Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Erntehelfer

Berglandwirtschaft hautnah erleben

Bauernhof-hautnah_B
BLW
am Freitag, 03.06.2022 - 06:42

Auf den Bergbauernhöfen ist immer noch viel Handarbeit gefragt. Der Verein „Freiwillig am Bauernhof“ bringt Helfer und Landwirte zusammen.

Innsbruck Gerade auf den Tiroler Bergbauernhöfen ist immer noch viel händische Arbeit gefragt. Auch wenn alle Familienmitglieder mithelfen, wird es oft eng – wenn das Heu eingebracht, die Alm für den Auftrieb hergerichtet werden muss oder sich im Stall Nachwuchs ansagt. Freiwillige Helfer sind hier eine große Stütze, die als Gegenleistung für ihre Arbeit nicht nur viele Glücksmomente, sondern vor allem einen realistischeren Blick auf die Berglandwirtschaft erhalten. Zusammengebracht werden Helfer und Landwirte vom Verein „Freiwillig am Bauernhof“.

Der vom Maschinenring gegründete Verein vermittelt freiwillige Helfer auf rund 130 Einsatzbetriebe in Nord- und Osttirol. Im Mittelpunkt der Vereinstätigkeit steht die Unterstützung der Bergbauernfamilien, die ihre Höfe unter schwierigen Rahmenbedingungen bewirtschaften und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der alpinen Kulturlandschaft und Bergwelt leisten. Die Helferinnen und Helfer arbeiten gegen Kost und Logis auf den Betrieben mit und erleben während der Zeit ihres Einsatzes hautnah mit, wie der Alltag bzw. die Arbeit auf Tiroler (Berg-)bauernhöfen abläuft.

Viele Interessierte kommen aus Deutschland

2021 verzeichnete das Team von Freiwillig am Bauernhof in Tirol weniger als 500 Anmeldungen – deutlich weniger als in den Jahren davor. Der Grund liegt auf der Hand – die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einreisebeschränkungen machten Aufenthalte vor allem für Interessierte aus Deutschland – traditionell die stärkste Teilnehmernation – nahezu undurchführbar. „Heuer spüren wir aber ganz deutlich, dass das Interesse sehr groß ist – die Vermittlungen liegen bereits über jenen des Vergleichszeitraums im Vorjahr“, so Alina Pinggera, die im Maschinenring das Projekt betreut.

Die Hochsaison für die Freiwilligeneinsätze startet meist ab Juni, wenn auch auf den höher gelegenen Höfen die Heuarbeit bzw. die Almsaison beginnt. Inzwischen gibt es aber das ganze Jahr über Einsätze: „Der erste Einsatz fand heuer schon im Jänner statt: Florian und Lena halfen im Tiroler Unterland auf einem Hof im Stall und bei den Vorbereitungen für den Almsommer mit, Inga war im April im Tiroler Oberland im Einsatz. „Der „Löwenanteil“ an Vermittlungen startet natürlich jetzt: An die 300 Freiwillige haben sich aktuell bereits angemeldet, für knapp 100 wurde schon der passende Hof gefunden.

Tageseinsätze als willkommene Ergänzung

Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich zu den Einsätzen, bei denen die Helfer zumeist zwei Wochen auf dem Hof bleiben, die Möglichkeit von Tageseinsätzen. Hier können vor allem Tirolerinnen und Tiroler „daheim“ Zeit zur Verfügung stellen, um Bauern zu helfen. „Gerade wenn beispielsweise eine herannahende Schlechtwetterfront eine schnelle Heuernte notwendig macht, ist hier Hilfe besonders wertvoll“, beschreibt Pinggera weiter.

Beispiel für Vorarlberg und die Steiermark

Nicht nur das Interesse, das nach der Pandemie-bedingten Delle groß wie nie ist, gibt der Initiative recht: Das in Tirol bereits etablierte Projekt gibt es seit kurzem auch in der Steiermark und in Vorarlberg. Auch dort ist der Maschinenring die Einsatzzentrale und profitiert vom Know-how aus Tirol.

Im „äußersten Westen“ in Vorarlberg fanden bereits die ersten Einsätze in diesem Jahr statt, aktuell angemeldet haben sich rund 20 Freiwillige. In der Steiermark, in der bereits über 40 Betriebe mitmachen, gibt es bis jetzt rund 50 Anmeldungen von Freiwilligen – für 20 von ihnen wurde der passende Betrieb gefunden.

„Durch das gemeinsame Arbeiten entsteht ein wertvoller Austausch, von dem Betriebe und Freiwillige gleichermaßen profitieren“, so Sabine Fritz, die in der Steiermark für Freiwillig am Bauernhof verantwortlich zeichnet. Das bestätigen auch die Rückmeldungen wie beispielsweise von Katharina, die im vergangenen Sommer auf einem südoststeirischen Bauernhof mit Ziegen und Holunderkulturen tätig war. „Ich durfte von Anfang an mitanpacken und konnte so viel dazulernen – melken, Käse herstellen, direktvermarkten – es war eine unvergessliche Zeit“.

