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Tierwohl

Anbindehaltung: AMA streicht sie für alle Rinder

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Josef koch
Josef Koch
am Montag, 07.11.2022 - 07:00

Bis 2024 müssen alle Rinderhalter ihre Ställe umbauen, wenn sie im AMA-Gütesiegelprogramm bleiben wollen.

Wien Erst keine Milchkühe mehr in Anbindehaltung, jetzt auch die Rindermast. Das Fachgremium Frischfleisch der AMA-Marketing hat sich darauf geeinigt, dass ab 1. Jänner 2024 die Anbindehaltung von allen Rindern im AMA-Gütesiegel-Programm ausgeschlossen wird. Damit hat sie die Bestimmungen zur ganzjährigen Anbindehaltung für Rinder vereinheitlicht. Bereits zur Jahresmitte hatte die AMA angekündigt, künftig keine Ausnahmen zur ganzjährigen Anbindehaltung in ihren Programmen bei Milchkühen zu akzeptieren.

Das bedeutet, dass künftig auch Rindfleisch und Rindfleischprodukte mit dem AMA-Gütesiegel nicht mehr von Betrieben mit dauernder Anbindehaltung stammen

Bis zu 15% beanspruchten Ausnahmen

Die dauernde Anbindehaltung von Rindern, auch in Kombination mit Weidegang Auslauf oder anderen Bewegungsmöglichkeiten an weniger als 90 Tagen jährlich, ist in Neubauten seit 2005 gesetzlich verboten. Nur in früher errichteten Stallungen ist sie noch bis 2030 erlaubt. Die Ausnahme setzt voraus, dass wegen der örtlichen oder geografischen Gegebenheiten ein Umbau in einen Laufstall oder der Weidegang nicht möglich ist. Geschätzt wird, dass aktuell noch 10 bis 15% der rund 8.500 Betriebe diese Ausnahme in Anspruch nehmen.

Vorschläge für die entsprechende Richtlinienänderung hat das zuständige AMA-Fachgremium in den vergangenen Monaten erarbeitet. Der Beschluss fiel bereits am 18. Oktober einstimmig. Konkrete Informationen für die Betriebe seien in Vorbereitung und werden in den nächsten Wochen erfolgen, teilt die AM mit.

Nach Auffassung des scheidenden AMA-Geschäftsführers Michael Blass wird die Marketingorganisation damit ihrer „Rolle als Taktgeberin in der Verbesserung von Tierhaltungsstandards“ gerecht. Man werde „diesen wichtigen Schritt gemeinsam mit der Branche bereits bis 2024 umsetzen“, versichert Blass.

Hilfen für Umstieg ab Anfang 2023

Mit der Weiterentwicklung des AMA-Gütesiegels für Milchküche im Sommer hat die AMA Marketing den ersten Schritt gesetzt, um die Betriebe zu einem früheren Umstieg zu motivieren. Jetzt folgt der zweite Schritt: Die Bestimmungen werden für alle Rinder-Betriebe mit AMA-Gütesiegel vereinheitlicht und gelten damit auch für Rindfleisch. Beide Schritte der AMA sind nach Auffassung von Agrarminister Norbert Totschnig für die betroffenen Bäuerinnen und Bauern eine große Herausforderung. Darum habe der Bund ein Investitionsprogramm geschnürt, um Betriebe zu unterstützen, die bis Ende 2027 umsteigen. Dafür stehen laut Totschnig 30 Mio. Euro jährlich zur Verfügung. Der Start des Förderprogramms soll Anfang 2023 sein. Und Tierschutzminister Johannes Rauch (Grüne) freut sich nach eigenen Angaben, dass nun durch die Entscheidung der AMA mehr und mehr Betriebe noch früher aussteigen.

Bauernbund-Präsident Georg Strasser ist überzeugt, dass Mit dieser Weichenstellung die heimische Milch- und Rinderwirtschaft auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig bleibt. Jetzt sind aus Strasser Sicht Handel und Konsumenten an der Reihe, die Kosten für den Umstieg und die höheren Haltungsstandards abzugelten. „Wichtig ist, dass rinderhaltende Betriebe, die mitziehen und umrüsten, eine Abnahmegarantie für weitere 24 Monate erhalten,“ fordert Österreichs Kammerpräsident Josef Moosbrugger.

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