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Pflanzendrinks

Aufreger Milch: Bauernbund wirft ORF „falsche Informationen“ vor.

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 18.08.2022 - 12:28

Laut Konkret-Magazin sind Pflanzendrinks pauschal klimafreundlicher als Kuhmilch. Bauernbund verlangt Richtigstellung.

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Der Bericht „Klimafreundliche Milch“ im ORF konkret-Magazin am Dienstag, (16.8.) sorgt bei Milchbäuerinnen und -bauern für großen Ärger. Denn das Fazit der Redaktion lautete pauschal: Pflanzendrinks seien durch die Bank klimafreundlicher als Kuhmilch. In der Anmoderation des „konkret“-Berichts hieß es zudem, die „Produktion von 1 Liter Kuhmilch sei so klimaschädlich wie das Verbrennen von 1 Liter Benzin“.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium findet diesen Vergleich "deplatziert und unverständlich". Es weist ihn entschieden zurück.

Als Experten interviewte die ORF-Redaktion aber nur Sebastian Theissing-Matei von Greenpeace Österreich und bezog sich auf Daten zu CO2-Ausstoß, Land- und Energieverbrauch der Albert-Schweitzer Stiftung.

Bauernbund-Vorwurf: Einseitige Berichterstatzung

Der Bauernbund reagierte auf den Bericht umgehend, und monierte in einem Schreiben an das „konkret“ Redaktionsteam das inhaltlich falsche Darstellen von Informationen und die einseitige Berichterstattung – zulasten der heimischen Milcherzeuger.

Der Bauernbund-Präsident Georg Strasser fordert in seinem Schreiben eine „differenzierte Klarstellung der ausgestrahlten Folge und bittet um eine ausgewogene, sachliche Berichterstattung“. „Das ORF Magazin „konkret“ sollte zu keiner einseitigen Kommunikationsplattform diverser NGOs werden. Bürgerinnen und Bürger dürfen sich von einem staatlichen Rundfunksender korrekt recherchierte Informationen erwarten, um sich eine fundierte Meinung zu bilden“, heißt es im Brief an die ORF-Redaktion. In Kürze soll ein klärendes Gespräch mit der Redaktion stattfinden.

Milch mit Benzin verglichen

In der Folge „Klimafreundliche Milch“ wird das Herstellen von einem Liter Kuhmilch mit „dem Verbrennen von einem Liter Benzin“ gleichgestellt. Das ist eine aus Bauernbund-Sicht undifferenzierte Aussage, die nicht annähernd auf den tatsächlichen CO2-Ausstoß von einem Liter Kuhmilch aus Österreich zutreffe. Die CO2-Äquivalente pro Liter Milch aus Österreich beträgt rund 1 kg, die von Benzin 2,89 kg.

Strittige Wasserbilanz

Auch die Wasserbilanz wurde aus Sicht des Bauernbunds mit falschen Zahlen belegt. Laut einer Studie der Universität Oxford benötigt ein Liter Mandel-Drink rund 371 Liter Wasser, ein Kilogramm Mandeln bis zu 15.000 Liter. 80 Prozent der weltweiten Mandel-Ernte stammt aus dem unter Dürre leidenden Kalifornien. Dort müsse meist künstlich bewässert werden, so die Interessenvertretung.

Zum Vergleich führt Bauernbund-Präsident Georg Strasser die Ergebnisse einer Modellrechnung der HBLFA Raumberg-Gumpenstein an: Danach beläuft sich der Wassereinsatz von Milch aus Österreich mit 8,35 Litern pro Liter Milch (unter Beachtung der Ökobilanz von Wasser). Im ORF-Bericht wurden dagegen 600 l pro l Milch genannt. „Ein deutlicher Unterschied zu denen von Ihnen erwähnten Zahlen“, so Strasser. Ein Regionalitäts-Check des Vereins Wirtschaften am Land habe darüber hinaus gezeigt, dass nur 15 Prozent der Rohstoffe in pflanzlichen Drinks im Supermarkt aus Österreich stammen. Greenpeace behauptete dagegen, in Österreichs Supermärkten stamme die Sojamilch überwiegend aus heimischer Produktion.

Strasser: nur auf Basis Nährstoffgehalt vergleichen

Laut Strasser kann echte Milch kann zudem nicht mit Soja- oder Mandeldrinks verglichen werden. Deshalb gebe es auch auf EU-Ebene einen Bezeichnungsschutz für „Milch“. Milch ist ein ernährungsphysiologisch hochwertiges Lebensmittel mit Grundnährstoffen wie Eiweiß, Fett und einer Vielzahl an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen in hochverdaulicher Form. Pflanzliche Drinks hingegen bestünden zu 95 Prozent aus Wasser und enthalten meist Zusatzstoffe. „Der ökologische Fußabdruck von Kuhmilch kann nur gerechnet auf den relativen Nährstoffgehalt pro Liter mit pflanzlichen Drinks verglichen werden“, so der Bauernpräsident.

Geringer Kraftfuttereinsatz im EU-Vergleich

Zudem betont er, sei im EU-Vergleich der Einsatz von Kraftfutter in der heimischen Milchkuh-Fütterung gering. Werde Soja verfüttert, sei dieser nachweislich gentechnikfrei. Bei weiteren Recherchen und Beiträgen bittet Strasser, den Bauernbund, Landwirtschaftskammern, Landwirtschaftsministerium oder Branchenverbände fachlich einzubeziehen.