Protest

Bauern blockieren österreichweit Spar-Zentralen

Protest
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Mittwoch, 26.02.2020 - 14:40

Mit der Aktion wollen Bauern ein Signal gegen die Preispolitik setzen. Sie wollen einen Stopp der „chronischen Aktionitis“ bei hochwertigen Lebensmitteln.

Wien - Seit Monaten gehen Bauern europaweit auf die Straßen. Sie wollen mehr Solidarität und zudem auf die unfaire Einkommenssituation aufmerksam machen. Jetzt ist es auch in Österreich so weit. Der Österreichische Bauernbund hat gemeinsam mit den Bauernbund Länderorganisationen Protestaktionen auf die Beine gestellt.

Heute blockieren über 3.300 Bäuerinnen und Bauern mit rund 1.520 Traktoren in mehreren Bundesländern die Zentrallager von Spar Österreich, weil ein Entgegenkommen bei den Preisverhandlungen ausgeblieben ist und sich der Handelsriese „wie ein Feudalherr“ den Bauern gegenüber benimmt. "Die Handelsriesen, also die großen Lebensmittelhandelsketten, stellen sich mit ihrem Verhalten gegen heimische Bauernfamilien und somit gegen die nachhaltigste Form der Landwirtschaft", beklagt der Bauernbund. Er übergab eine Forderungsliste: Stopp die „chronische Aktionitis“, Österreichbonus auf heimische Lebensmittel und ein Ende der Konsumententäuschung mit den rot-weiß-roten Fähnchen.

Nachhaltige Landwirtschaft gefährdet

Bauernbund-Präsident Abg. z. NR DI Georg Strasser fordert Spar Österreich zum Umdenken auf: „Wir fordern einen sofortigen Stopp der chronischen Aktionitis bei hochwertigsten Lebensmitteln und ein Umdenken bei der Einkaufs- und Preispolitik der Handelsriesen. Wir stehen heute vor den Spar-Zentralen, weil sich Spar Österreich trotz unserer Bemühungen im Vorfeld dem Vernehmen nach bei den Verhandlungen im Milchsektor gegen die Bauernfamilien entschieden hat und sich gleichzeitig mehr Dankbarkeit erwartet“, wie in Tageszeitungen am Wochenende ausgerichtet wurde sagt Strasser. Er ist verärgert: „Das ist unehrlich und unfair, vor allen dann, wenn man im selben Atemzug ein Konzerngewinn von 352 Mio. Euro allein in einem Jahr präsentiert. Die Proteste sind somit ein Signal gegen die unsägliche Preispolitik. Dieses Verhalten zerstört nachhaltige Landwirtschaft und stiehlt unseren Hofübernehmerinnen und Hofübernehmern die Perspektiven.“ 

Video von der Demonstration des Tiroler Bauernbundes

SPAR mache die Rechnung ohne die Bauern

Ein Grund für die Protestaktionen ist zudem der steigende Druck auf den Agrarmärkten in einer Zeit, in der gleichzeitig auch die Standards in der Produktion permanent nach oben geschraubt werden. „Die positive Entwicklung in Teilen der Landwirtschaft kann 10 Jahre nominell stagnierende Einkommen nicht kompensieren“, sagt Strasser.

Auch bei der Bewältigung des Klimawandels kommt den Bauernfamilien eine bedeutende Rolle zu. „Die heimische Landwirtschaft ist Teil der Lösung und nicht das Problem. Das muss auch der Handel erkennen und honorieren. Stattdessen kommt zusätzlich noch ein enormer Preisdruck von Abnehmerseite dazu. Daher müssen wir jetzt zu offensiveren Maßnahmen greifen“, sagt der Bauernbundpräsident zu den in sechs Bundesländern organisierten Bauernprotesten vor Spar-Zentrallagern und Geschäften. An Mitarbeiter und Konsumenten wurden vor Ort Informationen verteilt.

Bauernbund fordert

  • Stoppt die „chronische Aktionitis“ der Handelsriesen: „Mehr Leistung und mehr Fleiß für weniger Geld geht sich nicht aus. Das bekommen wir Bauern und jetzt auch die lebensmittelverarbeitenden Unternehmen zu spüren. Wir fordern deshalb einen Stopp der chronischen Aktionitis bei heimischen Lebensmitteln“, so Strasser.
    Lediglich 9,7 % des Haushaltseinkommens wird durchschnittlich noch für Lebensmittel ausgegeben. Dem Bauernbund gehe es nicht um eine Verteuerung von Lebensmitteln, sondern darum, dass der Handel die Margen weitergebe. „Seit Jahren ist es ein unsäglicher Kampf zwischen Groß und Klein. Rund 150.000 bäuerliche Betriebe stehen wenigen Handelsriesen gegenüber. Die Erzeugerpreise stagnieren oder sinken, während SPAR in einem Jahr 352 Mio. Euro Gewinn verzeichnet. Das finden auch die Konsumenten nicht in Ordnung“, sagt Strasser.
  • Österreichbonus gefordert : Wir leben in einer Konsumgesellschaft, können uns beinahe alles leisten und diskutieren leidenschaftlich gerne über die negativen Auswirkungen einer falschen Ernährung auf die Gesundheit. Die Gesellschaft erhöht parallel dazu die Ansprüche beim Tier-, Umwelt- und Klimaschutz und kostbare Lebensmittel sollen nicht im Müll landen. „Wie passt diese Entwicklung mit der Strategie der Billigstlebensmittel und der „chronischen Aktionitis“ noch zusammen? Gar nicht!“, ist sich Strasser sicher. Es brauche vielmehr eine Kurskorrektur. „Ein Österreichbonus, der die tatsächliche Mehrleistung der heimischen Bäuerinnen und Bauern abgilt, wäre aus unserer Sicht höchst an der Zeit“, fordert Strasser einen Bonus auf Österreichische Lebensmittel.
  • Aus für rot-weiß-rote Fähnchen: „Wir fordern das Aus für das unsägliche Spielchen mit dem rot-weiß-roten Fähnchen auf Lebensmitteln aus dem Ausland. Wir brauchen eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutatendurchführungsverordnung in Österreich. Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist – alles andere ist Konsumententäuschung!“, so die dritte Forderung des Bauernbundes.