich Durchforstungs- und Dickungspflege oder Starkholzschlägerung ab. 
Die Unterstützung des Tourismus über die Gestaltung eines Waldlehrpfads, die Beschilderung von Waldwegen im eigenen Forst oder die Organisation eines „Tags des offenen Waldes“ oder Exkursionen auf dem Winklergut runden den vielseitigen Wirkungsbereich des Betriebsführers ab. „Die Waldbewirtschaftung ist ein Generationenauftrag“, betont Bernhofer. „Das Thema der Nachhaltigkeit sollte deshalb in der DNA eines jeden Forstwirts verankert sein.“