Beutegreifer

Keinen Platz für Wolf und Bär

Wolf_Maucher
Paul Kannamüller
am Montag, 02.09.2019 - 15:28

Hechenberger: Stimmung in Tirol ist aufgeheizt.

Innsbruck Die jüngsten Schafsrisse am Roßkogel und der Inzinger Alm sorgen in Tirol weiter für hitzige Diskussionen um die großen Beutegreifer. Zwar stünde eine endgültige Bestätigung durch die Untersuchung von DNA-Proben noch aus, aber nach ersten Einschätzungen gehen die Experten von einem Bären aus, der jüngst rund 20 Schafe getötet hat, heißt es aus der Landwirtschaftskammer.
Als Konsequenz hätten erste Bauern aus Angst vor weiteren Angriffen ihre Schafe bereits von der Alm getrieben, so LK-Präsident Josef Hechenberger. Sollte es weitere Risse geben, würden diesem Beispiel wohl bald weitere Bauern folgen. In solchen Fällen hat die Tiroler Landwirtschaftskammer inzwischen eine Unterstützung bei den Futtermittelkosten in Aussicht gestellt.

Illegaler Abschuss
wird kritisiert

Der illegale Abschuss eines „höchstwahrscheinlichen“ Wolfes spiegele jedenfalls die Stimmungslage in der bäuerlichen Welt wider, betont Hechenberger. Gleichzeitig fügte er aber auch hinzu: „Das kann nicht gutgeheißen werden und nicht unser Weg sein.“ Langfristig könne den Almbauern nur die Senkung des Schutzstatus und damit die Möglichkeit legaler Entnahmen helfen. Der Kammerpräsident fordert, dass dieses Problem nicht bundesländer- oder regionsweise behandelt, sondern auf eine überregionale Ebene gehoben wird. Nur so könne für dieses grenzüberschreitende Problem endlich auch eine europaweite Lösung gefunden werden.
Praxistaugliche Lösungen hat man hingegen in der Landwirtschaftskammer für Entschädigungszahlungen bei Schafen und Ziegen entwickelt, die sich an den durchschnittlichen Versteigerungspreisen von Zuchttieren orientieren, die im Herdebuch geführt werden. Als Referenzrahmen werden die Versteigerungen im Zeitraum Anfang August bis Ende April herangezogen.
Wie die Landwirtschaftskammer mitteilt, liege der aktuelle Standardkostensatz für ein Herdebuch-Schaf über einem Jahr somit bei 347 Euro. Liege dagegen für ein gerissenes Tier eine Rechnung über einen höheren Betrag vor, so wird ein bis zu 30 Prozent höherer Betrag entschädigt. Diese Regelungen sollen komplizierte weitere Gutachten ersparen und eine raschere und unbürokratischere Entschädigung ermöglichen, heißt es. Zur Anwendung kämen diese Kostensätze immer dann, wenn ein Nutztier „eindeutig und nachweisbar oder mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ von einem großen Beutegreifer gerissen wurde.

Regeln sollen
Gutachten sparen

Hoffnungen auf eine Entschädigung dürfen sich auch Almbauern machen, deren gerissene Tiere in einem weitläufigen Gebiet gar nicht gefunden werden. Auch hier springe das Land ein, sofern davon ausgegangen werden könne, dass sich große Beutegreifer in der Nähe aufgehalten haben. Wie es in den Statuten weiter heißt, würden Tierverluste von bis zu fünf Prozent der aufgetriebenen Schafe und Ziegen unter bestimmten Voraussetzungen „nicht berücksichtigt“.
Eine Entschädigungsregelung gibt es auch dahingehend, falls Tierhaltern aufgrund der Präsenz eines großen Beutegreifers bei örtlich „konzentriertem und wiederholtem“ Auftreten von Rissen empfohlen wird, ihre Weidetiere einzustallen.