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Versorgungssicherheit

Green Deal: Wo Brüssel nachbessern muss

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 14.03.2022 - 12:00

LK-Präsident Franz Titschenbacher und EU-Abgeordnete Simone Schmiedtbauer verlangen Verzicht auf Stilllegungen und Forcieren der Bioenergie.

Düngung

Die weltweite Versorgungslage wird sich zuspitzen. Davon sind der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher sowie EU-Abgeordnete Simone Schmiedtbauer überzeugt. Aufgrund des Ukraine-Krieges droht das Land als Kornkammer Europas und viertgrößter Weizenproduzent weltweit länger als Exporteur auszufallen.

„Umso wichtiger ist es, die heimische und die EU-weite Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln und agrarischen Rohstoffen zu stärken“, betonen Titschenbacher und Schmiedtbauer. Sie verlangen eine Nachdenkpause für den Green Deal, der die land- und forstwirtschaftliche Produktion in Europa einschränkt.

Glauben Sie, dass sich mit einem Verzicht auf Stilllegung und weiteren Extensivierungen Hungerkatastrophen im Nahen Osten und in afrikanischen Ländern vermeiden lassen?

Choices

Titschenbacher/Schmiedtbauer: Ernährungssicherung als oberstes Ziel

So verlangen Titschenbacher und Schmiedtbauer die vorgesehene Halbierung der Pflanzenschutzmittel-Verwendung differenzierter zu beurteilen und die pauschale Verminderung der Düngemittel-Verwendung um 20 % neu zu bewerten.

„Jetzt müssen Ernährungssicherheit und Energieunabhängigkeit das oberste Ziel sein und produktionsbehindernde Politiken pausiert oder angepasst werden. Außerdem müssen stillgelegte Anbauflächen vorübergehend wieder für die Lebensmittelproduktion genutzt werden. Alleine in Österreich könnte so eine Fläche von rund 7.800 Hektar zusätzlich mobilisiert werden,“ so Schmiedbauer.

Gleichzeitg fordern sie, nachhaltige und integrative Waldwirtschaft in Österreich nicht abzudrehen. Titschenbacher und Schmiedtbauer lehnen im Green Deal geplante großflächige Bewirtschaftungseinschränkungen und Außernutzungstellungen der österreichischen Waldfläche strikt ab. Wälder stillzulegen und sie zu einem Kohlenstoffmuseum zu degradieren statt sie zu nutzen heizt nach ihrer Meinung den Klimawandel erst richtig an. Außerdem ist jeglicher bürokratische Blätterwald entbehrlich, der die Eigenverantwortung der Waldbesitzer aushöhlt.

Holzenergie contra Putin-Gas

Mit Bioenergie aus der Gaskrise, ist eine weitere Forderung der beiden Agrarpolitiker. Die dramatische Abhängigkeit von russischem Gas und die explodierenden Preise von fossiler Energie gefährden die Energieversorgung in Österreich dramatisch. „Mit Holzenergie können innerhalb weniger Monate entstandene Erdgaslücken in wichtigen Teilbereichen gefüllt werden“, betont Präsident Franz Titschenbacher.

Schon jetzt liefern österreichische Holzenergie-Anlagen Wärme und Strom von 28 Gigawatt, das entspricht laut Landwirtschaftskammer Steiermark der Leistung von 39 Atomkraftwerken der Größenordnung von Zwentendorf.

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