Braunviehzucht

Ideale Rasse für Melkroboter

Ernst Grabner
am Freitag, 15.10.2021 - 09:49

Innovative Milchproduktion betreibt Familie Lindner aus Ybbsitz/Niederösterreich. Stall, Technik und Rasse passen hervorragend zusammen.

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In der Gemeinde Ybbsitz ist der Zuchtbetrieb der Familie Lindner beheimatet. Eingebettet in die einzigartige Landschaft der niederösterreichischen Voralpen liegt der bereits vor 350 Jahren urkundlich erwähnte Betrieb in einer wunderschönen Lage. Betriebsführer sind Jonas Lindner und seine Mutter Monika.

Unterstützung bekommen sie von Großvater Raimund und Jonas´ Lebensgefährtin Melissa. Der ganze Stolz des jungen Paares sind ihre beiden Söhne Timo (3) und der im Januar geborene Ben. Bei einem tragischen Forstunfall verstarb Jonas Vater im Jahr 2019 viel zu früh und hinterließ, als allseits beliebter und geschätzter Mensch, eine große Lücke. Nach diesem Schicksalsschlag übernahm der damals 22-jährige Jonas mit seiner Mutter den Betrieb.

Permanent entwickelt

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Seit 1977 steht der Zuchtbetrieb unter Leistungskontrolle und ist eine fixe Größe an der Spitze der niederösterreichischen Reihungslisten. 1998 zog die Herde mit damals 25 Kühen in den Laufstall um. 2006 erfolgte der Zubau von Abkalbebuchten und die Inbetriebnahme des 6er-Tandem Melkstandes. 2011 wurde der Laufstall für rund 45 Kühe erweitert und im Jahr 2015 erfolgte der Bau des Kälberstalles und des Futterlagers.

Die permanente Weiterentwicklung des Betriebes führte im Jahr 2017 zum nächsten großen Schritt. Der Liegeboxenlaufstall wurde für 70 Kühe erweitert und ein Melkroboter installiert. Die gewonnenen Erfahrungen bezüglich Leistungsentwicklung, Flexibilität und Eutergesundheit sprechen eindeutig für den Roboter.

Der Betriebsführer ist davon überzeugt, dass Brown Swiss die ideale Rasse für dieses Melksystem ist – das ruhige Wesen der Kühe und das Melkverhalten sprechen eindeutig dafür. Als ideal sieht Jonas für dieses System eine Herdengröße von 65 bis 68 Kühen. Derzeit liegt der Schnitt bei drei Melkungen und 33 kg produzierte Milch pro Tag und Kuh. Die gute Eutergesundheit wird ebenfalls positiv hervorgehoben.

Automatische Fütterung

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Aufgrund der Arbeitsbelastung und der nur begrenzten Zahl an helfenden Händen wurde voriges Jahr der Fütterungsroboter Lely Vector in Betrieb genommen. Der Misch- und Fütterungsroboter misst mittels Sensor die Futterhöhe am Futtertisch und erkennt, wann nachgelegt werden muss.

Insgesamt erhält die melkende Herde auf diese Weise 11- bis 13-mal am Tag frische Kompakt-TMR. Das häufige Füttern erhöht die Aufnahme und regt die Aktivität der Milchkühe an. Dies hat auch positive Auswirkungen auf die Melkroboter-Besuche. Ein Vorteil dieses Systems ist die gewonnene Flexibilität. Im Winter muss Jonas nur alle drei Tage und im Sommer jeden zweiten Tag das Futterlager des Roboters neu befüllen.

K- und L-Kuhfamilie

Über Jahrzehnte sind die Kühe der Lindner Herde eine beständige Anlaufstelle bei Selektionen für Rinderschauen und für das Zuchtprogramm. Zwei dominante Kuhfamilien haben sich am Betrieb etabliert. Insgesamt gehen rund dreiviertel der Herde auf die K- und L-Kuhfamilie zurück.

