EU-Agrarpolitik

GAP: Umweltverbände fordern attraktive Prämien

Josef Koch
Josef Koch
am Sonntag, 18.04.2021 - 17:16

Umweltverbänden gehen die ersten Entwürfe zur nationalen Umsetzung der Agrarreform nicht weit genug. Bis Mitte Mai sind Stellungnahmen möglich.

Schmetterling-Kleiner Perlmutterfalter

Lob und Kritik haben Umweltdachverband und BirdLife Österreich zu den Entwürfen des Österreichischen GAP-Strategieplanes. Das Ministerium hatte sie vergangene Woche vorgelegt. Bis zum 17. Mai können Verbände und Landwirte dazu Stellung nehmen. Nach Einschätzung der Umweltverbände seien auf den landwirtschaftlichen Flächen mindestens 10 % Naturflächen nötig, um das Artensterben zu stoppen. Die neue Agrarpolitik muss daher Betriebe besser fördern, die den verbliebenen Naturräumen beim Überleben helfen, heißt es in deren ersten Einschätzung.

Nach der ersten Durchsicht der Maßnahmen würde ein ambitionierter Entwurf sichtbar, der allerdings Verbesserungsbedarf in mehreren Punkten habe, erklärt Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes.

Attraktive Prämien für mehr Biodiveristät gefordert

Die vorgelegte Palette an Maßnahmen ist laut Pfiffinger umfangreich und deckt vielfältige Bedürfnisse im Umwelt- und Naturschutz ab. Bio- und konventionelle Betriebe werden sich künftig mehr um Biodiversität kümmern müssen – eine Verbesserung im Vergleich zur vergangenen GAP-Periode.

"Um 10 % artenreiche Flächen zu erreichen, müssen die Prämien für biodiversitätsfördernde Maßnahmen attraktiv sein – ich hoffe auf entsprechende Prämienkalkulationen, die bisher noch nicht vorliegen“, so Pfiffinger.

Er begrüßt auch die Erweiterung des ergebnisorientierten Ansatzes neben Biodiversität auf Boden und Klima. Ihm fehlen die Almen – und die Erweiterung der Naturschutzmaßnahme auf Almen. Mit der Intervention "Standortangepasste Almwirtschaft" wurde laut Umweltdachverband ein erster Schritt in Richtung Biodiversitätsschutz gemacht – ambitioniertere Regelungen hinsichtlich Betriebsmitteleinsatz und Besatzdichte sind aber notwendig.

Abgestufter Wiesenbau nicht ausreichend gefördert

Als besonderen Wermutstropfen beurteilen Umweltdachverband und BirdLife Österreich die Tatsache, dass der Abgestufte Wiesenbau nicht extra gefördert wird.  Das Konzept des Abgestuften Wiesenbaus kombiniert produktive und intensiv bewirtschaftete Futterwiesen mit artenreichen, extensiv bewirtschafteten Flächen innerhalb eines Betriebes.

"Für bestimmte Betriebstypen und Regionen ist dieses Konzept betriebswirtschaftlich optimal und schafft es bei entsprechender Beratung, bäuerliches Einkommen und Biodiversität gleichzeitig zu erhöhen. Leider fehlt bisher eine entsprechende Betriebsprämie, die das innovative Konzept attraktiv fördert“, bemängeln Pfiffinger und Gábor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich, gemeinsam.

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