Einkommen stagnieren weiter

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 20.08.2021 - 09:50

Ergebnisse entwickeln sich je nach Betriebsform in Österreich sehr unterschiedlich. Bergbauern und Futterbaubetriebe verdienen weniger.

Einkommen-2021-Grüner Bericht

Trotz der Unterstützung durch Corona-Maßnahmen fällt die Einkommensentwicklung der österreichischen Bauern eher mäßig aus. Im Schnitt stiegen die Einkommen im vergangenen Jahr laut Grünem Bericht 2021 gegenüber 2019 lediglich um 1,4 Prozent auf 28.368 € je Betrieb. Im mehrjährigen Vergleich jedoch stagnieren die land- und forstwirtschaftlichen Einkommen. Ausgewertet wurden die Buchführungsdaten von 1.939 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben.

Für Bundesagrarministerin Elisabeth Köstinger ist das aber keine Jubelmeldung. Die Entwicklung wirke auf den ersten Blick positiv, aber seit Jahren stagniere das Einkommen der Bäuerinnen und Bauern. „Wir brauchen mehr denn je faire Preise für die Produkte und Rohstoffe, die unsere Landwirte erzeugen. Die Dumpingschlachten des Handels auf dem Rücken der Bäuerinnen und Bauern sind kein Zukunftskonzept. Vor allem die Lebensmittelkonzerne sind gefordert, faire Produktpreise für die hochwertige Qualität der heimischen Landwirte zu bezahlen,“ appelliert die Ministerin.

Rückgang für Futterbaubetriebe

Grünfutterernte-Österreich

Je nach Betriebstyp fiel die Entwicklung aber sehr unterschiedlich aus. Mit Ausnahme der Futterbaubetriebe, die fast die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe ausmachen, konnte allen Betriebsformen ein höheres Einkommen erzielen. Für den Einkommensrückgang von 8% bei den Futterbaubetrieben waren laut Bundesagrarministerium vorrangig höhere Aufwendungen für Instandhaltung sowie Abschreibungen verantwortlich.

Den höchsten Einkommenszuwachs erzielten die Dauerkulturbetriebe mit 34%. Bei diesen Betrieben führte zwar der Frost zu größeren Ernteeinbußen, dies wirkte sich jedoch in Verbindung mit einer verstärkten Nachfrage nach heimischem Obst als Folge der COVID-19-Pandemie günstig auf die Preissituation aus. Dieses Plus reicht aber angesichts der niedrigeren Ausgangsbasis nicht aus, um das gravierende Minus von 31% in 2019 auszugleichen.

Die Marktfruchtbetriebe erzielten 2020 einen Einkommenszuwachs von 10% gegenüber dem Vorjahr. Zurückzuführen ist dies auf die flächenmäßige Zunahme bei den Ölfrüchten sowie überdurchschnittlichen Ernten beim Getreide, trotz ungünstiger Niederschlagsverteilungen und langer Trockenperioden.

Leichtes Plus für Biobauern

Bergbauern

Ein leichtes Einkommensplus gab es bei den Forstbetrieben. Nach dem deutlichen Rückgang von fast 10% im Vorjahr kletterte das Einkommen um 6% gegenüber 2019. Die ausgeprägten Niederschlagsdefizite bei langen Hitzeperioden führten auch 2020 zu einem hohen Schadholzanfall aufgrund des massiven Borkenkäferbefalls. Trotz der niedrigen Holzpreise mussten dadurch erhöhte Schlägerungen durchgeführt werden.

Die Veredelungsbetrieben konnten ihr Einkommen dagegen nur um 2% steigern. Der Verlustersatz für Schweine über die COVID-19-Unterstützungsmaßnahmen wirkte sich nach BMLRT-Auffassung positiv aus. Die landwirtschaftlichen Gemischtbetriebe erzielten ebenfalls leichte Einkommenssteigerungen von 2%. Hauptgründe für diese Entwicklung waren höhere Erträge aus der Tierhaltung und der Bodennutzung.

Verschärft hat sich die Einkommenslage der Bergbauern. 2020 sanken die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft um vier Prozent auf 21.827 Euro je Betrieb. Dagegen konnten  Nichtbergbauernbetriebe einen Einkommensanstieg von 5 % verbuchen. Bei den Biobetrieben stiegen die Einkünfte im Jahr 2020 mit 27.951 Euro geringfügig um 1% an, aber stagnieren weiter. Der leichte Anstieg ist auf höhere Erträge in der Bodennutzung zurückzuführen.

 

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt

Regionalität und Herkunftskennzeichnung sollen Abhilfe schaffen

Österreichs Kammerpräsident Josef Moosbrugger wertet diese Einkommensanalyse als klaren Arbeitsauftrag für die Zukunft. "Jetzt, wo es um die nationale Umsetzung der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) geht, ist es unsere Aufgabe, die Ergebnisse über mehrere Jahre und detailliert auszuwerten, um geeignete Maßnahmen für die Zukunft setzen zu können", unterstreicht der Kammerpräsident.

Konkreter zu den Maßnahmen äußert sich Bauernbund-Direktor Norbert Totschnig. "Wir werden deshalb die agrarischen Märkte und Lieferketten noch stärker in den Fokus nehmen. Hier muss an vielen Schrauben gedreht werden, damit den Bauernfamilien ein fairer Anteil an der Wertschöpfung gesichert werden kann". Der Bauernbund setzt dabei beispielsweise in auf eine zunehmende Regionalisierung verbunden mit einer besseren Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln.