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Waldbau

Douglasie: Nicht Superbaum sondern Baustein

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Patrizia Schallert
am Montag, 02.03.2020 - 13:39

Waldverband Vorarlberg: Ist die Douglasie als möglicher Fichtenersatz geeignet?

Auf einen Blick

  • Durch Maßnahmen gegen den Borkenkäfer ist es in Vorarlberg 2019 gelungen, eine Kalamität zu verhindern.
  • Um die Waldbewirtschaftung trotz schlechter Schwachholzpreise wirtschaflich zu halten, fördert das Land die Waldbauern.
  • Ein Forschungsprojekt zeigt, dass die Douglasie in manchen Regionen aufgrund des vorherschenden Klimas und Bodens ein sinnvoller Ersatz für die Fichte sein kann.
  • Die Douglasie wächst nicht in Monokultur. Geeignet ist sie nur als Bestandteil eines Mischwaldes.

Vom Brot- zum Totbaum

Hohenems/Vorarlberg - Wird die Fichte vom Brot- zum Totbaum? Auch in den österreichischen Wäldern hinterlässt der Klimawandel seine Spuren. Als Alternative zur Fichte wird immer wieder die wuchsfreudige Douglasie ins Spiel gebracht. Ob der ursprünglich in Nordwestamerika beheimatete Nadelbaum auch für Österreich ein Zukunftsbaum sein könnte, wurde auf dem Forsttag 2020 im Bäuerlichen Schul- und Bildungszentrum (BSBZ) in Hohenems diskutiert.

Josef Moosbrugger freute sich über die 280 Teilnehmer, die ihren Weg nach Hohenems zum Forsttag und der damit verbundenen Vollversammlung des Waldverbands Vorarlberg gefunden hatten. Weniger erfreulich war für den Präsidenten der Vorarlberger und Österreichischen Landwirtschaftskammer das vergangene Waldwirtschaftsjahr. „Windwürfe, Käferkalamitäten und Pflanzenkrankheiten stellen uns vor immer größere Herausforderungen.“ Die Schäden seien hoch und die Wirtschaftlichkeit im Forst gerate zunehmend unter Druck, zumal die Erlöse bei steigenden Holzaufarbeitungskosten laufend zurückgehen.

Borkenkäferschutz-Programm zeigte Wirkung

Im vergangenen Frühjahr und Sommer hat sich die Lage durch Zufuhrsperren der Holzabnehmer zugespitzt. Das Holz musste jedoch wegen der drohenden Borkenkäfervermehrung dringend aus den Wäldern gebracht werden. Kurzfristig geschaffene Zwischenlager entschärften die Situation. Die Borkenkäfergefahr war im vergangenen Jahr sehr hoch. Doch der kühle Mai und die Maßnahmen aus dem Borkenkäferschutzprogramm zeigten ihre Wirkung. „Wir mussten lokal zwar einige Schäden beklagen, aber die katastrophale Kalamität ist ausgeblieben“, resümierte Moosbrugger.
Der Schwachholzpreis war im Keller, damit geriet der Durchschnittspreis ganzer Holzpartien extrem unter Druck, obwohl die Starkholznachfrage der heimischen Säger mit guten Preisen in die Herbst-Wintersaison ging. „Die Holzmarktentwicklung und insbesondere die Preissituation ist sehr angespannt“, bedauerte der LK-Präsident. „Ohne die unterstützenden Maßnahmen des Landes Vorarlberg, insbesondere aus dem Fonds zur Rettung des Waldes, wäre derzeit eine wirtschaftliche Waldnutzung kaum gewährleistet.

