Flöchenverbrauch

Landfraß: Österreich will auf 2,5 ha täglich runter

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 22.10.2021 - 10:52

Österreichische Raumordnungskonferenz beschließt Raumentwicklungskonzept 2030. Moosbrugger erwartet zügig konkreten Strategieplan.

Flächenverbrauch-Straßenbau

Österreich will beim Senken des Flächenverbrauch rigoroser vorgehen. Bei der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) hat die Politik ein Raumentwicklungskonzept bis 2030 beschlossen. Das Treffen fand am Mittwoch (20.10.) statt. Dazu hatte die Bundesministerin Elisabeth Köstinger seit über zehn Jahren Vertreter von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialpartnern geladen.

"Wir wollen den Bodenverbrauch um 80% auf 2,5 ha pro Tag bis 2030 reduzieren. Das ist ein Paradigmenwechsel zum Schutz unserer wertvollen Böden", meint Köstinger. Bei der politischen Sitzung hat die ÖROK das "Österreichische Raumentwicklungskonzept bis 2030" beschlossen. Es dient als gesamtstaatliche Strategie und Leitbild der räumlichen Entwicklung in den kommenden zehn Jahren. Nach Angaben des Umweltbundesamts betrug der tägliche Flächenverbrauch 2020 im Schnitt der vergangenen drei Jahre 11,5 ha.

10-Punkte-Programm als Kern

Kern des Konzeptes ist ein 10-Punkte-Programm. Es enthält jene Bereiche, die als zentral für die österreichische Raumentwicklung erachtet werden und daher bevorzugt behandelt werden sollen. So soll die Raumentwicklung auf Klimaneutralität und Energiewende fokussiert sowie die Flächeninanspruchnahme stark verringert werden. Orts- und Stadtkerne sollen gestärkt sowie Freiräume ressourcenschonend und für den Klimaschutz gestaltet werden. „Regionale Wertschöpfungsketten und Kreislaufwirtschaft sollen gestärkt und die Chancen der Digitalisierung genutzt werden", erläuterte Köstinger.

Erfreut über das Erarbeiten einer "Bodenstrategie für Österreich" ist Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich. Derzeit verliert Österreichs Landwirtschaft jährlich zwischen 0,3 und 0,5% ihrer Produktionsflächen, was laut Kammerpräsident im Laufe der Jahre gravierende Auswirkungen hat. Dass nun erstmals verbindliche, quantitative Ziele festgehalten werden, um dem dramatischen Flächenfraß in Österreich entgegenzuwirken, sein ein entscheidender Zukunftsschritt.

Strategie eingefordert

"Bisher werden die Forderungen an unsere heimische Qualitätslandwirtschaft immer größer, die verfügbaren Flächen jedoch immer kleiner. Bei dem derzeit herrschenden Flächenverbrauch kann sich das auf Dauer nicht ausgehen. Es darf sich niemand wundern, wenn klimaschädliche Importe weiter steigen, Naturkatastrophen wie Überflutungen immer dramatischer werden und die Biodiversität zurückgeht“, schildert Moosbrugger die Folgen des Raubbaus.

Er fordert von allen relevanten politischen Akteuren binnen eines Jahres eine entsprechende Strategie vorzulegen. Dazu schlägt er vor, bundesweit einheitliche Definitionen und Datengrundlagen für die Erarbeitung heranzuziehen, um sinnvolle und evaluierbare Ergebnisse zu erzielen. Der LKÖ-Präsident begrüßt den Plan, bereits versiegelte Flächen wieder - wenn möglich - zu entsiegeln.

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