Ernte 2020

Getreideernte 2020 leicht unterdurchschnittlich

aiz
am Freitag, 26.06.2020 - 08:58

Die österreichische Getreideernte wird heuer wegen einer leichten Flächenreduktion und niedrigerer Ertragserwartungen voraussichtlich um 6,2% geringer ausfallen als 2019, wobei es regional große Unterschiede gibt.

Wien - "Im Osten kam der Regen zu spät - hingegen wird im Westen und Süden mit guten Erträgen gerechnet", teilte der Obmann des Ausschusses für Pflanzenproduktion der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich und Präsident der LK Burgenland, Nikolaus Berlakovich, mit.

Zunehmende Gefahr durch Spätfröste

Der Wetterverlauf 2020 ist in etwa mit dem des Jahres 2019 vergleichbar. Schon der Herbst war trocken und zu warm: Er bot jedoch für Anbau und Bearbeitung der Ackerböden optimale Verhältnisse. Auch für den Feldaufgang des Saatgutes war meist noch ausreichend Bodenfeuchtigkeit vorhanden.

Aber durch weiter ausbleibende Niederschläge und warme Temperaturen konnten die Böden auch im Winter nur wenig Wasserreserven speichern, die im Frühjahr aufgrund der weiter anhaltenden Trockenheit und der steigenden Temperaturen schnell aufgebraucht waren. Die angebauten Sommerkulturen konnten sich durch die Trockenheit, aber vor allem wegen der kalten Nächte nur sehr langsam entwickeln. Spätfröste von -6 bis -8 °C hinterließen auch Spuren bei den Pflanzen und verursachten oft Verfärbungen, Verformungen im Wachstum oder Frostrisse; regional waren sogar Ausfälle, zum Beispiel bei Raps, zu beobachten.

Regional stark unterschiedliche Ertragserwartungen

In Summe wird mit einer bundesweit leicht unterdurchschnittlichen Getreideernte (minus 0,7% gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre) gerechnet. Gegenüber dem etwas besseren Jahr 2019 werden die Getreideerträge um 4,9% zurückliegen. Die Spanne bewegt sich regional von minus 18,7% im Burgenland bis zu plus 8,5% in Oberösterreich gegenüber dem langjährigen Mittel.

Weichweizen als bedeutendste Getreideart wird mit einer Ertragserwartung von 53,5 dt/ha mit 2% leicht unter dem Durchschnitt der letzten Jahre liegen, jedoch mit einem Minus von 8,5% deutlich gegenüber 2019 einbüßen.

Roggen und Triticale werden weniger im Trockengebiet angebaut. Sie konnten daher den späten Regen besser nutzen. Es wird ein Mehrertrag gegenüber dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre erwartet: plus 4,4% bei Roggen und plus 5,4% bei Triticale. Am schwersten traf es die Sommergerste. Österreichweit wird mit einem um 21,1% unter dem Fünfjahresschnitt liegenden Ertrag gerechnet. Den deutlichsten Rückgang erwarten das Burgenland mit einem Minus von 34% gegenüber 2019 und das Hauptanbaugebiet in Niederösterreich mit minus 24,1%.