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Weltbodentag

Landfraß: Bevölkerung ist besorgt

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Josef koch
Josef Koch
am Montag, 05.12.2022 - 12:19

In Österreich sehen 82% der Bevölkerung den Flächenverlust als eines der größten Umweltprobleme. Gefahr ist so groß wie Klimawandel.

Wien Österreichs Hagelversicherung legt wieder einmal den Finger in die Wunde, wenn es um den Flächenverbrauch geht. Anlass war der Weltbodentag am 5. Dezember. Laut aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) wurden 2021 in Österreich 10 Hektar Äcker und Wiesen – das entspricht in etwa der Größe von 14 Fußballfeldern – pro Tag für Bautätigkeiten, Verkehr und Betriebsflächen beansprucht und für immer zerstört.

Damit liegt der Wert weit über dem Ziel: Schon 2002 wurde in der Nachhaltigkeitsstrategie der damaligen Bundesregierung angepeilt, den Bodenverbrauch mit 2,5 Hektar pro Tag zu deckeln. Allerdings ist der Landfraß leicht gesunken. Laut UBA-Angaben betrug der Durchschnitt in den vergangenen drei Jahren 11,3 Hektar pro Tag.

Auffallend ist laut UBA, dass von den 10 Hektar 58 % durch Versiegelung dauerhaft verloren gegangen seien. In den Vorjahren waren es dagegen nur rund 40%. „Österreichs Natur- und Lebensraum schrumpft jeden Tag durch Verbauung. Täglich verlieren wir ein Stück Identität und werden ärmer“, warnt zum wiederholten Mal der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Dr. Kurt Weinberger,

“Tatsächlich liegen wir aber noch immer um den Faktor Vier über diesem angepeilten Ziel. Alleine in den vergangenen 25 Jahren wurden 150 000 Hektar Äcker und Wiesen durch Verbauung aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen. Das entspricht der Agrarfläche des Bundeslandes Burgenland“, so Weinberger.

Indes bestätigte Agrarminister Norbert Totschnig, derzeit  mit Ländern und Gemeinden intensiv an der Fertigstellung der Bodenstrategie zu arbeiten, um das 2,5 ha-Ziel zu erreichen. „Qualität vor Tempo ist hier die Devise“, so der Minister. Die Beschlussfassung der Bodenstrategie sei für 2023 geplant.

Umfrage zeigt große Besorgnis

Auch die Bevölkerung sieht das Problem, das die Regierung nicht in den Griff bekommt. 8 von 10 Österreicherinnen und Österreicher (82%) sehen den Bodenverbrauch laut Market-Umfrage als eines der größten Umweltprobleme. „Damit liegt das Besorgnislevel auf ähnlich hohem Niveau wie jenes über den Klimawandel“, zieht Market-Chef Prof. Dr. Werner Beutelmeyer einen beunruhigenden Vergleich.

So stufen 85 % der Befragten den Klimawandel und die Zunahme der Wetterextreme als die größten Umweltprobleme. Beutelmeyer führte die Umfrage im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung Mitte November durch. Ähnlich hoch ist das Problembewusstsein auch beim Verlust der Biodiversität durch Verbauung (81 %).

Auch die Verschandelung des Landschaftsbildes sehen 2 von 3 Österreicherinnen und Österreicher kritisch und für 74 % gilt die heimische Lebensmittelversorgung als gefährdet. Für die Selbstversorgung im Land sei die Verbauung jedenfalls ein massives Problem, meint Weinberger. So betrage bei Weizen der Selbstversorgungsgrad aktuell bei 88 %, bei Obst und Gemüse jeweils 50 % und bei Soja nur bei 34 %.

Bayern soll als Vorbild gelten

Nach Auffassung des Versicherungschefs braucht es ein neues Wirtschaftsdenken. In der jährlichen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sollte nicht nur das Bruttoinlandsprodukt erfasst werden, sondern auch Naturkapital bewertet werden, also wie hat sich der Zustand des Naturraumes entwickelt. Zudem fordert er monetäre Anreize, um den Altbestand wieder zu nützen.

Aus seiner Sicht funktioniert in Bayern die Raumordnung seit Jahrzehnten ohne Zersiedelung und Verbauung wie es hierzulande der Fall sei. Allerdings lag der Flächenverbrauch in Bayern in 2021 bei 10,3 ha pro Tag. Er ging zwar gegenüber 2020 leicht zurück. Dennoch verfehlt die bayerische Staatsregierung meilenweit. Denn sie hat als Ziel 5 ha pro Tag ausgegeben.

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