Pflanzenbau

Geldspritze für lückige Wiesen

Paul Kannamüller
am Mittwoch, 22.07.2020 - 08:08

Klimafittes Grünland: Tirol unterstützt eine nachhaltige Sanierung.

Glückliche Kühe und saftige Wiesen: Glaubt man den Grünlandexperten der Landwirtschaftskammer Tirol, dann ist diese Aussage wohl nur bedingt richtig, zumindest, was die Wiesen angeht.

Denn die seien oft nicht in dem Zustand, wie sie sein sollten, urteilt etwa Grünlandexperte Lukas Peer. Damit sich das in Zukunft ändert, hat man jetzt in Tirol das Projekt „Grünlandverbesserung – klimafitte Wiesen“ ins Leben gerufen, für das Fördermittel in Höhe von zweimal 500 000 € für dieses und nächstes Jahr zur Verfügung stehen.

Konkret geht es hier um eine Neu- bzw. Nachsaataktion, bei der vorrangig Wiesen mit lückigen Beständen nach Trocken-, Engerling- und Klimaschäden saniert werden sollen.

Es ist Teil der Konjunkturoffensive des Landes Tirol, mit der nach der Corona-Krise die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden soll. „Der regionale Kreislauf beginnt auf der Wiese“, so die Initiatoren. Eine Fördervoraussetzung ist die Teilnahme an einer Weiterbildung zum Thema Grünland bis Ende 2021.

Kritischer Blick zeigt Nachholbedarf

Grünland-Sanierung

Ein kritischer Blick in die Grünlandbestände zeige, „dass wir hier noch immer Nachholbedarf haben“. Die trockenen Sommer der letzten Jahre und ein erhöhter Schädlingsbefall hätten diese Aufgabe noch schwieriger gemacht. Es sei nunmehr an der Zeit, unsere Felder und Wiesen nachhaltig zu verbessern.

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer ist bestes Grundfutter bekanntlich eine wesentliche Säule für den Erfolg im Stall – und in Zeiten steigender Fixkosten auch die wirtschaftlichste. Jetzt gelte es, diese günstige Möglichkeit zu nutzen und die bereitgestellten Mittel auszuschöpfen, betont LK-Präsident Josef Hechenberger.

In kurzer Zeit hätten die Grünlandexperten seines Hauses das wichtige Projekt „klimafitte Wiesen“ auf die Beine gestellt, „um für eine nachhaltige Verbesserung unserer Wiesenbestände zu sorgen“. Vitales Grünland gehöre zum Inventar der hiesigen Milchkuhwirtschaft.

Lücken durchs Klima

Auch das Grünland leide zunehmend unter dem Einfluss der Klimaveränderungen – so führten immer wiederkehrende Trockenschäden zum Ausfall von wertvollen Gräsern. Manche Wiesen seien total ausgebrannt, die Untergräser fehlen vollkommen.

Der Lückenanteil liege sehr oft bei über 50 %. Das Potenzial für Futterertrag und Futterqualität könne auf solchen Flächen bei weitem nicht ausgeschöpft werden.

In den Befallsgebieten von Mai-, Juni- oder Gartenlaubkäfer führe das zyklische Massenauftreten genauso zu großen Schäden an der Grasnarbe. Sehr gefährlich sei die Kombination von Trockenphasen und Engerlingabfraß.

Ergänzend zur Regulierung der Käferpopulationen mit Pilzgerstepräparaten sei in den Befallsgebieten jedenfalls eine Nachsaat als wichtige Grünlandpflegemaßnahme zu empfehlen.

Sanierung oder Neuanlage

Grünland benötigt entsprechende Pflege, um die Ertragsfähigkeit zu erhalten, so die Profis vom Maschinenring, die entsprechendes Gerät zur Verfügung stellen. Neben der laufenden Kontrolle des Bestandes, der Pflanzenzusammensetzung und der Dichte der Grasnarbe sei es wichtig, die negativen Folgen von Auswinterung, Narbenverletzungen und etwaiger Trockenheit im Auge zu behalten und darauf zu reagieren. Schäden durch bestimmte Schädlinge und durch Verunkrautung können oftmals nur sehr aufwendig saniert werden.

Wenn minderwertige und ertragsschwache Gräser einen hohen Anteil im Grünlandbestand einnehmen oder die Verunkrautung mit mechanischen und chemischen Bekämpfungsmaßnahmen in Kombination mit Nachsaat nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, ist die Neuanlage häufig der letzte Ausweg.

Grundsätzlich sei jedoch ab dem Spätsommer bis in den Frühherbst hinein die optimale Zeitspanne für Nachsaatmaßnahmen im Grünland.

Sanierung ramponierten Grünlands fördern

Saatgut Österreich

Schon im heurigen Sommer und auch nächstes Jahr will man deshalb die Sanierung ramponierten Grünlands fördern, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. Vorrangig werden dabei Wiesen mit lückigen Beständen nach Trocken-, Engerling- und Klimaschäden saniert.

Teilnahmeberechtigt sind Betriebe mit Viehhaltung, die auf Grünlandflächen mit zwei bis vier Nutzungen eine Nachsaat oder Grünlanderneuerung vornehmen wollen.

Auf Ackerflächen (MFA Codierung) ist keine Unterstützung vorgesehen, auch eine Pflanzenschutzmittelanwendung zur Flächenvorbereitung sei nicht erlaubt.

Bei der Nachsaat und Neuanlage stehen jeweils drei Mischungen zur Auswahl, die den jeweiligen Standorten angepasst sind. Bei der Nachsaat sei ein Selbstkostenbeitrag von rund 100 Euro pro Hektar aufzubringen, bei der Neuanlage sind 250 Euro selbst zu bezahlen. Die Auftragsabwicklung erfolgt über den Maschinenring Service Tirol.

Potenziale im Grundfutter

Wie in den vergangenen Jahren wird auch heuer wieder eine Analyse für Heu, Gras- und Maissilagen organisiert und finanziell unterstützt. Zudem wird für Gras- und Maissilagen von der HBLFA Raumberg Gumpenstein und den Landwirtschaftskammern eine Silagemeisterschaft organisiert.

Ziel ist die Herausarbeitung von Potenzialen für die Verbesserung von Silagen. Die chemischen Analysen der Silageproben werden gemeinsam mit Fragebogendaten zur Silierarbeit ausgewertet, damit der Einfluss des Managements auf die Futterqualität herausgearbeitet und Potenziale besser ausgeschöpft werden können.

Neu ist die erstmalige Bestimmung der Clostridiensporen in Grassilagen, wodurch Ursachen für Fehlgärungen ermittelt werden könnten. Die Probenziehung findet je nach Region im September und Oktober statt.