Store-Check

Einkaufstest: Zwei Drittel der Äpfel im Saft sind nicht einheimisch

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 11.11.2021 - 08:56

Der Anteil ausländischer Äpfel in Säften ist weiter gestiegen. Das zeigt ein Ladentest der Landwirtschaftskammer Steiermark.

Äpfel und Apfelsaftflaschen

Eine bittere Enttäuschung erlebten die Einkaufstester der Landwirtschaftskammer Steiermark bei den Herkünften von Apfelsäften in heimischen Läden. In zwei von drei Apfelsaft-Packerln sind ausländische Äpfel drinnen.

„Die Ergebnisse sind eine herbe Enttäuschung für das Obstland Steiermark. Sie sind nochmals schlechter ausgefallen als beim letzten Test vor zwei Jahren“, fasst Kammerdirektor Werner Brugner die Ergebnisse zusammen. Konkret sind in zwei von drei im Handel angebotenen Apfelsäften (66 Prozent) vermutlich ausländische Äpfel, die aus meist weitgereistem Apfelsaftkonzentrat hergestellt werden, 2019 waren es 60 Prozent). Brugner empfiehlt daher Apfelsaft mit klarer Herkunftsangabe, direkt beim Bauern, auf Bauernmärkten oder in Hofläden zu kaufen. Das hat den Vorteil beste natürliche Qualität mit kurzen Transportwegen in den Einkaufskorb zu legen.

Auch ein positiver Aspekt ist aufgefallen. Der Bioapfelsaft-Anteil steigt von 15 auf 18 %. Die Herkunftskennzeichnung ist vorbildlich und sollte für alle Apfelsäfte gelten.

Den Store-Check hat die Kammer Mitte Oktober durchgeführt. Die Testkäufe erfolgten in zwölf Geschäften der vier marktbestimmenden Handelsketten. Insgesamt wurden 82 Apfelsäfte auf die Herkunft der Äpfel überprüft. Apfelnektare und gespritzte Apfelsäfte wurden nicht berücksichtigt.

Höhere Apfelpreise verteuern den Saft kaum

„Die Industrie zahlte den Bauern im Schnitt der vergangenen zehn Jahre für ihre Saftäpfel nicht einmal die Erntekosten“, rechnet Herbert Muster, Obstbauchef der Landwirtschaftskammer vor. Er verlangt daher kostendeckende Saftapfelpreise. Höhere Saftapfelpreise wirken sich auf den Apfelsaft-Endverbraucherpreis nur marginal aus. Das zeigen die Berechnungen der Landwirtschaftskammer.

Muster rechnet vor: „12 Cent mehr für einen Kilo Saftapfel erhöht den Apfelsaftpreis im Geschäft pro Liter um nur 15 Cent.“ Wegen der katastrophalen Saftapfelpreise der vergangenen Jahre sind laut Muster viele landschaftsprägende Streuobstwiesen nicht mehr gepflegt, sie verwildern oder verschwinden. Faire Saftapfelpreise sowie eine steigende Nachfrage nach heimischem Apfelsaft kann diese unerfreuliche Entwicklung laut Kammerexperten stoppen und eine Trendumkehr bewirken.

Irreführende Kennzeichnungen

Herkunftskennzeichnung Apfelsaft

Zudem stellten die Tester noch weitere Fallen für Verbraucher fest. Immer wieder findet sich auf den Wegwerf-Verpackungen der Apfelsäfte ein leuchtend roter Aufdruck wie „Abgefüllt in Österreich“. Dieser verführerische Aufdruck bescheinigt bloß, dass der Saft in Österreich abgefüllt wurde, nicht jedoch, dass die Äpfel aus Österreich kommen. Brugner sieht darin eine mögliche Falle für unbedarfte Kunden beim schnellen Einkauf. Er empfiehlt daher im Kleingedruckten die Herkunftsangabe nachzulesen, sofern sie überhaupt angegeben ist. Keine Angabe bedeutet meist, dass Ausland drinnen ist.

Zudem bestehen immer mehr Apfelsäfte aus weitgereistem Konzentrat. 60 Prozent der angebotenen Apfelsäfte werden aus energieaufwendig eingedicktem Konzentrat hergestellt, das oft tausende Kilometer aus Billigstlohnländern herangekarrt werden. China ist laut Landwirtschaftskammer der weltweit größte Apfelsaft-Konzentrat-Hersteller, in Europa ist es Polen. Das Apfelsaft-Angebot aus Konzentrat ist gestiegen: 2019 lag es noch bei 55 Prozent. Positiv ist zumindest, dass den Verbrauchern die verpflichtende Kennzeichnung „aus Apfelsaftkonzentrat“ nicht vorenthalten wird. Dagegen bieten bäuerliche Apfelsafthersteller nur direkt gepressten Apfelsaft von heimischen Äpfeln an, also Direktsaft an, betont die Kammer.

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