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Holzmarkt

Holz: Energiehunger treibt die Preise

Einen regelrechten Boom gibt es auf dem Energieholzmarkt – mit der Nachfrage steigt der Preis.
Paul Kannamüller
am Freitag, 09.12.2022 - 09:53

In den Salzburger Wald-und-Holz-Gesprächen des Forstvereins Salzburg-OÖ waren die große Nachfrage nach Holz und die volatilen Märkte das Hauptthema

Ein extrem hoher Holzeinschlag: Dr. Daniel Müller gewährte einen Blick über den Zaun.

Kuchl / Salzburg Es ist verrückt, was sich derzeit am Holzmarkt abspielt. Es wird so ziemlich alles gekauft, was der Wald hergibt – von Hackschnitzel über Pellets bis hin zum Bau- und Möbelholz. Besonders gefragt natürlich das Energieholz – und hier sprechen Szenen aus dem Alltag Bände, wie Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten in Kuchl schildert. 

So würden etwa an den Abholplätzen der Berchtesgadener Forstbetriebe nicht nur PKW-Anhänger bis oben hin beladen, sondern auch gleich der ganze Kofferraum vollgepackt, um sich Vorräte für den Winter zu sichern. Die hohe Nachfrage nach Energieholz spiegelt sich natürlich auch in den Preisen wider, die zuletzt in allen Kategorien stark gestiegen seien.

Wird Fichtenholz bald Mangelware?

Viel war bei den Salzburger Wald & Holz Gesprächen im Holztechnikum Kuchl auch von Panikkäufen die Rede, die angesichts hoher Öl- und Gaspreise um sich griffen. Gleichzeitig aber waren sich viele der anwesenden Forstexperten einig, dass sich die Lage auf dem Holzmarkt in absehbarer Zeit wieder auf einem „normalen“ Niveau einpendeln werde. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, der rund 60 Waldbauern lauschten, standen Trends und Aussichten am Holzmarkt.

Es ist guter Brauch bei den Salzburger Wald- und Forstgesprächen, auch einen Experten aus dem benachbarten Bayern einzuladen. So berichtete Daniel Müller von den Berchtesgadener Forstbetrieben über einen extrem hohen Holzeinschlag in Deutschland und über eine große Nachfrage aus dem In- und Ausland. Zuletzt seien die Fichtenvorräte regelrecht dahingeschmolzen, betonte Müller, der infolge des Klimawandels die Fichte „dramatisch“ auf dem Rückzug sieht. In ganz Deutschland aber sei ein Rückgang des Nadelschnittholzes zu beobachten, und das lässt sich seiner Meinung nach auch nicht mehr aufhalten.

Papierherstellung ist von Sägeindustrie abhängig

Dazu zeigte der Forstexperte eine tiefrot gefärbte Karte mit der Niederschlagsverteilung über die sehr trockenen Sommermonate, in denen die Wasserverfügbarkeit des Boden teils nur bis 20 cm reichte – und darunter vor allem auch die Fichtenbestände litten. Die Nachfrage nach Sägerundholz sei nach Angaben von Müller aktuell sehr hoch, der Festmeter sei nicht unter 125 € zu haben.

Ähnlich sei die Situation bei der Eiche, Buche und Esche. Momentan aber sei insbesondere das Papierholz „extrem“ gefragt. In seinem Marktausblick wagte Dr. Müller die Prognose, „dass auch 2023 wieder ein Holzjahr wird“.

Energieintensive Herstellung

Einblicke in die Papierherstellung gab denn auch DI Ernst Kastner von der Smurfit Kappa Nettingsdorf, deren Ursprünge bis auf 1851 zurückgehen. Nach Angaben von Kastner arbeiten am oberösterreichischen Standort 355 MitarbeiterInnnen; weltweit beschäftigt die Smurfit Kappa Gruppe rund 48 000 Mitarbeiter in 36 Ländern. Wie Kastner betonte, sei die Zellstoffherstellung „extrem energieintensiv“, zudem habe Österreich mit die höchsten Holz- und Energiepreise.

Verarbeitet würde zuvorderst Sägerestholz, „weshalb wir stets am Tropf der hiesigen Sägeindustrie hängen“. Da das Inlandsangebot immer geringer als der Bedarf sei, würde man etwa 30 % des Rohmaterials importieren. Auf der anderen Seite gingen knapp 90 % des hergestellten Verpackungsmaterials in den Export.

Hohe Preise bei Pellets durch Importausfall

Unter den hohen Energiekosten leidet aber auch die Salzburg Pellets GmbH, die sich einer rasant steigenden Nachfrage gegenübersieht. Auf den Pelletmärkten in ganz Europa sei es zuletzt zu einer Verknappung und starken Preissteigerungen gekommen, was laut Ing. Christian Pölzleitner auch auf den Ausfall großer Lieferungen aus Russland und der Ukraine zurückzuführen sei.

An 40 inländischen Standorten wurden etwa 2021 rund 1,6 Mio. t Pellets produziert – Tendenz steigend. Etwa die Hälfte geht in den Export, wobei Hauptabnehmer Italien sei, gefolgt von Deutschland und Frankreich, wie Ing. Pölzleitner betonte. iel sei eine flächendeckende Versorgung Österreichs mit regional hergestellten Pellets.

Einen optimistischen Ausblick, was den internationalen Holzhandels betrifft, gab Ing. Ferdinand Reisecker von der oberösterreichischen Holzindustrie. Hochrechnungen gingen von einem wachsenden Verbrauch an Schnittholz um knapp 40 % bis 2050 aus, wovon auch die hiesige Sägeindustrie profitiere. Wachstumsmärkte sieht der Fachgruppenobmann vor allem in Indien und dem südostasiatischen Raum sowie in Südafrika.

