Herkunftskennzeichnung

Ist Farm to Fork-Strategie ein Etikettenschwindel?

Nachweis
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 26.01.2021 - 09:25

Das Ökosoziale Forum forderte auf seiner Tagung in Wien, den Green Deal auf Risiken zur Versorgungssicherheit abzuklopfen.

Regional

Wien„Die Farm to Fork-Strategie hat ihren Namen eigentlich nicht verdient“, stellt Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger auf den ökosozialen Forum klar und ergänzt: „Eine Strategie, die Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette vorschlägt, kann nicht ohne eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung auskommen. Kurze Transportwege sind das erste, an das man denkt, wenn man vom Acker bis zum Teller hört. Unsere Bäuerinnen und Bauern produzieren aber auch unter höheren Klima- und Umweltstandards und regionaler Qualität. Das muss für die Konsumentinnen und Konsumenten auch transparent erkennbar sein.

Billigimporten durch Freihandelsabkommen wie Mercosur dürfe nach Ansicht der Ministerin niemals der Vorzug gegenüber der heimischen Produktion gegeben werden: "Es braucht ein klares Bekenntnis gegen unfaire Freihandelsabkommen und Lebensmittel, die über den halben Erdball transportiert werden“, so Köstinger.

Ökosoziales Forum mit führenden Köpfen

FAO

Die 68. Wintertagung fand dieses Jahr zum Thema „Gemeinsam is(s)t man besser. Gemeinsam aus der Krise lernen. Gemeinsam zukunftsfit werden.“ die Folgen der COVID-Pandemie sowie Chancen und Zukunftsperspektiven für die Bäuerinnen und Bauern. Dass das Thema der heurigen Wintertag des Ökosoziales Forums den Nerv der Zeit trifft, zeigen die Anmeldungen. Mit 7.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gibt es einen neuen Rekord. Am Eröffnungstag zum Thema Agrarpolitik sprachen im Laufe des Vormittags u.a. noch die deutsche Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, der Generaldirektor der FAO, Qu Dongyu, und EU-Kommissar Johannes Hahn.

Pernkopf: Green Deal darf Feuer im Amazonas nicht anheizen

 „Europa muss jederzeit und ganz besonders in der Krise in der Lage sein, sich selbst zu versorgen. Die Corona-Pandemie ist dabei ein Game Changer für die heimische Landwirtschaft. Sie zeigt uns klar, dass wir die Lebensmittelversorgung am eigenen Kontinent sichern und als Teil der strategischen Autonomie Europas erhalten müssen“, unterstreicht Pernkopf. So sei der Green Deal der Europäischen Kommission zwar prinzipiell zu begrüßen, da bei der Lösungssuche die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet wird. „Aber der Green Deal, der nun am Tisch liegt, verkennt die Zeichen der Zeit. Er ist ein Deal aus der alten Welt vor Corona, macht unsere Volkswirtschaft verwundbar und schwächt unsere Selbstversorgung. Denn unter diesem grünen Deckmantel versucht besonders der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, die Stilllegung von landwirtschaftlichen Flächen zu erreichen“, kritisiert Pernkopf.  

Produktion und Einkommen sinken

So würden laut Berechnungen des US-Landwirtschaftsministeriums die Produktion um 12 Prozent und die landwirtschaftlichen Einkommen für die europäischen Bäuerinnen und Bauern um 16 Prozent sinken. Flächen still zu legen, gefährdet damit die bäuerlichen Betriebe und die Selbstversorgung mit Lebensmitteln, erhöht die Abhängigkeit von anderen Ländern und erhöht den Hunger auf der Welt. Zudem wird nirgendwo so umweltgerecht produziert wie in Europa.

Pernkopf nennt mehrstöckige Schweinefarmen in China mit 150.000 Tieren oder das Niederbrennen von Regenwäldern für Palmöl und Rinderfarmen als Beispiel wie außerhalb Europas produziert wird. Die steigenden Importe aus diesen Ländern würden den Green Deal samt Farm to Fork- und Biodiversitätsstrategie zur Sackgasse machen. Pernkopf: „Wir hätten zwar Blühstreifen von Portugal bis Lettland, aber dafür kommen unsere Lebensmittel aus Südamerika. Dieser Deal würde das Feuer im Amazonas weiter anheizen. Diese falsch verstandene Blühstreifenpolitik darf nicht am Ende zu mehr Kondensstreifen führen. Erdbeeren und Rindfleisch müssen nicht fliegen.“ 

Nachhaltige Intensivierung sichert Versorgung und Landwirtschaft

Das Ökosoziale Forum fordert ein Umdenken und das Modell der nachhaltigen Intensivierung, das sich in Österreich bewährt hat. Dazu Pernkopf: „Nachhaltige Intensivierung bringt Produktion und Natur in Einklang und sichert das Einkommen für die Bäuerinnen und Bauern, die damit nachhaltig agieren können. Das ist der ökosoziale Gedanke: Arbeit schaffen, Wirtschaft stützen und gleichzeitig die Umwelt schützen.“