Verjüngng durch stärkere Bejagung schützen

Auf der einen Seite ist der Forst stark vom Klimawandel betroffen, auf der anderen Seite ist er mit seiner nachhaltigen Bewirtschaftung für den Klimaschutz bedeutsam. „Mit etwas Geduld können wir in naher Zukunft eine wesentliche Inwertsetzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz erleben“, gab sich Moosbrugger zuversichtlich. Ein großes Problem in manchen Jagdregionen stelle jedoch der Wildverbiss an sich verjüngenden Mischbaumarten dar. „Es geht nicht um die Ausrottung des Wilds, sondern um die Anpassung seiner Bestände an den Lebensraum.“ Es gebe zwar vorbildliche Jagdbewirtschaftungsmethoden, gefordert sei aber die flächendeckende Umstellung auf eine ökologisch orientierte Wirtschaftsweise.
Zur Abdeckung der Kosten im Waldverband müssten Überlegungen für die Zukunft ins Auge gefasst werden, sagte Moosbrugger. Das gelte vor allem mit Blick auf die Finanzierung der angebotenen Serviceleistungen. Die Zufriedenheit und das Vertrauen in den Verband zeigt sich an der Mitgliederzahl, die im vergangenen Jahr um 14 % auf 2737 gestiegen ist. Die gesamte Mitgliedsfläche beläuft sich auf rund 38 000 ha.

Forschungsergebnisse zur Douglasie vorgestellt

Der Klimawandel ist nicht nur eine Herausforderung für die Vorarlberger Forstbesitzer, sondern für die Waldwirtschaft in ganz Europa. Deshalb untersuchte das Institut für Waldbau des Departements für Wald- und Bodenwissenschaften an der BOKU Wien mit 26 Projektpartnern aus Österreich und Deutschland acht Jahre lang die Wachstumspotenziale von mehr als 70 Douglasienbeständen an 28 Standorten. Als Mitarbeiterin des Instituts erläuterte Dr. Tamara Eckhart die Ergebnisse.
Bei Fichtenbeständen kommt es insbesondere in Tieflagen zu großen Kalamitäten und einem Rückgang der Produktivität, erklärte Eckhart. Der Waldbesitzer könne dem nur durch das Einbringen trockenresistenter Baumarten wie der Douglasie entgegenwirken, um stabile Wälder mit hoher Produktivität zu sichern. Die Douglasie stammt aus Nordwestamerika und wird aufgrund ihrer Raschwüchsigkeit, guten Holzeigenschaften und Trockenresistenz geschätzt und zunehmend nachgefragt. „Die Douglasie ist keine neue Baumart, sondern wird seit mehr als 150 Jahren in Europa angepflanzt“, sagte Eckhart. In Österreich beläuft sich die Anbaufläche inzwischen auf rund 10 000 ha.

Wachstumsmodell für verschiedene Standorte

Das Douglasienmodell der BOKU berücksichtigt sieben wichtige Einflussfaktoren:
  • zwei Klimavariable (mittlerer Niederschlag und mittlere Temperatur der Sommermonate Juni bis August)
  • zwei bodenchemische Variable (Nitratvorrat und pH-Wert im Oberboden) und
  • drei bodenphysikalische Variable (Wasserhaltekapazität, Sand- und Tongehalt).
Durch die Anwendung des klima- und standortsensitiven Douglasienmodells konnte das Wachstumspotenzial dieser Baumart beispielsweise für Klimaregionen mit einer mittleren Sommertemperatur von 15 bis 20 °C und Sommerniederschlägen von mehr als 200 mm abgeschätzt werden. Wichtig sei ein ausreichender Bodennährstoffgehalt an Phosphat, Sulfat und Stickstoff. Sandige und tonige Böden reduzieren das Wachstum. Der optimale pH-Wert des Oberbodens bewegt sich zwischen 4,5 und 7,2.

