Betriebseinkommen

Bauerneinkommen verharren auf Vorjahresniveau

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 25.02.2021 - 05:00

Österreichs Bauern haben 2020 voraussichtlich mehr Geld verdient. Doch die Unterschiede in den Betriebszweigen sind groß.

Bauernhof-Österreich

Nach Einbußen in den Jahren 2018 und 2019 zeichnet sich bei den Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit für 2020 eine positive Entwicklung ab. Laut der zweiten Vorschätzung in der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) von Statistik Austria erhöhte sich das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft im Vorjahresvergleich real um 5,4%, nach einem Rückgang um 5,8% im Jahr zuvor.  Ausschlaggebend für das Einkommensplus gegenüber 2019 war vor allem der Anstieg des Produktionswerts des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs.

"Im Jahr 2020 sind die Agrareinkommen in Österreich Schätzungen zufolge real um 5,4% gestiegen. Zur Zunahme des Produktionswerts trug vor allem die pflanzliche Erzeugung bei, während es in der Rinder- und Schweineproduktion aufgrund der Corona-Krise Absatzprobleme und Preisrückgänge gab", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Schwerer Rückgang für Rinderhalter

Zur Zunahme des Gesamtproduktionswerts der heimischen Landwirtschaft im vergangenen Jahr trug die pflanzliche Erzeugung maßgeblich bei. Wertmäßige Zuwächse etwa bei Getreide, Obst und Futterpflanzen ließen den pflanzlichen Produktionswert voraussichtlich um 7,6% auf rund 3,4 Mrd. Euro steigen.

Der Wert der tierischen Erzeugung betrug rund 3,6 Mrd. Euro (-0,6%). Absatzprobleme und Preisrückgänge infolge der Corona-Pandemie führten zu einem deutlichen Rückgang des Produktionswerts von Rindern von -7,2 Prozent sowie Einbußen in der Schweineproduktion von minus 1,9 %.

Positiver fiel die Entwicklung in der Milchproduktion aus. Der Produktionswert stieg vor allem wegen besserer Milchpreise um knapp drei Prozent an. Noch besser schnitt die Eiererzeugung ab. Hier war ein Anstieg um vier Prozent zu verzeichnen. Er ist auf höhere Preise (+1,6%) und gestiegene Erzeugung (+2,4%) zurückzuführen.

Öffentliche Gelder nahmen nur leicht zu

Gemäß den vorläufigen Berechnungen generierte die österreichische Landwirtschaft 2020 einen Produktionswert von rund 7,7 Mrd. Euro, was einem Plus von gut 3% entsprach. Die in der Einkommensberechnung berücksichtigten öffentlichen Gelder wurden auf rund 1,5 Mrd. Euro. Das waren nur 0,3% mehr als im Vorjahr. Die Aufwendungen für Vorleistungen, Abschreibungen und sonstige Produktionsabgaben haben die Statistiker auf rund 6,6 Mrd. Euro (+1,9%) geschätzt.

Für das landwirtschaftliche Faktoreinkommen ergibt sich damit ein Anstieg um 4,9% auf rund 2,6 Mrd. Euro. Das Faktoreinkommen misst die Entlohnung der in der Landwirtschaft eingesetzten Produktionsfaktoren Boden, Arbeit (Familien- und Fremdarbeitskräfte) und Kapital.

Je Arbeitskraft fiel der Einkommenszuwachs wegen des fortschreitenden Strukturwandels höher aus als für den landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich insgesamt. Bei einem Rückgang des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes von 1,8% betrug der Anstieg je Arbeitskraft nominell 6,8% oder real 5,4%.

Köstinger: Einkommen stagnieren

Bundesagrarministerin Köstinger relativiert den möglichen Einkommensanstieg: „Das Jahr 2020 war für die Landwirtschaft sehr schwierig. Durch die coronabedingte Vollbremsung der Gastronomie- und Tourismuswirtschaft sind auch wichtige Absatzmärkte für die Bäuerinnen und Bauern weggefallen. Die voraussichtliche Steigerung des Einkommens ist daher erfreulich aber gleicht lediglich den Verlust des Vorjahres aus.“

Ihrer Meinung nach hat das Entlastungspaket 2020 seine Wirkung gezeigt und soll auch in den nächsten Jahren für Entlastung auf den Familienbetrieben sorgen. „In den vergangen Jahren haben wir ein Entlastungspaket von insgesamt 120 Mio. Euro umgesetzt. Die Entlastung trifft den Sozialversicherungs- aber auch den Steuerbereich", so die Ministerin. Laut Statistik Austria sind die Produktionsabgaben der Landwirte 2020 aber um knapp zwei Prozent angestiegen.

Moosbrugger: Niveau von 2010 nicht einmal erreicht

Zwischen 2010 und 2020 gab es für die bäuerlichen Betriebe sechs Mal ein Minus und nur vier Mal ein Plus beim Einkommen. "Wir befinden uns heute noch nicht einmal auf dem Niveau von 2010. Das heißt mit anderen Worten, das bäuerliche Einkommen stagniert de facto seit einem Jahrzehnt", stellt Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich fest.

Er verlangt, dass auf europäischer Ebene umgehend die notwendigen Beschlüsse für die reformierte EU-Agrarpolitik fallen. Die sei neben den rasch gesetzten Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung notwendig. So haben die Landwirte mit der anhaltenden Corona-Krise, den immer stärker spürbar werdenden Folgen des Klimawandels oder den Marktverwerfungen infolge der Afrikanischen Schweinepest zu kämpfen.

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