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Milchvieh

Anbindehaltung: Keine Chance mehr im AMA-Gütesiegel

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 28.07.2022 - 13:40

Ab 2024 ist keine Anbindehaltung mehr möglich. Bundesregierung legt 30. Mio. € Hilfsprogramm auf.

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Die Luft für Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung wird in Österreich immer dünner. Zwar sieht das gerade novellierte Tierschutzgesetz für bestehende Ställe Ausnahmen vor, die 2030 auslaufen. Um Betriebe zu einem früheren Umstieg zu „motivieren“, treibt die AMA Marketing nun die Weiterentwicklung des Gütesiegels für Milch und Milchprodukte voran.

So hat das AMA Fachgremium am 27.7. das Auslaufen der dauernden Anbindehaltung im AMA Gütesiegel mit Ende 2023 beschlossen. Ab 1. Jänner 2024 wird es keine dauernde Anbindehaltung auf AMA-Gütesiegel Milchviehbetrieben mehr geben. Damit will die Organisation die Glaubwürdigkeit des AMA Gütesiegels im Bereich Tierwohl weiter stärken. Darüber hinaus werden im neuen Modul für höhere Tierwohlstandards mindestens 120 Auslauftage garantiert.

Gleichzeitig schnürt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig ein Investitionsprogramm, um Bäuerinnen und Bauern auf diesem Weg zu unterstützen. Ziel ist, Betriebe, die bis zu 2 Jahre vor der gesetzlichen Frist aus der dauernden Anbindehaltung umsteigen, also bis Ende 2027, finanziell zu unterstützen. Dafür stehen 30 Mio. € jährlich zur Verfügung. Nähere Details zur Umstiegshilfe hat das Ministerium noch nicht veröffentlicht.

2500 Betriebe betroffen

Die Ausnahme betrifft aktuell noch etwa 10 % der Milchbetriebe in ganz Österreich, das sind etwa 2500 Betriebe. Laut konservativen Schätzungen der AMA-Marketing wird mindestens die Hälfte dieser Betriebe mit Umsetzung des weiterentwickelten Gütesiegels umsteigen.

Totschnig räumt ein, dass die beiden Ausstiegstermine, 2030 bzw. 2024, für die betroffenen Bäuerinnen und Bauern eine große Herausforderung sind. Darum schnüre der Bund ein Investitionsprogramm, um Betriebe, die bis Ende 2027 umsteigen, zu unterstützen. „Das ist vielleicht nicht der leichte Weg, aber der richtige, den wir gemeinsam mit den Bauern gehen,“ so der Landwirtschaftsminister.

Bauernbundpräsident Georg Strasser hält das Investitionsprogramm des Landwirtschaftsministeriums für einen „erster wichtigen Schritt“. Jetzt seien Handel und Konsumenten an der Reihe, den geleisteten Mehraufwand für die höheren Standards in der Rinderhaltung abzugelten.

Übergangszeit nötig

Gleichzeitig sind nach Auffassung der österreichischen Landwirtschaftskammerpräsidenten Josef Moosbrugger die Molkereien aufgefordert, in enger Abstimmung mit der Landwirtschaft praxistaugliche Übergangslösungen für betroffene Bauernhöfe zu erarbeiten. Für Betriebe, die mitziehen und umrüsten, braucht es gesicherte Abnahmegarantien von weiteren 24 Monaten. „Das ist wichtig, damit die Betriebe auch in der Lage sind, die notwendigen Veränderungen und damit verbundenen Investitionen zu tätigen,“ drängt der Kammerpräsident. Die Molkereiwirtschaft spricht dagegen nur von 1 bis 2 Jahren Übergangszeit. Offen ist derzeit noch, ob die Molkereien in dieser Zeit den betroffenen Betrieben Logistikabzüge für eine getrennte Milcherfassung in Rechnung stellen, wie es teilweise schon jetzt üblich ist.

Die Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) sieht es nun als „gemeinsame Aufgabe“ der Molkereien, Kammern und der öffentlichen Dienststellen für die betroffenen Landwirte mit Beratung und Zuschüssen für Investitionen zu unterstützen, um geeignete, maßgeschneiderte Lösungen zu finden. So arbeiten laut VÖM-Präsident Helmut Petschar viele dieser Betriebe in Berg- oder benachteiligten Gebieten und der Erhalt dieser Betriebe ist sehr wichtig.

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