Bauernhof als Erlebnisort

Von der Bäuerin Köstliches lernen

Resy Strasser
Patrizia Schallert
am Dienstag, 01.10.2019 - 13:00

Am Korndoblerhof in Obertrum lernen Kinder und Erwachsene den Landgenuss.

Auf einen Blick

Resy Strasser

Resy Strasser ist begeisterte Landfrau und Bäckerin. Sie gibt ihr Wissen rund um Gebackenes, Eingemachtes bis hin zu Naturkosmetik gerne weiter.

Einheimische wie Toursiten nehmen an ihren Kursen quer durch den ganzen Jahresverlauf teil. Sie möchte mit ihren Kurs-teilnehmern Altbewährtes neu erschließen.

Jährlich besuchen zehn bis fünfzehn Klassen aller Schulstufen bis zur Mittelschule und Kindergartengruppen den Betrieb in Obertrum.

Strasser Hof

Obertrum am See/Salzburg - Es duftet nach frischgebackenem Brot, im Kühlschrank liegen frisch zubereitete Aufstriche, auf dem langen Tisch im Seminarraum des „Korndoblerhofs“ warten gefüllte Brotkörbchen und hofeigene Säfte auf die Kursteilnehmerinnen, jeden Platz schmücken zusammengeheftete Blätter mit Rezepten und Resy Strasser steht schon parat. 

Zwölf Frauen haben sich zu ihrem heutigen Brotbackkurs angemeldet. Aber nervös ist die Biobäuerin kein bisschen, schließlich bäckt sie für ihre Familie schon seit jeher Brot. Ihr jahrelanges Wissen um die knusprigen Laibe hat sie schon in zahllosen Kursen auf ihrem Betrieb in Obertrum am See weitergegeben.

„Meine Ära Brotbacken hat vor neun Jahren begonnen“, erinnert sich Resy Strasser. „Damals haben mich einige Freundinnen gefragt, ob es wohl schwierig ist, selbst Brot zu backen. Sie baten mich, es ihnen zu zeigen. Ich überlegte, wie ich es ihnen zeigen soll, nachdem ich doch alles nur Pi mal Daumen mache.“ In mühsamer Kleinarbeit hatte die Biobäuerin dann einige Rezepte zusammengestellt. Dafür musste sie jede Brot-, Weckerl- und Semmelsorte backen, alle Zutaten genau abwiegen und aufschreiben. Endlich war es soweit und die Freundinnen konnten kommen. „Der Abend war ein voller Erfolg. Es hat sich bald herumgesprochen, dass man bei der Resy ganz einfach Brotbacken lernt.“

Auf dem Korndoblerhof können Interessierte aber nicht nur dieses Handwerk lernen. Als Seminarbäuerin, diplomierte Aromafachberaterin, Wald- und Kräuterpädagogin hat Strasser viele verschiedene Seminare in petto. „Wald, Wiese und die Natur rund ums Haus bieten viele Kostbarkeiten“, sagt die Bäuerin. Sie möchte mit ihren Kursteilnehmern Altbewährtes neu erschließen und ihnen ihr Wissen weitergeben. „Gemeinsam die Schätze der Natur entdecken und achtsam damit umgehen, das ist mir wichtig.“

Gut gelaufen seien ihre Workshops von Anfang an durch die Infos auf der Webseite des Korndoblerhofs und über Mundpropaganda. Vor vier Jahren hat die Biobäuerin im Jahres-
programm eines Folders der „Salzburger Seenland Tourismus GmbH“ ihre Kurstermine eintragen lassen. Wer durch den Terminkalender der Broschüre blättert, stößt nahezu auf jeder Seite mehrmals auf den Namen „Resy Strasser“. 

Vielfältiges Kursprogramm

Tagungsraum

Kein Wunder, denn ihre Angebotspalette ist extrem vielfältig: Kinder-Osterkurs, Kleine Häppchen nett garniert, Strudelvariationen, Feines im Glas, Eingelegtes süß und sauer, Liköre und Sirupe selber machen, Waldapotheke – Heilsames aus dem Wald, Naturkosmetik selbst gemacht, Bauernhofwoche am Korndoblerhof, Naturerlebnis für Kinder oder Kräuterwanderungen sind nur ein Auszug aus dem facettenreichen Angebot der Biobäuerin.

Viele Kurse waren schon kurz nach Erscheinen der Broschüre ausgebucht. „Es ist schon verrückt, welche Ausmaße das angenommen hat“, freut sich Strasser. „Das hätte ich nie für möglich gehalten.“ Inzwischen muss sich die Biobäuerin ihre Zeit konsequent einteilen, weil sie auch viele Anfragen außerhalb des Jahresprogramms im Salzburger-Seenland-Folder erreichen.

