Betriebsführung

Digitalisierung: Arbeitserleichterung steht im Vordergrund

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 30.07.2021 - 08:18

Österreichs Bauern sehen bei Digitalisierung vor allem Vorteile bei Dokumentation, allerdings muss sich die Technik lohnen.

Digitalisierung-Gülleselbstfahrer

Heimische Landwirtinnen und Landwirte stehen digitalen Technologien in der Betriebsführung und Produktion überwiegend positiv gegenüber. Während sich die Anwender in erster Linie eine vereinfachte Dokumentation und Arbeitserleichterungen erwarten, hinterfragen viele von ihnen den Kosten-Nutzen-Faktor. So lauten die Ergebnisse einer aktuellne Studie des oberösterreichischen Marktforschungsunternehmens KeyQUEST zur tatsächlichen Nutzung sogenannter Smart-Farming-Technologien.

"Neue innovative Ansätze sind unabdinglich, wenn alle Herausforderungen und Erwartungen an die landwirtschaftliche Produktion - Stichwort Green Deal - bewältigt werden sollen. Dennoch müsse stets die Kosten-Nutzen-Rechnung aus Sicht der Landwirtinnen und Landwirte stimmen. Investitionen in Technik dürfen und werden nie Selbstzweck sein, sondern müssen einen konkreten betrieblichen Nutzen bringen", erklärte Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer.

Gut informiert über neue Technik

43%der Befragten gaben an, dass sie der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung sehr positiv oder eher positiv gegenüberstehen. 46% begegnen dem Thema neutral und nur 11% betrachten diese Veränderungsprozesse mit Skepsis oder Ablehnung.

Darüber hinaus wurden Bekanntheitsgrad und Verwendung konkreter Anwendungen in der jeweils relevanten Zielgruppe abgefragt. "Bäuerinnen und Bauern fühlen sich gut informiert. Bei den 25 abgefragten Technologien gaben im Schnitt 94% an, diese zu kennen", so Johannes Mayr, Geschäftsführer der KeyQUEST Marktforschung GmbH. Für die Betriebsführung nutzen 70% der befragten Personen digitale Lösungen zur Dokumentation gegenüber Behörden, 70% verwenden Messenger-Dienste zum beruflichen Austausch und 65% Pflanzenschutz-Warndienste beziehungsweise Agrarwetterdienste. Im Produktionsbereich arbeiten aktuell 24% der Acker- und Gemüsebaubetriebe mit automatischen Spurführungssystemen, 26% investierten in Teilbreiten- oder Einzeldüsenabschaltung und 23% der Tierhaltungsbetriebe setzen bereits auf automatisierte Fütterungstechniken. Auffallend war, dass junge Betriebsführer eher auf digitale Technologien reflektieren und auf Höfen mit einer Größe von über 50 ha diese Anwendungen verstärkt zum Einsatz kommen.

Datenschutz ist kein Thema

Die befragten Personen erwarten sich von der Digitalisierung in erster Linie Arbeitserleichterung und Zeitgewinn, erst deutlich dahinter reihen sich Motive wie Qualitäts- oder Ertragssteigerung oder die Erhöhung der Rentabilität ein. "Insgesamt haben Österreichs Betriebsführerinnen und Betriebsführer einen recht pragmatischen, gelassenen Zugang zu diesem Thema, frei nach dem Motto: Wenn es funktioniert, die Arbeit erleichtert und leistbar ist, dann nutze ich diese neuen Technologien gerne", erläuterte Mayr. Gefragt nach den Nachteilen moderner Technologien stehen Finanzierung und Kosten klar im Vordergrund, während die Komplexität der Materie kein Hemmschuh ist.

Das Thema Datenschutz steht für einen Großteil der Befragten nicht im Mittelpunkt. Moosbrugger sieht die Politik gefordert, hier adäquate Rahmenbedingungen zu schaffen. "Dazu gehören neben dem dringend benötigten Breitbandausbau im ländlichen Raum auch klare und verbindliche rechtliche Vorgaben beim Thema Datenhoheit. Denn eines ist klar: Die auf den Betrieben generierten Daten müssen in der Hand des Eigentümers des bäuerlichen Hofes bleiben", forderte der LK Österreich-Präsident. Für kleinere Betriebe sei ein überbetrieblicher Einsatz überlegenswert, um so den Kostenaufwand in einer vernünftigen Relation zu halten.

Hohe Bereitschaft für digitale Weiterbildung

68% der Befragten können sich vorstellen, in Zukunft an speziellen Kursen oder Weiterbildungen zu digitalen Technologien in der Landwirtschaft teilzunehmen. Landwirtschaftskammern und Ländliche Fortbildungsinstitute seien bemüht, ihr digitales Angebot kontinuierlich weiterzuentwickeln. "Dabei geht es einerseits darum, Bildung und Beratung auf digitalem Weg möglich zu machen, andererseits aber natürlich auch um die digitalen Technologien am Betrieb", so Martin Hirt, Projektleiter für Digitalisierung am Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) Österreich.

Die Nachfrage gibt die Richtung vor. Waren vor einigen Jahren laut Hirt EDV-Basiskurse im Sinne einer Grundausbildung besonders gefragt, behandeln die Veranstaltungen heute vielfach Precision Farming, tierindividuelle Sensoren und Datenvernetzung. Aktuell arbeiten Experten weitere bedarfsorientierte und regional differenzierte Formate in der Weiterbildung und Beratung aus. "Ein Ansatz ist hier das Pilotprojekt Innovation Farm, bei dem Forschungsstandorte, Unternehmen sowie Landwirtschaftskammern und Bildungsträger zusammenarbeiten", betonte Hirt.

Rund 1.000 Betriebsführer mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche über 5 ha beziehungsweise mit Spezialkulturen auch unter 5 ha wurden in Telefoninterviews über ihre Einstellung gegenüber digitalen Technologien in der Landwirtschaft, über die aktuelle und geplante Nutzung, über Vor- und Nachteile sowie über das Interesse an einer Weiterbildung und Beratung zu digitalen Technologien befragt. Die befragten Personen hatten ein Durchschnittsalter von 45 Jahren, die durchschnittliche Betriebsgröße lag bei 35 ha und 30% der teilnehmenden Höfe wirtschaften nach den Richtlinien des biologischen Landbaus.

Mit Material von aiz