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Agrarförderung

GAP: Kehrtwende bei Ökoförderung

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 07.10.2021 - 08:46

Österreichs Biobauern sollen weiterhin eine eigenständige Öpul-Förderung erhalten. Bio Austria befürchtet aber sinkende Prämien. Ministerium äußerst sich zurückhaltend.

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Auch künftig wird Biobauern mit der Agrarreform ab 2023 eine eigene Öpul-Fördermaßnahme zur Verfügung stehen. Bisher plante das Agrarministerium nur einen Management-Zuschlag. Nun hat Agrarministerin Elisabeth Köstinger die Kehrtwende im nationalen Strategieplan bestätigt. Es werde eine eigenständige Bio-Maßnahme im geplanten Modulsystem des Agrarumweltprogramms (ÖPUL) ab 2023 geben. Damit hat sie die Forderung von Bio Austria aufgegriffen. Der Bio-Verband hatte schon zu Jahresbeginn ein Modell für eine Bio-Maßnahme im neu geplanten Öpul-Modul-System an das Ministerium übermittelt.

Der Bio-Verband begrüßt, dass das Ministerium nach langen, zähen Verhandlungen einlenkt. Damit werde allerdings erst einer der zwei Voraussetzungen erfüllt, um das kommende Öpul bio-gerecht zu gestalten. „Ohne vollumfängliche Entsprechung der umfangreichen Leistungen der Biobäuerinnen und Biobauern für die Umwelt, die Biodiversität und das Klima ist erst die halbe Distanz zurückgelegt", betont Bio Austria Obfrau Gertraud Grabmann.

Drohen zusätzliche Auflagen?

Bislang hat das Ministerium noch keine Prämienhöhen zu den einzelnen Maßnahmen oder Modulen im geplanten Agrar-Umweltprogramm veröffentlicht. Kolportiert wird, dass trotz zusätzlicher Auflagen die Prämie für Bio-Betriebe nicht steigen, sondern sogar sinken. So müssen Biobetriebe die nach der EU-Bio -Verordnung wirtschaften, in der Biomaßnahme ab 2023 auch die Auflagen "umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung“ (UBB) einhalten, mutmaßt Grabmann.

In einer Presseaussendung bestätigt Agrarministerin Köstinger die Spekulationen indirekt. Die geplante Biomaßnahme umfasse einerseits die Einhaltung der Bio- Verordnung, andererseits aber zusätzliche Leistungen, zum Beispiel die Anlage von 7 Prozent Biodiversitätsflächen, Fruchtfolgeauflagen, Weiterbildungsverpflichtung und Grünlanderhaltung. "Durch Inanspruchnahme optionaler Zusatzmodule könnten Betriebe durch freiwillige Mehrleistungen auch eine höhere Prämie gegenüber der aktuellen Förderperiode erhalten," so die Ministerin. Die genaue Höhe der Prämien will sie aber erst bekanntgeben, wenn das Parlament den Strategieplan beschlossen hat. Vorher will Köstinger sich nicht zu den Spekulationen des Anbauverbands zu den Prämienhöhen äußern.

Grabmann hofft, dass ihre Vermutungen nicht stimmen. Denn das würde bedeuten, dass die Leistungen, die durch die biologischen Wirtschaftsweise erbracht werden, massiv abgewertet und geringer honoriert werden", kritisiert die Obfrau. "Das ist ein Szenario, das aus unserer Sicht nicht akzeptabel ist".
 

Grabmann sieht Bremse für Bioanbau

Die Zielsetzung des Ministeriums für die Bio-Landwirtschaft – 30% Bio-Flächenanteil bis zum Jahr 2030 – ist aus Sicht des Bio-Verbandes in keiner Hinsicht ambitioniert. Liegt doch der Bio-Flächenanteil schon heute - neun Jahre davor - bei 26,5 Prozent. "Offenbar will das Ministerium die Bremse für die Bio-Landwirtschaft anziehen,“ zieht Grabmann den Schluss. Wenn man die bisherige Entwicklung der Bio-Landwirtschaft in der laufenden GAP-Periode fortschreibt, würde der Bio-Anteil laut Bio Austria im Jahr 2030 bei knapp 36 Prozent liegen. Grabmann hält das 30%-Ziel, das unter dieser Entwicklung liegt, mehr als enttäuschend. Sie fürchtet ein Wertschöpfungsverlust für die österreichische Landwirtschaft, weil die Produktion nicht mit der sich rasant entwickelnden Bio-Nachfrage mithalten wird können.

Köstinger hält indes an ihrem Ziel weiter fest: "Wir wollen den Anteil der Bio-Landwirtschaft bis 2030 auf 30 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen erhöhen." Mit dem neuen ÖPUL Modul-System gebe es "dafür die notwendige Unterstützung und wesentliche Anreize".

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