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Österreich

Bonus für Angehörigenpflege ab 2023

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 08.07.2022 - 10:29

Nationalrat verabschiedet großes Pflegepaket. Es bringt Verbesserungen für Bäuerinnen.

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Grünes Licht für das Pflegepaket hat der Nationalrat am Donnerstag (7.7.) gegeben. Sie beinhaltet einige Verbesserungen bei der Pflege von Angehörigen. Das Paket umfasst 20 Maßnahmen und ein Finanzierungsvolumen von 1 Mrd. €.

„Diese Leistung wird mit einem Bonus von 1500 € pro Jahr für Angehörige anerkannt“, erläutert Bauernbund-Präsident Georg Strasser das Paket. Voraussetzung ist der Bezug von Pflegegeld zumindest in Stufe vier. Wer nahe Angehörige zuhause pflegt, wird ab 2023 den Bonus erhalten. Die Beschlussfassung zum Angehörigenbonus erfolgt im Herbst.

Gerade Bäuerinnen leisteten zuhause unglaubliche Arbeit in Sachen Pflege, denn meist gilt am Hof das Prinzip „daheim vor stationär“, so Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger. Viele stoßen dabei an ihre körperlichen und psychischen Belastungsgrenzen. Neumann-Hartberger freut sich, dass Bäuerinnen für die fordernde Arbeit spürbar unterstützt werden.

Rechtsanspruch auf Pflegekarenz

Zur Entlastung pflegender Angehöriger wird auch der Rechtsanspruch auf Pflegekarenz verbessert. Können pflegende Angehörige aufgrund von Krankheit, Urlaub oder sonstigen Gründen die Pflege nicht selbst übernehmen, werden sie nach dem Pflegepaket darüber hinaus für die Ersatzpflege früher als bisher finanzielle Unterstützung erhalten.

Auch werden pflegende Angehörige bei den Kosten für Kurse unterstützt, das Angebot für kostenlose Angehörigengespräche ausgeweitet und die 24-Stunden-Betreuung verbessert. Darüber hinaus wird die erhöhte Familienbeihilfe nicht mehr auf das Pflegegeld angerechnet. „Das bringt für 45 000 Menschen 60 € pro Monat mehr“, so Neumann-Hartberger.

Daneben wird der pauschale Erschwerniszuschlag zum Pflegegeld für Erwachsene mit einer schweren geistigen bzw. psychischen Behinderung von monatlich 25 auf 45 Stunden erhöht, um die erschwerten Pflegebedingungen bei dementiellen Beeinträchtigungen der pflegebedürftigen Person besser zu berücksichtigen.

Bessere Arbeitsbedingungen

Die Pflegereform gestaltet auch den Pflegeberuf attraktiver. Etwa werden die Gehälter in der Pflege erhöht und ab dem 43. Lebensjahr gibt es eine zusätzliche Entlastungswoche. Zusätzlich wird die Zuwanderung von ausgebildeten Fachkräfte erleichtert, sodass sie einfacher eine Arbeitserlaubnis erhalten. Auch sieht das Pflegepaket höhere Ausbildungsvergütungen vor, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Wer seine Erstausbildung in einem Pflegeberuf macht, erhält einen Ausbildungszuschuss von zumindest 600 € pro Monat. Personen, die über das AMS an einer geförderten Pflegeausbildung teilnehmen, erhalten ab September 2023 ein Pflegestipendium von zumindest 1.400 Euro pro Monat. Neben der schulischen Ausbildung in der Pflege, auch in landwirtschaftlichen Fachschulen, wird es als Modellversuch eine Pflegelehre geben. So soll die Ausbildung in Zukunft deutlich attraktiver werden. „Wir wollen, dass mehr junge Menschen diesen für die Gesellschaft so wichtigen Weg einschlagen“, nennt Neumann-Hartberger die Gründe für die Anpassungen.