Maschinenring-Bundesobmann Christian Angerer erklärt: „Ich freue mich, dass die im Tiroler Oberland geborene Idee „Freiwillig am Bauernhof“ inzwischen in mehreren Bundesländern Fuß gefasst hat. Genauso wichtig wie die Hilfe, die die Bäuerinnen und Bauern von den Freiwilligen erhalten, ist die Bewusstseinsbildung, die hier stattfindet. Wer einmal selber erlebt hat, wie die Arbeit auf einem Hof wirklich abläuft, bringt der Landwirtschaft eine viel größere Wertschätzung entgegen.“

Wie die Vermittlung funktioniert

Freiwillige: Jeder zwischen 18 und 75, der motiviert und fit ist und die nötige Flexibilität mitbringt, um auf einem Bauernhof mithelfen zu können, kann sich beim Verein „Freiwillig am Bauernhof“ melden. Weitere Voraussetzung ist eine EWR-Staatsbürgerschaft (d. h. EU-Mitgliedsstaaten, Lichtenstein, Norwegen und Island). Der vom Maschinenring gegründete Verein übernimmt die Vermittlung der Interessierten auf einen passenden Hof und sorgt auch dafür, dass die Helfer unfallversichert sind. Die Helferinnen und Helfer arbeiten gegen Kost und Logis auf den Betrieben mit und erhalten während der flexiblen Einsatzdauer einen direkten Einblick in den Alltag auf dem Bauernhof. Wichtig zu wissen – es wird wirklich Hilfe gebraucht, ein Freiwilligeneinsatz ist kein Bauernhofurlaub.

Höfe: Interessierte Höfe treten dem Verein bei, mit der Vereinsmitgliedschaft werden Versicherung, Vermittlungstätigkeit etc. gesichert. Die individuelle Vermittlung erfolgt dann über die jeweilige Projektleitung.

Teil des MR-Clusters agrarische Kooperation

Dieses Projekt ist Teil des Maschinenring Cluster zur Förderung der agrarischen Kooperation. Sein Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Landwirtschaft über gemeinsame Wirtschafts- und Innovationstätigkeiten am Land zu stärken. Er will die Zusammenarbeit mittels Maßnahmen zur Vernetzung, zur Nutzung von gemeinsamen Anlagen und Ressourcen und zum Wissens- und Informationstransfer ausbauen. Durch Effizienzsteigerung, Optimierung und Professionalisierung der Zusammenarbeit der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe sowie der Maschinenringe sollen ökonomische Wettbewerbsvorteile, Kosteneinsparungen und Kostenvorteile generiert werden. Alle Cluster-Projekte leisten einen positiven Beitrag zur Ernährungssicherheit, zum Boden-, Erosions- und Wasserschutz, den Umwelt- und Klimaschutz und die Erhaltung der Vielfalt und Ökologie der Landschaft. Diese sind die Basis einer gesunden, zukunftsorientierten, wettbewerbsfähigen Landwirtschaft und landwirtschaftlichen Produktion. Der Maschinenring Cluster steht allen österreichischen Landwirten und Landwirtinnen offen. Unterstützt wird er mit Mitteln von Bund, Ländern und Europäischer Union.

Teil des MR-Clusters agrarische Kooperation

Das Projekt „Freiwillig am Bauernhof“ ist Teil des Maschinenring Cluster zur Förderung der agrarischen Kooperation. Sein Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Landwirtschaft über gemeinsame Wirtschafts- und Innovationstätigkeiten am Land zu stärken. Er will die Zusammenarbeit mittels Maßnahmen zur Vernetzung, zur Nutzung von gemeinsamen Anlagen und Ressourcen und zum Wissens- und Informationstransfer ausbauen. Durch Effizienzsteigerung, Optimierung und Professionalisierung der Zusammenarbeit der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe sowie der Maschinenringe sollen ökonomische Wettbewerbsvorteile, Kosteneinsparungen und Kostenvorteile generiert werden. Alle Cluster-Projekte leisten einen positiven Beitrag zur Ernährungssicherheit, zum Boden-, Erosions- und Wasserschutz, den Umwelt- und Klimaschutz und die Erhaltung der Vielfalt und Ökologie der Landschaft. Diese sind die Basis einer gesunden, zukunftsorientierten, wettbewerbsfähigen Landwirtschaft und landwirtschaftlichen Produktion. Der Maschinenring Cluster steht allen österreichischen Landwirten und Landwirtinnen offen. Unterstützt wird er mit Mitteln von Bund, Ländern und Europäischer Union.