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Flächenversiegelung

Landfraß: Ist immer noch zu hoch in Österreich

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 02.12.2020 - 09:34

Die Lebenszufriedenheit in Österreich war 2019 groß. Doch Sorgen machen die höheren Emissionen und der Flächenverbrauch.

Baugebiet-Landfraß-Gemeinde

Trotz einer hohen Lebenszufriedenheit in Österreich beschäftigte 2019 viele Bürger das Thema höhere Emissionen und höherer Ressourcenverbrauch. Das geht aus der Umfrage "Wie geht´s Österreich?" der Bundesanstalt Statistik Österreich hervor.

Unabhängig davon, stellt die Flächenversiegelung aber weiterhin eines der größten Umweltprobleme dar: Die Flächenversiegelung, also der Bodenverbrauch, wuchs seit 2001 mit 25,7% deutlich schneller als die österreichische Bevölkerung (+10,4%), heißt es in einer Presseaussendung der Österreichischen Hagelversicherung.

Deren Vorstandsvorsitzender Dr. Kurt Weinberger fordert: „Es kann nicht sein, dass aktuell noch immer knapp 13 Hektar oder umgerechnet 20 Fußballfelder zubetoniert werden. Wir müssen handeln". Schließlich könne man Beton nicht abbeißen.

Um den Bodenverbrauch auf den im Regierungsprogramm verankerten 2,5-Hektar-Zielwert einzudämmen, muss ein Bündel an Maßnahmen umgesetzt werden, wie auch Univ.-Prof. Dr. Gernot Stöglehner, Leiter des Instituts für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung an der Universität für Bodenkultur Wien, fordert: „Die österreichische Siedlungstätigkeit ist vielerorts gekennzeichnet durch ausufernde Siedlungsränder und eine niedrige Bebauungsdichte. Wir brauchen ein Umdenken in Richtung Innenentwicklung!"

Umfassendes Maßnahmenbündelnotwendig

Folgende Maßnahmen wären daher mehr als zweckdienlich, um das Klima und die Umwelt zu schützen, die Biodiversität aufrechtzuerhalten, die Lebensmittelversorgung auch weiterhin sicherzustellen und um den Wirtschaftsstandort Österreich zu stärken:

  • Laut Umweltbundesamt gibt es in Österreich 40.000 Hektar leerstehende Gewerbe-, Industrie- und Wohnimmobilien (das entspricht der Fläche der Stadt Wien). Eine Revitalisierung dieser Brachflächen ist aber finanziell aufwendiger als ein Neubau auf der grünen Wiese. Daher braucht es monetäre Anreizsysteme für eine Revitalisierungsoffensive leerstehender Immobilien.
  • Laut Umweltbundesamt steht eine Fläche von 72.100 Hektar als gewidmetes, nicht bebautes Bauland (Baulandreserven) frei. Das entspricht fast der 5-fachen Fläche von Graz. Dennoch wird neues Bauland gewidmet.
  • Um Baulücken und Leerstände in Ortskernen transparent zu erfassen und bestmöglich zu nutzen, braucht es eine österreichweite Leerstands-Datenbank und eine Flächenmanagement-Datenbank für Gemeinden.
  • Innenentwicklung vor Außenentwicklung: Baulandausweisungen sollen nur noch dann genehmigt werden, wenn die betreffende Gemeinde nachweisen kann, dass keine angemessenen Innenentwicklungspotentiale verfügbar sind.
  • Schutz besonders wertvoller Flächen (landwirtschaftlicher Vorrangflächen), wie am Beispiel der Schweiz, wo die produktivsten Landwirtschaftsböden für die Ernährungssicherung der Bevölkerung gesetzlich vor Verbauung geschützt sind
  • Vermehrtes Bauen in die Höhe und in die Tiefe
  • Ausbau des öffentlichen Verkehrs, da dieser weniger Fläche in Anspruch nimmt
  • Kommunalsteuer als Landessteuer und Interkommunaler Finanzausgleich
  • Quantitative und messbare Zielwerte für die tägliche Flächeninanspruchnahme auf Landesebene sind in Novellierungen der Raumordnungsgesetze zu verankern.

 

Saanieren statt zubetonieren

Nach Weinbergers Meinung sind nachhaltige Reformen sind notwendig. Gerade die Sanierung des Leerstands unter dem Motto "Lieber sanieren statt Wiesen und Äcker neu zubetonieren", schaffe tausende Arbeitsplätze, stärke die Wirtschaft und schone die Umwelt.

"Ein perfektes Beispiel, bei dem sich Ökologie und Ökonomie ergänzen und das kluge Volkswirtschaften und Unternehmen bereits erkannt haben!“, appelliert der Vorstandsvorsitzende an die politischen Entscheidungsträger in den Bundesländern.

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