Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Personalwechsel

Hofübergabe und klare Botschaften

Thumbnail
Paul Kannamüller
am Dienstag, 18.12.2018 - 12:14

Stabwechsel an Spitze der LK Salzburg: Quehenberger folgt auf Franz Eßl

Salzburg Hofübergabe an der Salzburger Landwirtschaftskammer: Bei der Vollversammlung Anfang Dezember wurde mit mehr als 90 % der Stimmen Rupert Quehenberger aus Annaberg (Tennengau) zum Nachfolger des langjährigen Kammerpräsidenten Franz Eßl gewählt. Nach seiner Wahl im Heffterhof betonte Quehenberger, dass er in seiner neuen Funktion den Wandel aktiv mitgestalten wolle.

Dabei verwies er auch darauf, dass sich „die Gesellschaft ändert und die Erwartungshaltungen an die Landwirtschaft heute völlig andere als noch vor wenigen Jahren sind“. Es bestehe zwischen der Landwirtschaft und der Gesellschaft derzeit „wenig Konsens“ darüber, wohin die Reise gehen soll. Hier gelte es, mit gegenseitigem Respekt aufeinander zuzugehen und ernsthafte, aber auch praktikable Lösungen zu finden“, so der frisch gewählte LK-Präsident, der seit dem Jahr 2010 Obmann der Bezirksbauernkammer Hallein ist.
Rupert Quehenberger (Holzerbauer aus Annaberg) ist 47 Jahre alt, hat vier Kinder und betreibt mit seiner Frau Gudrun und den Eltern einen Milchviehbetrieb.

Bauern müssen eine Zukunft sehen

Egal, ob es um Tier- und Umweltschutz oder um die Rückkehr des Wolfes oder der Biber geht: Die hiesigen Bäuerinnen und Bauern seien laut Quehenberger bereit, einen Beitrag zum Arten- und Umweltschutz zu leisten. Wichtig dabei sei aber, dass die Menschen echte Perspektiven für die eigene Zukunft sehen.
„Viele sind es auch leid, dass man ihnen ständig von außen zuruft, wie Landwirtschaft zu funktionieren hat“, betonte der frisch gewählte LK-Präsident. Quehenberger sei fest davon überzeugt, dass trotz der vielen Herausforderungen der Großteil der Bäuerinnen und Bauern Freude an ihrem Beruf hat. Salzburg ohne Bauern sei für ihn „nicht vorstellbar“.
Nach Ansicht von Quehenberger liege es letztlich „an unserer Gesellschaft, wohin sich unsere Landwirtschaft entwickeln wird“. Das bedeute aber auch für jeden Einzelnen eine hohe Verantwortung. Quehenberger: „Wir können die Bäuerinnen und Bauern mit nicht immer mehr Ver- und Geboten zupflastern und ihnen so wirtschaftlich die Luft zum Leben nehmen.“ Man solle sich deshalb auch nicht wundern, „wenn unsere Lebensmittel künftig aus Asien oder Südamerika importiert werden, wo der Tier- und Umweltschutz kaum Bedeutung hat und der ökologische Fußabdruck durch die langen Transportwege miserabel ist“. Quehenberger glaubt, dass auch die Mehrheit der Konsumenten „das nicht haben möchte“.
Quehenberger erwartet sich gerade auch vom Lebensmittelhandel deutlich mehr Entgegenkommen und hofft, dass die kürzlich unterzeichnete Selbstverpflichtungserklärung des österreichischen Handels auch in der Praxis gelebt werde. „Ich habe Verständnis, dass man sich mit eigenen Produkten von der Konkurrenz abheben möchte“, erklärte der neue LK-Präsident. Er habe aber kein Verständnis dafür, dass im Kampf um Marktanteile „gerade kleine Landwirtschaftsbetriebe wie unsere Bergbauernbetriebe geopfert werden, weil sie die überzogenen Auflagen einfach nicht mehr erfüllen können“. Es ist seiner Ansicht nach „höchst an der Zeit, dass wir uns zusammen an einen Tisch setzen und gemeinsam sinnvolle und praktikable Programme entwickeln“.

Flexible Bauern mit frischen Ideen

Quehenberger ist überzeugt, dass die Bäuerinnen und Bauern deutlich flexibler auf den Markt reagieren, als ihnen „manchmal angedichtet wird“. So seien beispielsweise in Salzburg in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Euro in tierfreundlichere Ställe investiert worden. Außerdem erlebe die Direktvermarktung gerade eine enorme Professionalisierung – von der Kräuterpädagogik bis zum perfekten Urlaub am Bauernhof sei die Bandbreite der Leistungen enorm.
Für ihn sei es keine Überraschung, dass derzeit auch neue Technologien (Stichwort: Digitalisierung) in der Landwirtschaft Einzug halten. Auch in Salzburg nehme die Zahl etwa von Melk- und Fütterungsrobotern stark zu, sagte Quehenberger. Und auch in der Vermarktung seien etwa Online-Plattformen nicht mehr wegzudenken. Gerade hier sieht Quehenberger aber auch neue Herausforderungen auf die Beratung zukommen.
Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer nahm bei der Vollversammlung nicht nur die Angelobung des neuen Präsidenten vor, er dankte auch Ök.-Rat Franz Eßl für seinen unermüdlichen Einsatz, der als Präsident 24 Jahre lang an der Spitze der Salzburger Landwirtschaftskammer stand. In die Zeit von Franz Eßl seien sehr wichtige Ereignisse gefallen – man denke nur an den EU-Beitritt, die Agenda 2000 und etwa an die Osterweiterung.

Mit Fachverstand und Beharrlichkeit habe Eßl in all den Jahren die vielfältigen Anliegen der Bäuerinnen und Bauern vorangebracht „und man konnte sich auf sein Wort immer verlassen“, so Haslauer. Mit Rupert Quehenberger übernehme nun eine neue Generation die Verantwortung, bei der Bildung und Förderung des Berufsnachwuchses als erklärte Ziele gelten. Haslauer wünschte dem neuen Präsidenten an der LK-Spitze „viel Erfolg, Freude und Durchsetzungskraft“.