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Ausgezeichnet

Im Einklang mit der Natur

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Patrizia Schallert
am Freitag, 07.01.2022 - 07:45

Gerti Gröbl hat ihren Hof vielseitig aufgestellt und achtet auf ökologische Kreisläufe. Damit gewann sie den Bio-Award Oberösterreich 2021.

Von der Einzelhandelskauffrau zur Biobäuerin und Edelbrandsommelière: Gerti Gröbl verbindet in ihrer Brennerei Edelbrände und Liköre mit der Vielfalt der Obstkulturen ihres Biohofs Kochlöffl. Tiroler Bergschafe und Wildmasthendl pflegen die steilen Streuobstwiesen und sind damit ein wichtiger Baustein im ökologischen Kreislauf des Betriebs in Weyer im oberen Ennstal

Für den schonenden Umgang mit der Natur, den Ausbau und Erhalt der Streuobstflächen und ihren Blick auf das Tierwohl gewann die Familie Gröbl den Bio-Award Oberösterreich 2021. „Wir waren überrascht, als wir von der Nominierung erfahren haben und vom Votum der vielen Menschen überwältigt. Ihr Vertrauen und ihre Wertschätzung bestärken uns, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.“

Das Brennen vom Schwiegervater gelernt

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Gerti Gröbl hatte weder eine Ahnung von Landwirtschaft, noch vom Schnapsbrennen, als sie 2008 in den Hof einheiratete. „Mein Schwiegervater Georg hat mich dann aber gleich in die Geheimnisse der Brennerei eingeweiht und mein Interesse für diese Art der Obstveredelung geweckt“, erinnert sich die 38-Jährige.

Die Schafhaltung und das Brennen von Hochprozentigem, vor allem von Zwetschgenbrand, hat auf dem Betrieb der Familie Gröbl Tradition. Im Jahr 1980 wurde dem Hof das „Maria Theresianische Brennrecht“ zuerkannt, das den Bauern die Herstellung von jährlich 300 Litern reinem Alkohol gestattet.

Während beim Schnapsbrennen ehedem die Ausbeute im Vordergrund gestanden hatte, ist es heute die Qualität“, erklärt Gerti Gröbl. Nach der Ernte, also meist im September, wurde das Obst eingemaischt und im Dezember oder Jänner gebrannt, weil die Bauern erst im Winter Zeit dafür fanden. „Nach einer mehr als dreiwöchigen Vergärung leiden jedoch Qualität und Aroma des Destillats.“ Die Biobäuerin hat sich intensiv mit der Obstveredelung beschäftigt, sodass Georg Gröbl 2013 das Brenn-Zepter aus der Hand gab und seine Schwiegertochter fortan allein werkeln ließ.

„Ich hatte immer die Qualität im Blick und wollte nicht nur Schnaps, sondern Edelbrände herstellen.“ Das bedeute nicht, dass der Schnaps, wie er früher am Hof gebrannt wurde, schlechter war, aber die Brenn- und Trinkkultur habe sich nun einmal verändert. „Beim Edelbrand werden zu hundert Prozent reife, gut selektierte Früchte destilliert, kein Zucker oder Aromastoffe hinzugefügt und er wird nicht zusätzlich mit hochprozentigem Alkohol gestreckt“, erklärt Gerti Gröbl, die 2019 ihre Ausbildung zur Edelbrandsommelière absolviert hat.

Mehr Obstbäume für den Rohstoff gepflanzt

Die Vielfalt an Edelbränden und Likören erreichte die Familie durch die Ausweitung des Obstanbaus. Zum Altbestand von rund 100 Bäumen wurden vor zehn Jahren 200 Halbstammbäume auf einer Fläche von knapp 2 ha dazugepflanzt. Zu den bestehenden Zwetschgen-, Apfel- und Birnbäumen kamen Kirsch-, Weichsel-, Quitten-, Kriecherl-, Marillen-, Walnuss- und sogar Nektarinenbäume hinzu. „Die alten Bäume brechen leider langsam zusammen“, bedauert Gröbl.

„Unsere alten Zwetschgenbäume haben bereits fünfzig, manche Birnbäume gar hundert Jahre auf dem Buckel und somit gute Dienste geleistet. Sie tragen zwar immer noch, aber deutlich weniger als die Jungbäume.“ Faszinierend sei der unterschiedliche Umgang der Obstbäume mit einer Übermenge an Früchten. Während Apfel- und Birnbäume in fruchtreichen Jahren bereits im Juli mit dem Abwerfen des Obstes beginnen, gebe der Zwetschgenbaum keine einzige Frucht ab, eher breche ein überladener Ast ab.

