Bildung

Eine Ausbildung für Technikbegeisterte

Drohne und Traktor
Interview: Georg Mayringer
am Donnerstag, 18.02.2021 - 15:07

Mit Drohnen fliegen, Roboter steuern oder ein neues Lenksystem für den Traktor ausprobieren, das sind häufige Buben- oder Mädchenträume. Im Schwerpunkt Agrar- und Umwelttechnik der HTL für Maschinenbau gehört das zum Schulalltag.

Landwirtschaft und Technik gehören eng zusammen. Seit fünf Jahren können junge Menschen den Schwerpunkt Agrar-& Umwelttechnik an der HTL für Maschinenbau in Ried wählen. Die Ausbildung ist sehr breit aufgestellt.

Neben der Technik hat der Bezug zur Landwirtschaft einen sehr hohen Stellenwert. „Der Einsatz von Elektronik und Software in der Landwirtschaft kann einen Beitrag leisten, wenn es darum geht, Kosten zu minimieren, Landwirte zu entlasten oder auch negative Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren“, erklärt Dr. Martin Anzengruber, der den Ausbildungszweig leitet.

Drohne im Unterricht an der HTL

Er war von Anfang an dabei und hat auch den Lehrplan geschrieben. „Digitale Technologien in der Landwirtschaft sind keinesfalls Allheilmittel – es müssen stets Betriebs- und Produktionsbedingungen berücksichtigt werden. Eines kann man aber mit Sicherheit sagen: Der junge Landwirt will moderne Landtechnik einsetzen und, wie in anderen Branchen auch, am neuesten Stand der Technik arbeiten“, so DI (Fh) Albin Hartl, Professor für Landtechnik. Die beiden Ausbilder haben die Fragen des Wochenblatts zu dieser Ausbildung beantwortet.

Wochenblatt: Wie kam es zur Idee für den Ausbildungsschwerpunkt Agrar- & Umwelttechnik?

Anzengruber/Hartl: Die Maschinenbau-HTL in Ried wurde 2002 gegründet. Nach den ersten Jahren hat man attraktive Ergänzungen zu den bestehenden Ausbildungsschwerpunkten gesucht. Der Bereich Agrartechnik war eine logische Wahl. Die Region um Ried und generell Oberösterreich ist sehr stark landwirtschaftlich geprägt. Viele Schüler kommen aus der Landwirtschaft und wir hatten schon im Vorfeld sehr viele Diplomarbeiten aus dem Bereich der Agrartechnologie. Die enorme Entwicklung in der Technologisierung der Landwirtschaft hat gezeigt, dass man hier auch eine professionelle Ausbildung braucht. Auch von den Firmen ist die Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften groß. Sehr viele bedeutende österreichische Landmaschinenhersteller kommen aus dem Umkreis von Ried beziehungsweise aus Oberösterreich.

Wochenblatt: Kurzes Resümee, war es richtig, den Schwerpunkt zu starten?

Anzengruber/Hartl: Ja absolut! Zahlreiche Punkte bestätigen dies konkret. Zu allererst das hohe Interesse an der Ausbildung. Wir haben einen kontinuierlichen Zuwachs bei den Schülerzahlen im Schwerpunkt und sind mit unseren Zuwachszahlen an der HTL Ried auch führend in Oberösterreich. Dann die aktuellen Entwicklungen und Trends im Bereich der Agrartechnik. Sie sind wie zugeschneidert für uns! Aktuell auch etwa die Forderung, dass „Precision-Farming“ im Öpul 2023 abgebildet werden soll. Hier braucht es neue Entwicklungen und Umsetzungen. Gut ausgebildete Techniker, aber auch technisch versierte Landwirte und Landwirtinnen werden in Zukunft gebraucht werden. Wir bilden genau diese Leute aus! Die Ausbildung bietet auch eine gute Chance für Nebenerwerbslandwirte. Generell ist die Absolventen-Nachfrage enorm. Wir können eigentlich eine Jobgarantie geben! Durch die Synergien zu den anderen Ausbildungsrichtungen an der HTL Ried wie Leichtbau und Automatisierungstechnik können wir sehr gute Ausbildungsmöglichkeiten anbieten. Ganz besonders wichtig ist auch, dass den Schülern die Ausbildung Spaß macht.

Die HTL Ried setzt auf eine möglichst praxisnahe Ausbildung für Technikbegeisterte. Hier sehen Sie ein Foto, welches auf Facebook gepostet wurde:

Wochenblatt: Was macht die Ausbildung so besonders?

