Agrarsoziales Forum

Green Deal gefährdet Versorgungssicherheit

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 27.01.2021 - 14:51

Stephan Pernkopf sieht im Green Deal einen Deal aus der alten Welt vor Corona, der die Selbstversorgung gefährdet.

Pernkopf Stephan, Präsident Ökosoziales Forum

Der Präsident des Ökosozialen Forums, Stephan Pernkopf, betonte auf der Wintertagung des Forums, dass es notwendig ist, die Wertschöpfung in der Region zu erhalten, indem die Produktion in Europa sichergestellt wird. Heriüber bestehe aber Sorge, wenn es um die inhaltliche Umsetzung der Maßnahmen des Green Deals mit der Farm to Fork- und der Biodiversitätsstrategie gehe. "Wir müssen nachhaltig intensivieren und mehr Lebensmittel produzieren, vor allem wenn man bedenkt, dass jährlich 80 Millionen Menschen mehr auf der Welt sind" äußerte er sich zu den aktuellen Herausforderungen. Der Green Deal sei jedoch ein Deal aus der alten Welt vor Corona und gefährde die Selbstversorgung, wenn er falsch gemacht werde. Das können keiner wollen. "Wir wollen in Europa unabhängig sein und uns selbst versorgen. Wir haben die höchsten Standards und daher muss uns klar sein, dass alles, was nicht in Europa produziert wird, woanders definitiv schlechter produziert wird“, gibt er zu bedenken.

Mobiltelefon als das wichtigstes landwirtschaftliche Werkzeug

FAO

Der Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), Qu Dongyu, zeigte auf der Wintertagung auf, wie der Spagat zwischen Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit gelingen kann. Denn durch COVID-19 ist die prekäre Situation der globalen Landwirtschaft noch deutlicher geworden. „Die Pandemie offenbarte die Verwundbarkeit unserer Agrar- und Lebensmittelsysteme, die Prekarität der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte und die dünne Linie, die viele Familien von der Armut trennt. In vielen Ländern verschlechterte sich die Lebensgrundlage gefährdeter Gruppen, darunter Kleinbauern sowie Frauen und Jugendliche in ländlichen Gebieten. Die FAO hat daher ein umfassendes Maßnahmen- und Wiederaufbau-Programm für COVID-19 ins Leben gerufen, das sofortige und mittel- und längerfristige Maßnahmen vorsieht, um zu verhindern, dass die Gesundheitskrise zu einer Nahrungsmittelkrise wird.“

„Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig Innovationen und digitale Technologien sind und welches Potenzial sie haben, die Widerstandsfähigkeit gegen solche Krisen in der Zukunft sicherzustellen. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass das Mobiltelefon das wichtigste landwirtschaftliche Werkzeug ist – und zwar heute und in Zukunft. Dazu wird die Entwicklung einer digitalen Strategie nötig sein, die gewährleistet, dass alle Bürgerinnen und Bürger auch in ländlichen und entlegenen Gebieten eine angemessene Konnektivität erlangen.“