Waldbauerntag

Bei den Forstbetrieben kommt „zu wenig“ an

Holzlager
Paul Kannamüller
am Montag, 21.06.2021 - 08:15

Etwa seit einem halben Jahr verkauft sich Holz immer besser. Die Auftragsbücher von Salzburger Sägewerken sind voll.

Salzburg Den Aufschwung am Holzmarkt sehen die hiesigen Waldbäuerinnen und Waldbauern mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits freut man sich natürlich über die steigende Nachfrage und die steigenden Holzpreise. Andererseits stellt man ernüchtert fest, dass davon bei den Forstbetrieben „zu wenig“ ankommt. „Jetzt sind wir da, wo wir schon vor 20 Jahren waren“, so Waldobmann Rudolf Rosenstatter. Derzeit wird für einen Festmeter Rundholz rund 100 € bezahlt. Es sei ein Preis, den man unbedingt brauche, weil gerade im alpinen Bereich die Kosten für die Holzbringung hoch seien, wie der Waldobmann betonte. In Österreich brumme die Bauwirtschaft, was neben Stahl und Beton auch die Nachfrage nach Holz stark steigen lässt. In der Wirtschaft geht man davon aus, dass sich der Aufschwung weiter fortsetzt. Aus Pandemiegründen war der Waldbauerntag dieses Mal als Online-Veranstaltung konzipiert worden.

Große Holznachfrage und Stabilisierung der Preise

Etwa seit einem halben Jahr verkaufe sich Holz immer besser, die Auftragsbücher von Salzburger Sägewerken seien voll, hört man von Betreibern. Viele neue Kunden säßen in Übersee – neben Thailand und Vietnam auch in den USA. Neben der starken Nachfrage im Ausland habe im Inland die neue Investitionsförderung von 7 % die Bauwirtschaft angekurbelt, wird Hannes Üblagger zitiert, Betriebsleiter der Bundesforste im Pongau. Inzwischen sei auch die europaweite Holzschwemme aufgrund des vielen Schadholzes zum Erliegen gekommen, deshalb hätten sich die Preise erholt. Manche Händler wollen nun ihre Lager auffüllen, weil sie befürchten, dass ihnen die Vorräte ausgehen. Auch konnte infolge der teils starken Schneefälle im vergangenen Winter einige Zeit kein Holz geschlägert werden, was den Engpass noch verstärke.

Holz als heimischen Baustoff einsetzen

Einmal mehr setzte sich WV-Obmann Rosenstatter dafür ein, Holz vermehrt als nachwachsenden heimischen Baustoff einzusetzen. Seit der ersten großen Waldinventur 1986 seien die Holzvorräte im Kleinwald um mehr als 200 Mio. Vorratsfestmeter gestiegen. Damit sind Rosenstatter zufolge ausreichend Reserven im Kleinprivatwald vorhanden, die nach der belastenden Coronazeit für die Weiterentwicklung einer klimaschonenden Holzbauoffensive genutzt werden könnten. Durch funktionierende lokale Lieferketten solle die Holzversorgung durch zusätzliche Mengen aus dem bäuerlichen Wald unterstützt werden. Um die Versorgung der kleinstrukturierten Salzburger Betriebe zu unterstützen, wird eine enge Kooperation zwischen Waldverband und Landesinnung der Holzbaumeister angestrebt.
Einen Holzmangel sieht auch der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich nicht. Josef Moosbrugger erklärte: „Wir können gerne Holz in bester Qualität und ausreichender Menge liefern, wenn der Preis stimmt.“ Tatsache jedoch sei, dass nach zwei katastrophalen Jahren zwar ein Aufwärtstrend spürbar ist, aber noch nicht einmal der Zehnjahres-Preisschnitt erreicht werden konnte – und das bei steigenden Holzernte- und Betriebsmittelkosten. Die auseinanderklaffende Preisschere müsse sich wieder schließen, fordert Moosbrugger.

Starke Nachfrage nach Bauholz wird anhalten

Auf die Preissituation ging auch sein Kollege in Salzburg ein. So sagte LK-Präsident Rupert Quehenberger, dass viele Waldbesitzer die Preispolitik der Großindustrie schon als „sehr restriktiv“ empfinden. Die Gewinne vor allem der großen Verarbeiter würden ganz andere Rundholzpreise rechtfertigen. So ist es seinen Worten zufolge allzu verständlich, dass vor allem Kleinwaldbesitzer bei der Holznutzung noch sehr zurückhaltend seien. Indessen gehen Wirtschaftsexperten davon aus, dass die starke Nachfrage nach Bauholz auch in den kommenden Monaten anhalten wird, da in der Bauwirtschaft weiterhin von einer sehr guten Auftragslage auszugehen ist.
Diese Entwicklung und einem starken globalen Holzbedarf folgend, bleibe die Nachfrage nach Nadelsägerundholz „sehr rege“. Die Preise für das Leitsortiment seien zuletzt sukzessive gestiegen – mit Ausnahme in den Borkenkäferregionen. Ernteaktivitäten hätten daher insbesondere bei den waldreichen Betrieben zugenommen, auch komme nun verstärkt Holz aus höheren Lagen. Bei ausreichender Frachtkapazität werde bereitgestelltes Holz zeitnah abtransportiert, schleppend gestalte sich zuweilen der Absatz für Energieholz. Bisher wird das Jahr mit wenigen Ausnahmen als zu trocken eingeschätzt. Dementsprechend sei die Aufmerksamkeit insbesondere auf die Kontrolle der Bestände und auf die rasche Aufarbeitung von Käferbäumen zu legen, hieß es.