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Hitzewelle

Dürre: Über eine Milliarde Euro Schaden in zehn Jahren

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 12.08.2022 - 14:22

Österreichische Hagelversicherung schätzt für dieses Jahr bereits 100 Mio. € Ernteverluste durch Dürre.

Dürre-Mais

Auch wenn bislang Österreichs Getreide- und Rapsernte von der Dürre und Htze kaum Schaden genommen hat, sieht dies für die Ernte bei späteren Kulturen ganz anders aus. Für die Herbstkulturen wie Mais, Sojabohnen, Kürbis, Kartoffeln, Sonnenblumen und dem Grünland rechnet die Österreichische Hagelversicherung mit rund 100 Mio. € Dürreschäden. „Insbesondere im Osten und Süden Österreichs rechnen wir mit erheblichen Ernteausfällen. Der Grund dafür liegt in den extremen Niederschlagsdefiziten der vergangenen zwei Monate“, so Vorstandsvorsitzender Dr. Kurt Weinberger.

Dürre: Über 1 Milliarde Schaden in zehn Jahren

Zudem nehmen Dürreschäden in der Landwirtschaft stark zu. Während in den 80iger Jahren alle zehn Jahre eine Dürre aufgetreten sie, treten große Dürreereignisse in Österreich nun durchschnittlich jedes zweite Jahr auf. So entstand in den vergangenen zehn Jahren aufgrund der Dürre ein Gesamtschaden von mehr als einer Milliarde Euro, so Weinberger.

Und die Tendenz ist nach seiner Ansicht weiter steigend. Gab es in den 80/90er Jahren noch zwischen drei und zwölf Hitzetage, zählt die Hagelversicherung mittlerweile das Dreifache solcher Tage. „Werden die Klimaziele von Paris nicht eingehalten, müssen wir im Jahr 2100 mit 60 bis 80 Hitzetagen pro Jahr rechnen“, so Weinberger.

Agrarfläche von Burgenland veschwunden

Der Vorstandsvorsitzende weist zudem auf eine weitere Bedrohung hin, die rasante Zubetonierung der Agrarflächen massiv gefährdet. Ein „Lieblingsthema“ von Weinberger. Alleine in den letzten 25 Jahren wurden in Österreich 150.000 ha Agrarflächen verbaut, das entspricht einer Größe der gesamten Agrarfläche des Burgenlands. Die zunehmende Versiegelung führt aber nicht nur dazu, dass Agrarflächen für die Produktion von heimischen Lebensmitteln verloren gehen. Versiegelter Boden geht als Wasser- und Kohlenstoffspeicher verloren, wodurch Überschwemmungsschäden zunehmen.

Weniger Boden versiegeln

Das bestätigte Univ. Prof. DDr. Helmut Habersack, Leiter des Instituts für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung an der Universität für Bodenkultur. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert er einen Rückbau von Flüssen und Feuchtgebieten sowie den Bodenverbrauch zu senken. Wasser könnte so länger in der Landschaft gehalten werden, was das Hochwasserrisiko verringert, da Überflutungsflächen erhalten bleiben beziehungsweise zurückgewonnen werden. So sei derzeit beispielsweise der Wasserstand des Bodensees nur mehr elf Zentimeter von seinem historischen Minimalwert entfernt. Aber auch der Neusiedler See erreicht laut Habersack heuer seinen tiefsten Wasserstand seit 1965. Mit ein Grund dafür sei der niedrige Grundwasserstand.

Niedrige Pegelstände

Der Klimawandel beeinflusst auch die Pegelstände der Flüsse, die Abflüsse sinken. An der Donau liegt der Abfluss derzeit unter dem langjährigen Mittel, wovon vor allem die Schifffahrt und die Wasserkraft stark betroffen sind. Laut des Wissenschaftlers sank an der Donau in den vergangenen 75 Jahren die sommerliche mittlere saisonale Durchflussmenge zwischen 5 und 13 Prozent. „Der Po weist heuer extreme Niedrigwasserstände auf und im Zuge eines Projekts am Rhein wurde heuer festgestellt, dass bei Fehlen der Gletscher bis zu 25 Prozent weniger Abfluss bei Niederwasser auftritt“, so Habersack.

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