Neue Züchtungstechniken

Gentechnik: ÖBV kritisiert leere Versprechen

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 28.04.2021 - 16:33

Laut einer ÖBV-Studie bringen neue Züchtungstechniken die erhofften Zukunftssorten gar nicht hervor. Daher ist strenge Regulierung nötig.

Pflanzenzüchtung-Labor

Für die ÖBV-Via Campesina Austria ist vor der Veröffentlichung der EU-Studie zu Neuen Züchtungstechniken klar: Die Neue Gentechnik muss gemäß EU-Gentechnikrecht reguliert werden. Das hat der Europäische Gerichtshof in seinem Urteil von 2018 bestätigt. Nur das ist die Basis dafür, Wahlfreiheit zu gewährleisten und die Produkte entsprechend zu prüfen und zu kennzeichnen. Der große und wachsende gentechnikfreie Sektor muss nach ÖBV-Auffassung geschützt sein, damit weiter auf bewährte Lösungen gesetzt werden kann.

„Es braucht eine unabhängige Risikobewertung, Zulassung und Kennzeichnung im Sinne von Bauern und Bäuerinnen, Konsument*innen, sowie Tieren und Umwelt. Das Vorsorgeprinzip ist zentral und aus gutem Grund anzuwenden. Eine Regulierung ist die Voraussetzung für einen faktenbasierten Dialog. "Eine Abkehr davon wäre unter den gegebenen Bedingungen ein Freibrief für die Industrie.“ so Franziskus Forster von der ÖBV-Via Campesina Austria.
 

Laut ÖBV keine Zukunftssorten in der Pipeline

Die ÖBV hat gemeinsam mit der IG Saatgut, Global 2000 und der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in einer Studie untersucht, welche Produkte derzeit in der Entwicklungspipeline sind. Die Studie zeigt ernüchternde Fakten auf: Die großen Lösungen für Klima und Landwirtschaft gibt es nicht.

Stattdessen liegen fragwürdige Lifestyle-Produkte und herkömmliche herbizidtolerante Sorten am Tisch. Keine Spur von „klimafitten“ Lösungen für Bäuerinnen und Bauern. Offenkundig sei aber, so der ÖBV, dass die Agrar- und Biotechkonzerne profitieren werden und Pläne für ein „Weiter wie bisher“ mit Präzisionslandwirtschaft.
 

Agrarökologische Lösungen gefordert

Angesichts der Klimakrise ist es zentral, jetzt agrarökologische Lösungen und bäuerliche und partizipative Saatgutzüchtung zu fördern. Wenn wir das mit der umfassenden Ökologisierung der Landwirtschaft verbinden, können wir eine zukunftsfähige Landwirtschaft sichern.
"CRISPR und Co. bringen nur noch mehr Konzernmacht und den Verlust von Saatgutvielfalt. Wir können nicht mit rein technischen Lösungen weiter machen wie bisher. Wir setzen auf biologische Vielfalt und Boden- und Humusaufbau als echte Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft und davon braucht es in Zukunft noch viel mehr“, so Biobäuerin Maria Vogt von der ÖBV – Via Campesina Austria.

Patentpool der Konzerne

Bayer AG-Logo

Für die Bäuerinnen und Bauern und die bäuerliche Saatgutzüchtung bedeuten Patente neue Abhängigkeiten, steigende Saatgutpreise und Lizenzgebühren und den Verlust von Kontrolle über ihre wichtige Arbeit. Verfahren wie CRISPR/Cas haben eine regelrechte Patentierungswelle ausgelöst, davon profitieren vor allem jene Konzerne, deren Geschäftsmodell auf der Nutzung geistiger Eigentumsrechte aufgebaut ist. CRISPR/Cas ist kein „demokratisches“ Verfahren für den Mittelstand, sondern Big Business für die Großen, so das ÖBV-Fazit. Jedes Unternehmen, das die Technologie nutzen will, müsse zuerst mit den Patentinhabern verhandeln und Lizenzen zahlen. Bereits jetzt haben Konzerne wie Bayer (Monsanto) und Corteva (DowDuPont) mit den Erfinder*innen teilweise exklusive Lizenzverträge abgeschlossen.