Schnittholz wird zur Hälfte exportiert

Zuletzt wurden in Österreich über 12 Mio. m3 Schnittholz produziert, davon gingen rund 6 Mio. in den Export, erläuterte Reisecker. Hauptabnehmer seien vor allem Italien und Deutschland, ein geringerer Teil ginge nach Asien und Nordamerika. Da sich kanadische Holzproduzenten künftig mehr auf den asiatischen Raum und Amerika konzentrieren wollen, sieht Reisecker für die Europäer insgesamt gute Chancen etwa in China und Japan.

Große Hoffnungen setzt man hierzulande auf die Holzbaubetriebe, die zuletzt mit vielen positiven Beispielen von sich Reden machten – und dafür auch den einen oder anderen Preis einheimsen konnten. Insgesamt aber gebe es laut Reisecker für die Holzbauweise noch immer viel zu viele Hürden, dennoch sehe er in dem Segment glänzende Perspektiven.

Interessante Einblicke in den Holzmarkt gab Dipl.-Ing. Gerald Putz von der Forstverwaltung Weyer, die sich im heurigen Jahr einer starken Nachfrage erfreuen konnte. So wurden etwa im zweiten Quartal Spitzenpreise jenseits der 130 €/fm erzielt, die sich im späteren Verlauf auf einem Niveau um die 110 €/fm stabilisierten. Einen Boom erlebe gerade das Kiefernblochholz, das mit 150 €/fm gehandelt wird. Erst seit dem heurigen Jahr sei der Nadelfaserholzpreis wieder kostendeckend, konstatierte der Fachmann.

Düstere Aussichten für die Nadelbäume im Wald

„Das Jahr ist gut, aber die Aussichten düster“, brachte es Dipl.-Ing. Putz auf den Punkt. Er verwies in diesem Zusammenhang etwa auf die teurer gewordenen Holzernte- und Straßenhaltungskosten, hinzu kämen gestiegene Verwaltungsgebühren. Aber auch die klimatischen Rahmenbedingungen machten ihm Sorgen. So hätte das pflanzenverfügbare Wasser allgemein abgenommen, was insbesondere eine Gefahr für die Fichtenbestände darstelle. Während Putz die Tanne als Nadelholz der Zukunft bezeichnete, stufte er die Lärche als großen Verlierer des Klimawandels ein. „Dieser wird uns intensiver beschäftigen als gedacht“, betonte Putz und fügte hinzu: „Der Umbau des Waldes hat für uns Priorität.“

Von Panikkäufen sprach Ing. Wolfgang Holzer, Vertreter der Österreichischen Bundesforsten.

„In allen Sortimenten gibt es Steigerungen“, sagte Ing. Wolfgang Holzer, der bei Biomasse und Brennholz von Panikkäufen und Versorgungsängsten sprach. Die Nachfrage in diesem Segment würde durch hohe Strom- und Wärmepreise befeuert, schlechtere Holzqualitäten gingen derzeit vor allem in die Heizindustrie. Insgesamt bezeichnete der Fachmann der Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) die Situation am Holzmarkt als „sehr unübersichtlich“, im Wald gebe es derzeit kaum Lagerbestände.

Neugierig machte Holzer auf ein Forschungsprojekt, das sich mit der „automatischen“ Qualitätsbestimmung bei Rundholz beschäftigt. Er rechne damit, dass in etwa drei Jahren irgendwo in Österreich eine solche Anlage steht.

Bis dahin werden ca. 7000 Stämme einzeln fotografiert und die wertbestimmenden Merkmale in einer Datenbank gespeichert. Den Projektumfang bezifferte Holzer auf ca. 1,3 Mio. €, die Fördersumme betrage 900 000 €. Projektpartner sei beispielsweise auch das Holztechnikum Kuchl. Da das Forschungsprojekt auch viel mit künstlicher Intelligenz (KI) zu tun habe, ist es nach den Worten von Holzer auch über die Holz- und Forstwirtschaft hinaus interessant.

Die Situation im Bauernwald beschrieb der Salzburger Forstdirektor Franz Lanschützer.

Mit neuesten Nachrichten zur waldbaulichen Lage wartete der Salzburger Forstdirektor Franz Lanschützer auf, der die Lage im Bauernwald als relativ ruhig bezeichnete und davon sprach, dass der Großteil Österreichs nahezu schadholzfrei sei. Derzeit gebe es im Lande kaum Waldlager, die Holzernte im Kleinwald bewege sich auf verhaltenem Niveau. Lanschützer empfiehlt den Waldbäuerinnen und Waldbauern, was die Holzernte angeht, ein „langsames Fahren auf Sicht“. Gleichzeitig attestierte er den Salzburger Waldbauern, dass sie stark auf Holzpreiserhöungen reagierten.

Wald flächendeckend bewirtschaften

Der Forstdirektor kündigte eine Informationsoffensive an, bei der für eine flächendeckende Waldbewirtschaftung geworben werden soll. Bestrebungen der Europäischen Union, zumindest Teile des Waldes außer Nutzung zu stellen, erteilen Salzburgs Waldbesitzer eine klare Absage. „Der Wald ist bei unseren Waldbauern und Förstern in guten Händen“, findet Lanschützer. Ins gleiche Horn stieß Forstvereins-Präsident Johannes Wohlmacher, der in diesem Zusammenhang „ideologisch eingegrenzte“ Naturschutzorganisationen kritisierte. Seiner Meinung nach könne gerade eine aktive Waldbewirtschaftung einen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise leisten.