Außerdem ist der Korndoblerhof ein Schule am Bauernhof-Betrieb – und auch das mehr oder weniger ein Zufallsprodukt. „Als meine älteste Tochter in den Kindergarten ging, wollte die Kindergartenpädagogin unbedingt zu uns auf den Hof kommen. Ich musste überlegen, was ich den Mädchen und Buben zeigen und erklären soll.“ Nachdem der Vormittag aber ein voller Erfolg war, entschloss sich Strasser für die Qualifizierung am LFI für „Schule am Bauernhof“.

Jährlich besuchen zehn bis fünfzehn Klassen aller Schulstufen bis zur Mittelschule und Kindergartengruppen den Betrieb in Obertrum. Dem Alter der Kinder entsprechend geht es um die Themen Milch oder Getreide. „Manchmal koche ich mit den Kindern auch Marmelade, stelle Kräutersalz her oder wir säen gemeinsam Kresse aus. Ich will, dass die Kinder etwas mit nach Hause nehmen, das sie an ihren Besuch auf dem Bauernhof erinnert.“

Weil das Lernen Hunger macht, verköstigt Strasser die Mädchen und Buben stets mit einer Bauernhofjause: selbstgebackenes Brot, Aufstriche und hausgemachte Säfte. „Bei dieser Arbeit geht es mir nicht ums Geld, weil das allein auch nicht glücklich macht“, betont die Biobäuerin. „Was ich von den Kindern zurückbekomme, ist mit nichts auf der Welt zu bezahlen.“

Seminarraum rund ums Jahr belegt

Kinder melken

Als 2007 auf dem Betrieb eine Remise gebaut wurde, ergab sich ein Raum, der sich hervorragend für den Besuch der Schulklassen eignete. Die Familie stattete den künftigen Seminarraum mit einer Küche, einem Beamer und einer Leinwand aus, weil sie an eine Vermietung dachten. „Doch es kam alles anders als gedacht“, lacht die Biobäuerin. „Heute brauche ich den Seminarraum selbst und eine Vermietung steht gar nicht mehr zur Debatte.“

Trotz Haushalt, Workshops und Landwirtschaft bleibt der 50-jährigen Hauswirtschaftsmeisterin immer noch ausreichend Zeit für ihre beiden Enkel. Ihr Ehemann Robert ist zu 75 % als Kontrollassistent beim Landeskontrollverband Salzburg angestellt und führt auf bäuerlichen Betrieben Milchleistungskontrollen durch. „Gemeinsam lässt sich alles meistern“, sagt Resy Strasser. Außerdem wird das Betriebsführerpaar von seinen Töchtern Julia (26) und Sarah (22) sowie dem angedachten Hofnachfolger Martin (18) tatkräftig unterstützt.

Das ist auch gut so, denn im Stall stehen 20 Fleckviehkühe und es gilt 16 ha Grünland und 1 ha Wald zu bewirtschaften. Vor dreizehn Jahren wurde auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. Die Wiesen liefern Heu und Gras für die Kühe. Die durchschnittliche Stallleistung beläuft sich auf 8500 kg, die Bio-Heumilch wird von der Molkerei „Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG“ abgeholt. Die Belegung der Kühe erfolgt durch Eigenbestandsbesamung. Dabei legt Robert Strasser Wert auf eher hornlose Genetik. In der Zucht steht bei dem 49-jährigen Landwirtschaftsmeister die Langlebigkeit als oberster Auswahlkriterium. 

Mit Blick auf die Tiergesundheit führt er die Klauenpflege seiner Rinder regelmäßig selbst durch. Seine Frau wiederum setzt sowohl bei der Familie wie auch im Kuhstall ihre Kenntnisse in der Homöopathie ein. Dabei hat sie besonders bei Euterentzündungen oder in der Trockenstehphase schon gute Erfahrungen gemacht. Dass bei kranken Kühen oder Kälbern der Tierarzt gerufen wird, steht außer Frage. Trotzdem wendet die Biobäuerin auch hier unterstützend homöopathische Mittel an.

Noch funktioniert der Anbindestall

Arbeitsplatz

Als das Betriebsführerpaar vor 22 Jahren Resys elterlichen Betrieb übernahm, stand bereits Milchvieh im Anbindestall. Das ist zwar noch heute so, aber die Tiere kommen mehrmals die Woche auf die Weide, selbst im Winter, versichert Robert Strasser. Falls die Politik die Anbindehaltung trotz Weidegang verbieten sollte, hat sich das Betriebsführerpaar schon Gedanken gemacht.

„Wenn unser Sohn Martin den Betrieb übernimmt, werden wir wohl in einen Laufstall investieren müssen. Aber wer weiß, vielleicht geht er ganz andere Wege mit dem Korndoblerhof. Die heutige Jugend ist ja sehr innovativ.“