Wo die Douglasie die besten Bedingungen hat

Unter den aktuellen Klimabedingungen ergibt sich das größte Wachstumspotenzial der Douglasie für Regionen mittlerer Höhenlagen und hier vor allem im nördlichen Alpenvorland Oberösterreichs. Eine gute Wuchsleistung wird für Regionen mit tieferen Lagen in Ober- und Niederösterreich sowie Höhenlagen von 300 bis 500 m bis mittleren Höhen in Kärnten, der Südoststeiermarek und dem Südburgenland prognostiziert. Für den sommerwarmen Osten Österreichs ist die geringste Wuchsleistung zu erwarten. Von einer Verringerung des Wachstumspotenzials ist in Regionen auszugehen, die bereits unter Sommertrockenheit leiden, so Eckhart. In höheren Lagen des Alpenraums wird mit dem fortschreitenden Klimawandel die Anbaueigung zunehmen. Die Douglasie scheint also eine wichtige Option für die österreichische Forstwirtschaft im Zeichen der Erderwärmung zu sein.
Ing. Hans Pichler, ehemals Revierleiter des Stifts Göttweig, zitierte in seinem Vortag aus einem Referat von Dr. Silvio Schüler vom Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft in Wien: „Der Wald stirbt nicht an der Klimaerwärmung und am Kohlendioxidgehalt der Luft, sondern an der Erwärmung des Waldbodens.“ Durch die lockeren Bestände streiche der Wind, was wiederum die Austrocknung des Waldbodens und die Vermehrung von Gräsern und Schadpilzen befördert. Außerdem gelange das Wasser nicht mehr zu den Wurzeln.
Gegen die Erwärmung des Waldbodens empfahl Pichler
  • die Baumkronen möglichst geschlossen zu halten (Verdunstung),
  • Hecken am Bestandsrand zu belassen (Durchlüftung),
  • engere Pflanzverbände zu wählen (raschere Abdeckung des Bodens) und
  • Strauchwerk im Unterholz zu belassen (Beschattung und Luftbewegung).

Tipps für ertragreiche Douglasienbestände

Für das Erzielen zuwachsreicher, wertvoller Douglasienbestände hatte der Oberförster einige Tipps für die Waldbesitzer. Der Wurzelballen sollte in ausreichend lockerem Erdreich gepflanzt werden, damit sich dort Wasser sammeln kann. Eine Aufforstung von Laubholz am Bestandsrand verhindere bei der Douglasie zu starke und lange Äste. „Die Douglasie kommt in ihrer Heimat immer in Mischung mit anderen Baumarten vor“, betonte Pichler und verwies auf sein Buch „Meine Erfahrungen mit der Douglasie und anderen nordamerikanischen Baumarten“.
Stephan Philipp, Fachbereichsleiter Waldökologie und Forstplanung am Amt der Vorarlberger Landesregierung, stellte ein zunehmendes Interesse an der Douglasie fest. Allerdings sei diese Baumart den Waldbesitzern noch nicht hinreichend bekannt. Die Douglasie habe zahlreiche Eigenschaften, die sie zu einem vorzüglichen Waldbaum machen. Sie ist schnellwüchsig und ertragreich, liefert hochwertiges Holz und ist durch ihr Herzwurzelsystem gut gegen Stürme gewappnet. Auch gegen den Borkenkäfer ist sie besser gerüstet als die Fichte. Der Douglasienanbau könne aber auch Probleme mit sich bringen. So sind die Bäume bei einer zu hohen Wilddichte ohne Schutzmaßnahmen nur schwer hochzubringen, Schneeschub und Spätfröste setzen ihnen zu und in Reinbestände macht der Schadpilz „Schütte“ Schwierigkeiten.
Philipp zufolge soll die Douglasie keine heimischen Baumarten verdrängen, sondern diese ergänzen und zu mehr Vielfalt im Wald beitragen - ein wichtiger Beitrag zur waldbaulichen Risikostreuung im Zeichen des Klimawandels. Die Vorarlberger Landesregierung sehe in der Douglasie eine bewährte Gastbaumart, deren Vorteile die Nachteile deutlich überwiegen. Dennoch sei sie nicht der „Superbaum“, sondern nur ein Baustein in einer vorausschauenden multifunktionalen Waldwirtschaft.