Anzengruber/Hartl: Zum einen die Verbindung von Technik und Landwirtschaft und zum anderen die Praxisnähe. Die gute Kombination aus Theorie und Praxis ist generell typisch für HTL’s. Wir bieten eine sehr moderne und extrem viel- seitige Ausbildung. Wir arbeiten mit Drohnen und Robotern, aber auch mit Schweißgerät, Hammer und Schraubenzieher. Die Werkstätte ist mit modernen Maschinen ausgestattet. Aber wir müssen nicht unbedingt jede Maschine selbst haben.

Durch die gute Zusammenarbeit brauchen wir bei vielen Firmen nur anzurufen, und am nächsten Tag haben wir die Maschine an der Schule. Ein Beispiel – haben wir einen Schwerpunkt zur Düngung, bekommen wir einen Düngerstreuer mit modernster Technik zur Verfügung gestellt. Auch der eigene Schultraktor ist eine Besonderheit. Diesen kann jeder Schüler auch mit nach Hause nehmen und ihn dort sieben Stunden lang ausprobieren beziehungsweise damit arbeiten.
Wenn die Schüler selbst Dinge ausprobieren können, lernen sie am besten. Der Unterricht findet teilweise direkt bei nahegelegenen Landtechnikfirmen wie etwa Pöttinger, Regent, Schwarzmayr oder Wintersteiger statt. Die Schüler lernen direkt an der Maschine am besten. Hier haben wir den Vorteil des Standortes in Ried direkt neben dem Bahnhof. Wir steigen mit den Schülern um 10 Uhr in den Zug und fahren mit ihnen zum Beispiel nach Grieskirchen zur Firma Pöttinger. Dort machen wir eine Schulung an der jeweiligen Maschine. Danach fahren wir zurück und der Unterricht geht weiter. Oder wir fahren nach Attnang, schauen uns das Pflugwerk der Firma Regent an und fahren dann wieder zurück. So können wir mit High-End-Maschinen arbeiten. Mit dem HTL-Maturaabschluss und dem Landwirtschaftlichen Facharbeiter stehen den Schülern praktisch alle Türen offen. Vom Studium bis hin zur Selbstständigkeit ist vieles möglich.

Wochenblatt: Welchen Schülern empfehlen Sie die Ausbildung?

Anzengruber/Hartl: Man sollte eine gewisse Begeisterung für Landtechnik mitbringen. Ein landwirtschaftlicher Hintergrund ist gut, aber nicht notwendig. Rund die Hälfte der Schüler kommt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb, die andere Hälfte ist stark an Landwirtschaft interessiert. Das Ausbildungsspektrum ist sehr breit. Die Maschinenbau-Grundausbildung mit Automatisierungstechnik, Mechatronik und landwirtschaftlichem Wissen bildet die Basis für viele Wege und Berufsmöglichkeiten. Das sieht man auch an den Zielen der Absolventen. 50 Prozent studieren weiter und 50 Prozent arbeiten bei einer Landtechnikfirma. Die meisten wollen später auch mal den elterlichen Hof übernehmen.

Ein Steyr 8060 wurde von den Schülern im Werkstättenunterricht fachmännisch zerlegt. Die HTL postete hiervon ein Foto im Netzwerk Facebook:

Wochenblatt: Eine Ausbildung in Landwirtschaft und Technik. Kommt da nicht ein Bereich zu kurz?

Anzengruber/Hartl: Nein gar nicht, die Kombination macht es aus. Moderne nachhaltige Landwirtschaft ist nur mit Technik zeitgemäß möglich. Andererseits ist das technische Wissen ohne Pflanzenbau, Tierzucht oder Bodenkunde nur bedingt brauchbar. Daher ist uns auch die Kombination mit der Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter sehr wichtig! Diese Ausbildung machen wir gemeinsam mit der Agrar-Hak beziehungsweise mit den beiden landwirtschaftlichen Fachschulen in Burgkirchen und Otterbach. Das Angebot ist freiwillig, aber allein 2020 haben von 48 Neueinsteigern 32 auch die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter begonnen.

Wochenblatt: Was wollen Sie den Schülern unbedingt vermitteln?

Anzengruber/Hartl: Neben dem Grundlagenwissen ist es uns wichtig, dass die Schüler ihre Begeisterung bewahren. Es ist uns ein Anliegen, mit diesem Zweig die Landwirtschaft in Österreich zu stärken, und wir freuen uns über viele Schüler mit Begeisterung zur Landwirtschaft. Dadurch ergeben sich viele Ideen und Zukunftsperspektiven für die Landwirtschaft. Das wichtigste ist, dass wir unsere Schüler motivieren können.