Neue Brennerei und Hofladen eingerichtet

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Gröbls Liebe zum Brennen und ihre Experimentierfreude brachten nicht nur eine Erweiterung des Sortiments mit sich, sondern ließ auch die alte Brennerei an seine Grenzen kommen. Deshalb investierte die Familie im vergangenen Jahr in eine neue Kolonnenbrennerei, in die Erweiterung des Trinkwassertanks, eine Obstwaschanlage und die Einrichtung des neuen Hofladens.

„Ich bin dankbar, dass mein Mann Harald und meine Schwiegereltern stets an meine Visionen geglaubt und mich immer unterstützt haben“, betont die Jungbäuerin.

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Familie Gerti als „Zugpferd und treibende Kraft für Neues“ bezeichnet. „Aber wenn nicht alle mithelfen und an einem Strang ziehen, geht ohnehin nichts.“ Die Edelbrandsommelière bedauert, dass der Begriff „Schnaps“ nach wie vor negativ besetzt sei.

„Ich möchte Edelbrände in der Gesellschaft neu positionieren und aufzeigen, dass ein Stamperl Destillat aus heimischem Obst ebenso ein Genuss sein kann wie ein Glasl guter Wein.“ Viele Kunden des Biohofs Kochlöffl haben Gröbls Intention erkannt und schätzen, wie sie „mit der hohen Kunst des Destillierens die Vielfalt der Natur in ihrer reinsten Form hervorbringt.“

Tiroler Bergschafe beweiden das Grünland

30 Mutterschafe der Rasse Tiroler Bergschafe und ihre Nachzucht beweiden vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein die Streuobstwiesen und das arrondierte Grünland. Die gutmütige, geländegängige, vitale und robuste Rasse passe hervorragend zur Struktur des Betriebs mit seinen Steillagen. Rund ein Drittel des 10 ha großen Grünlands dient als Mähfläche und wird im Herbst ebenfalls von den Schafen beweidet. Den Winter verbringen sie im Stall, wo ihnen Heu vorgelegt wird. „Aus einem Grasschnitt machen wir Silage, weil wir zu wenig Lagerkapazitäten für Heu haben.“ Kraftfutter erhalten die Schafe nur beim Weidewechsel als Lockmittel und Belohnung. Die Lämmer verkauft die Familie lebend an umliegende Abnehmer mit kleinen Grünlandflächen.

Biowildmasthendl mit Hofschlachtung

Ein weiteres Standbein des Biohofs Kochlöffl ist die Aufzucht von Biowildmasthendln. Seit 2015 werden jährlich rund 1200 Eintagsküken, aufgeteilt in drei Partien, eingestallt. Nach zwölf Wochen, die sie untertags vorwiegend in freier Natur unter dem Schutz der Obstbäume verbringen, haben die Wildmasthendl ein Gewicht von 2,5 kg erreicht und werden direkt am Hof geschlachtet. „Die sensibilisierte Hofschlachtung war uns immer ein Anliegen“, betont die Biobäuerin. „Vom Einfangen direkt beim Stall bis zur elektrischen Betäubung vergehen keine zehn Sekunden. Deshalb schütten unsere Wildmasthendl so gut wie keine Stresshormone aus. Das wirkt sich enorm auf die Fleischqualität aus, die unsere Kunden zu schätzen wissen.“
Das Geflügel wird ausgenommen und im Ganzen oder halbiert verkauft. „Damit fallen wir in die Urproduktion.“ Der Verkauf erfolgt auf Vorbestellung, der Abholtermin wird per SMS oder WhatsApp bekannt gegeben. In einem Video auf der Webseite des Biohofs zeigt Gerti Gröbl die fachgerechte Zerlegung eines Huhns oder wie eine Wildhendlhälfte befüllt werden kann.

Nebenerwerbsbetrieb, der sich wirtschaftlich lohnt

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Der Biohof Kochlöffl wird seit jeher im Nebenerwerb geführt. „Natürlich wäre es schön, wenn ein Vollerwerb möglich wäre und mein Mann Zuhause bleiben könnte“, sagt Gerti Gröbl. Aber noch wichtiger sei es, den Hof so zu führen, dass der wirtschaftliche Erfolg seinen Erhalt gewährleistet. Dafür benötige es den Zusammenhalt der Familie.

Damit das Leben in einem Mehrgenerationenhaushalt funktioniert, seien gegenseitiger Respekt und Wertschätzung das A und O. „Ich bin dankbar, dass meine Schwiegereltern mir so viel Vertrauen entgegengebracht haben, als sie mir den Hof und damit auch ihr Lebenswerk überschrieben haben und sich seither unermüdlich einbringen.“

Die Biobäuerin ist überzeugt, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb vor allem dann erfolgreich ist, wenn Alt und Jung zusammenhalten. „Wenn man an etwas glaubt, hinter den eigenen Produkten steht und alle Familienmitglieder an einem Strang ziehen, kann alles gelingen.“ Der beste Beweis dafür sei, dass auch ein kleiner Nebenerwerbsbetrieb wie der Biohof Kochlöffl einen Award gewinnen kann.