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Sehr dominant in der Herde ist vor allem die K-Kuhfamilie. Aus diesem Stamm gingen bereits einige 100 000 kg-Kühe hervor. Das derzeitige Aushängeschild dieser Familie ist die überragende Stiermutter K2. Diese Seasidebloom-Tochter befindet sich aktuell am Ende ihrer zweiten Laktation und überzeugt mit ihrer Leistungsstärke und Exterieurqualität.

Mit einer Durchschnittsleistung von 12 000 kg und dem phänomenalen GZW von 138 wird sie höchsten Ansprüchen gerecht. Aus der Zuchtprogramm-Spülung ist derzeit eine Trächtigkeit mit den Stieren GS Austria/Andi vorhanden. Wenn alles gut geht, soll K2 in der nächsten Laktation wieder gespült werden. Kühe wie K2 sind dem betrieblichen Zuchtziel schon sehr nahe. Jonas will vor allem leistungsstarke und doch unkomplizierte Kühe.

Unter den Vertreterinnen der L-Kuhfamilie sticht momentan die AG Voice-Tochter Labello hervor. Solche Kühe wünscht sich der Betriebsleiter mehr. Labello steht in der vierten Laktation und überzeugt mit einer Höchstleistung von 13 000 kg Milch und guten Inhaltsstoffen. Sie benötigte für sämtliche Trächtigkeiten nur eine Besamung und fällt das ganze Jahr über nicht auf. Die Vertreter der L-Kuhfamilie sind ungemein hart arbeitende Tiere, die immer wieder mit beeindruckenden Dauerleistungen auffallen.

Eine gute Hilfestellung bei den züchterischen Entscheidungen liefert das Anpaarungsprogramm GS AIO. Sehr konsequent werden die Stiere auf ihre Robotertauglichkeit selektiert. Unter jenen Merkmalen spielen vor allem die Strichlänge, Strichstellung, Melkbarkeit, Euterreinheit und Milchmenge eine enorm wichtige Rolle. Vererber mit Schwächen in einigen dieser Punkte kommen nur schwer zum Zug.

Züchterische Ausrichtung

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Über die Jahre betrachtet setzt der Betrieb rund zwei Drittel auf jüngste und zu einem Drittel auf sicher geprüfte Genetik. Ihm ist es auch wichtig zu erwähnen, dass verstärkt Stiere wieder eingesetzt werden, wenn deren Töchter am Betrieb hervorragend funktionieren. Wenn man sich die Liste der eingesetzten Vererber ansieht, fällt vor allem die Vielzahl an Stieren auf. Hier soll einfach das Risiko breit gestreut werden.

In jüngster Vergangenheit überzeugten die Töchter von Anibal, Seasidebloom, Cadence, GS Huxoy und GS Sinatra. Vor allem von den sechs melkenden GS Sinatra-Kühen ist er hellauf begeistert. Sie gehören als Gruppe zu den leistungsstärksten Jungkühen und sind äußerst unauffällig und problemlos. Im Exterieur glänzen alle mit hoch sitzenden, kompakten Eutern und korrekten Fundamenten.

Mehr gesextes Sperma

In Zukunft will Jonas noch mehr gesextes Sperma verwenden. Aktuell werden vermehrt die Jungstiere GS Vorteil, GS Austria, Canyon und Dane eingesetzt und aufgrund seiner konkurrenzfähigen Zuchtwerte und den immer interessanter werdenden Hornlosgenen auch der Jungstier GS Virus*Pp.

Die Familie Lindner ist absolut von den Stärken der Rasse überzeugt. Für sie ist Brown Swiss die ideale Rasse hinsichtlich Klauen und Fundamentqualität, problemlosen Geburten und wegen des angenehmen Wesens der Kühe mit der damit verbundenen Robotertauglichkeit.

Wichtig ist dem Betriebsleiter, dass die Stärken noch viel mehr hervorgehoben werden sollten, anstatt immer zu jammern. Für Jonas steht eines klar an oberster Stelle: Leistung, Wirtschaftlichkeit und Exterieur. Diese Parameter sind seiner Meinung nach entscheidend für eine erfolgreiche Milchviehhaltung.