Sie müssen die Neugierde behalten. Dass uns das ganz gut gelingt, sieht man an den coolen Themen der Diplomarbeiten unserer Schüler. Beginnend von eigenen Ideen bis zu Maschinenneuentwicklungen zusammen mit Firmen. Die Entwicklung von einem Elek- troantriebssystem für Futtermischer, die Schneckenkornausbringung mittels Drohne oder die Entwicklung eines Hopfendraht-Knüpfgerätes sind nur einige Beispiele. Das Spannende bei den Diplomarbeiten ist, dass ein Großteil davon auch umgesetzt wird. Das spricht auch für die Qualität der Schüler.

Ordentliche Diplomarbeiten sind meist aussagekräftiger als Zeugnisnoten und sind auch wirklich gute Visitenkarten. Dadurch können wir eigentlich auch fast eine ‚Jobgarantie‘ geben. Infomöglichkeiten zur Ausbildung gibt es bei Workshops am 9. Jänner 2021 oder beim Tag der offenen Tür am 15. Jänner 2021.

Was die Schüler zur Ausbildung sagen

Drohne

Andreas Mayr, Klasse 5a:

Meine Eltern bewirtschaften einen Nebenerwerbsbetrieb mit Rindermast und Ackerbau. Ich unterstütze sie tatkräftig. Für die HTL Ried habe ich mich entschieden, da diese eine nahezu einzigartige Ausbildung in ganz Österreich bietet. Speziell in Oberösterreich sind viele Firmen der Agrartechnik ansässig, und eine Ausbildung in dieser Branche stellt bestimmt gute Zukunftschancen dar. An der HTL gefällt mir besonders, dass ich ein in der Theorie gelerntes Fachwissen in der Praxis anwenden kann. Es ist sehr spannend, wenn ein Gerät im Unterricht konstruiert, und danach in den Werkstätten umgesetzt wird. Auch das Auslandspraktikum in Norddeutschland auf einem Großbetrieb war eine ganz besondere Sache. Nach meinem Abschluss sehe ich mich klar in der Landtechnik-Branche.

Drohne

Jakob Pöcherstorfer, Klasse 3a:

Ich bin nicht auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen, jedoch von der modernen Landtechnik und vor allem der Milchviehwirtschaft begeistert. Neben der modernen Technikausbildung hat die Schule eine breite Allgemeinbildung und Maturaabschluss. Der oft lustige Unterricht und vor allem der Kontakt zu meinen Schulkollegen gefallen mir gut. Natürlich zählen der Pflugtechniktag oder die Forsttechnikwoche zu den Highlights. Besonders freue ich mich auf die Agritechnica in Hannover. Jedenfalls möchte ich den eingeschlagenen Weg beibehalten und mich anschließend mit der Landtechnik und der Landwirtschaft in einem Studium oder im Beruf weiter auseinandersetzen.

Drohne

Hannah Jöchtl, Klasse 1a:

Ich komme aus einem Ackerbaubetrieb mit Biogas. Der Bereich Agrar- und Umwelttechnik ist ein spannendes Thema und man kann sich im Unterricht die meisten Sachen gleich besser vorstellen, wenn man weiß, wofür das gebraucht wird. Mir gefällt, dass wir von Anfang an im Rahmen des Praxisunterrichts bei Partnerfirmen sind. So lernt man verschiedene Techniken und es ist mit der Gruppe auch immer sehr lustig. Nach der Ausbildung möchte ich vielleicht studieren oder arbeiten. Aber da ist noch ein bisschen Zeit!

Landtechnikfirmen als Kooperationspartner der HTL

Sowohl die Firma Einböck als auch die Firma Pöttinger unterstützen die HTL Agrartechnik. Michael Einböck, Assistent der Geschäftsleitung bei Einböck, erklärt das Engagement so: Als Landmaschinenhersteller sind wir ständig auf der Suche nach Agrartechnikern mit viel Know-How und Praxiswissen." 

Einböck Pöttinger

Markus Baldinger, Geschäftsführer für Forschung und Entwicklung bei der Firma Pöttinger, erklärt hierzu dem Wochenblatt„Der Zweig Agrar- und Umwelttechnik vereint Maschinenbau und Landtechnik. Das Wissen aus beiden Disziplinen ist in unserer Forschung & Entwicklung sehr gefragt. Seit Juli 2017 sind wir Mitglied im Förderverein und unterstützen die Ausbildung in vielen Bereichen."

Die Zusammenarbeit mit der HTL sei eine Win-Win-Situation für beide Seiten. „Viele Schüler verbringen ihre Sommerferien bei uns im Unternehmen. Praktikanten sind in dieser Zeit 100 Prozent Teil des Teams und leisten eine wertvolle Arbeit für unsere Produktentstehung."

Das gesamte Interview mit Michael Einböck und Markus Baldinger lesen Sie hier.