Ländlicher Raum

Frauenpower braucht das Land

LK Steiermark
am Montag, 11.01.2021 - 09:09

Allianz von Landwirtschaftskammer und Wirtschaftskammer gegen die Abwanderung von jungen Frauen in die Städte.

Frauenpower Zukunft Land

Der ländliche Raum in der Steiermark hat in den vergangenen drei Jahren bis zu 1800 gut ausgebildete junge Frauen im Alter zwischen 19 und 20 Jahren allein an die Landeshauptstadt Graz verloren. Jährlich verlassen in dieser Gruppe also rund 600 Personen ihre Dörfer und Gemeinden.

Aber auch in den Großraum Wien wandern beispielsweise bis zu 3000 junge Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet ab. In den nächsten zehn Jahren sind das zehntausende junge Hoffnungsträgerinnen, die den ländlichen Regionen nachhaltig fehlen werden.

Ein bedenklicher Trend, der jedoch zu verhindern wäre. Denn wie aus dem Adeg-Dorfleben-Report 2020 hervorgeht, schätzen fast 100 % der befragten Frauen die hohe Lebensqualität am Land. Und die Coronakrise hat das Landleben noch zusätzlich attraktiv gemacht.

Negative Auswirkungen für das Land

„Hält dieser Trend an, führt das unweigerlich zu negativen ökonomischen und sozialen Entwicklungen in den ländlichen Regionen unseres Landes“, geben die Vizepräsidentinnen der Landwirtskammer und Wirtschaftskammer, Maria Pein und Gabi Lechnerder, zu bedenken.

Immerhin sind Frauen wichtige Investorinnen und Konsumentinnen; sie sind Unternehmerinnen, Arbeitnehmerinnen, Mütter, pflegende Angehörige und vieles mehr. Fallen sie weg, verlieren Gemeinden und Orte Finanzkraft, soziale Kompetenz und intellektuelles Kapital.

Damit dem Land die Hoffnungsträgerinnen für die Zukunft nicht weiter abhandenkommen, steuern die Kammern jetzt dagegen.

Pein und Lechner: „Bund, Land und Gemeinden sind gefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Allen voran gilt es gemeinsam mit den Frauen, an die weiblichen Lebenswelten angepasste Rahmenbedingungen zu erarbeiten und umzusetzen. Wie zum Beispiel flexible Kinderbetreuungseinrichtungen, vermehrte Unterstützung in der Pflege oder die Schaffung von frauenspezifischen Netzwerken.“

Konkrete Maßnahmen und weitere Prioritäten

„So sind von Landwirtschaftskammer und Wirtschaftskammer Networking-Meetings für junge Frauen, speziell Bäuerinnen und Unternehmerinnen, angedacht. Diese Meetings sollen vor allem der gegenseitigen Stärkung und Förderung dienen und gemeinsame Innovationen vorantreiben“. Insbesondere verlangt Maria Pein zur Weiterentwicklung des ländlichen Raums:

  • Den raschen Ausbau des schnellen Internets bis auf die Bergspitze
  • Den Ausbau von Tagesbetreuungseinrichtungen für Kinder und ältere Personen
  • Eine verbesserte Ausbildung sowie Qualitätssicherung in der 24-Stunden-Pflege

„Follow me“ als Wirtschaftsturbo

Der Adeg-Dorfleben-Report zeigt es mehr als deutlich: 97,7 % der Befragten gaben an, dass das Leben in ihrer Gemeinde lebenswert ist. Damit die Lebensqualität weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt, ist die lokale Wertschöpfung wichtiger denn je – über 70 % sehen diese Wertschöpfung als Schlüssel zum Erfolg.

Gerade hier wird die erfolgreiche Initiative „Follow me“ der WKO Steiermark, eine Plattform zur erfolgreichen Betriebsübergabe, in den nächsten Monaten und Jahren ein mächtiger Turbo für die Wirtschaft in den kleineren Gemeinden sein.

Laut KMU Forschung Austria stehen bis 2027 rund 5200 steirische Arbeitgeberbetriebe zur Übergabe an, mehr als 50 000 Arbeitsplätze hängen an diesen. Darunter viele Familienunternehmen, von denen 70 % in den ländlichen Regionen beheimatet sind.

Auffallend bei der Suche nach einem „Erben“ ist, dass rund 91 % der Befragten angeben, dass dieser nicht aus der eigenen Familie kommen muss.

Arbeitsplätze auf den Höfen sichern

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen funktionierenden ländlichen Raum sind Arbeitsplätze in der Nähe sowie in zumutbarer Entfernung.

„Es gilt allerdings auch Arbeitsplätze auf unseren bäuerlichen Betrieben zu erhalten, insbesondere für Frauen. In den vergangenen Jahren wurden Einkommens- und Erwerbskombinationen aufgebaut, die jungen Frauen einen Arbeitsplatz am Betrieb sichern oder ein wichtiges Standbein schaffen. Beispiele dazu sind Urlaub am Bauernhof, die Direktvermarktung, Green Care oder auch Schule am Bauernhof“, betont Landesbäuerin Auguste Maier.

Und weiter: „Von Seiten der Landwirtschaftskammer gibt es hier gute Unterstützung in der Ausbildung, in betriebswirtschaftlichen Agenden und bei den notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen.“

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Alltagsheldinnen vom Land

Hanna Mausser, Facharbeiterin für Obstbau und Obstverarbeitung, Hitzendorf: „Ich könnte nie vom Land weggehen. Das kommt für mich nicht in Frage. Da wäre ich total unglücklich. Mir würden die Familie, die Freunde und die Natur fehlen. Ich bin stolz auf mein Daheim, wo ich auch meinen Arbeitsplatz habe. Er bietet mir die Möglichkeit, mit vielen Menschen aus verschiedenen Generationen, sozialen Gruppierungen und Kulturen in Kontakt zu kommen.“

Heidi Hirn, Milchbäuerin, Trofaiach: „Ich bin ins Landleben hineingeboren und habe den Betrieb ganz selbstverständlich übernommen. Erst später sind mir Vorteile des Landlebens bewusst geworden: Ich habe meinen Arbeitsplatz, den ich individuell gestalten kann, daheim. Ich bin meine eigene Chefin, das bedeutet mir sehr viel. Ich muss nicht pendeln und bin auch mit dem fachlichen Weiterbildungsangebot vor Ort sehr zufrieden. Außerdem gibt es auch Online-Angebote. Über allem steht der Luxus, im Freien, in und mit der Natur arbeiten zu können.“

Christina Niederl, BA, Unternehmerin und Stefanie Niederl, Bäuerin und Unternehmerin, Gnas: „Am Land fühlen wir uns frei, da haben wir Platz und das beflügelt auch unser Denken. Auch die Nicht-Anonymität gefällt uns sehr. Wir schätzen den Zusammenhalt als Familie und dass wir hier alle gemeinsam arbeiten können. Am Land zählt auch noch die Handschlagqualität und es gibt Wertschätzung für unsere Arbeit – die Versorgung mit regionalen Produkten. Schön wäre es, wenn es Kurse, Seminare oder Get-togethers für Jungunternehmerinnen und Frauen in der Wirtschaft geben würde.“

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