Österreich

Agrarpolitiker für Verschiebung der EU-Bio-Verordnung

Bayern
aiz
am Dienstag, 21.04.2020 - 08:37

Köstingerweist weist darauf hin, dass jetzt nicht die Zeit für neue Bürokratie und zusätzliche Auflagen sei.

Wien/Brüssel - Vor dem Hintergrund der vielfältigen Herausforderungen durch die aktuelle Corona-Pandemie sprechen sich österreichische Agrarpolitiker und Vertreter der Biobauern für eine Verschiebung des Inkrafttretens der neuen Bio-Verordnung um ein Jahr aus.

Nach derzeitigem Stand würde die Verordnung ab 1. Jänner 2021 zur Anwendung gelangen. "Jetzt ist nicht die Zeit für neue Bürokratie und zusätzliche Auflagen. Unsere Bauern müssen sich auf die Lebensmittelproduktion konzentrieren, um die Selbstversorgung des Landes z u sichern. Österreich ist Bio-Weltmeister, unsere Biobauern setzen bereits seit Anfang 2020 den ersten Teil der neuen Auflagen der EU um. Die EU-Kommission soll weitere neue Auflagen auf 2022 verschieben", erklärte heute Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger.

Landwirtschaftskammer sieht Vorteile für Biobetriebe und Verwaltung

"Sowohl die konventionelle als auch die Bio-Landwirtschaft stehen vor enormen Herausforderungen, und die Corona-Krise hat diese noch verschärft. Um die Reform der EU-Agrarpolitik praxistauglich über die Bühne zu bringen, rechnet die EU derzeit mit mindestens einem Übergangsjahr. Gleichzeitig fehlt noch eine ganze Reihe von Durchführungsrechtsakten für die neue EU-Bio-Verordnung.

Den Start dieser umfassenden Reform um ein Jahr zu verschieben, würde daher sowohl für die Bio-Landwirtschaft als auch für die Verwaltung Vorteile bringen, wenn weiter konsequent an einer Finalisierung gearbeitet wird. Die Biobäuerinnen und -bauern brauchen Rechtssicherheit und auch die notwendige Zeit, sich auf die neuen Regeln gründlich vorzubereiten", unterstützt Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger den Vorstoß, das Inkrafttreten der EU-Bio-Verordnung um ein Jahr zu verschieben. Dies gebe den Betrieben, die in den nächsten Monaten noch die negativen Folgen der Corona-Krise zu verkraften haben werden, mehr Sicherheit, so Moosbrugger.

Ähnlich hatte Bauernbund-Präsident Georg Strasser in einer Aussendung argumentiert. "Die neue EU-Bio-Verordnung enthält viele, teils komplexe Vorgaben für unsere Bäuerinnen und Bauern in der biologischen Landwirtschaft, die gut vorbereitet werden müssen. Auch durch die Corona-Krise in Europa ist es nun zu Verzögerungen in der Ausarbeitung der erforderlichen Rechtstexte der EU gekommen. Es ist aus unserer Sicht deshalb unrealistisch, eine gut vorbereitete Umsetzung ab dem Jahr 2021 durchführen zu können", so Strasser.

Dachverband der europäischen Bio-Verbände fordert ebenfalls Verschiebung

Auch der Dachverband der europäischen Bio-Verbände (IFOAM EU) spricht sich in einem Schreiben an die EU-Kommission, die Ratspräsidentschaft sowie den zuständigen Berichterstatter des EU-Parlaments für eine Verschiebung der Verordnung um ein Jahr aus. "Dies würde es den Biobäuerinnen und -bauern sowie dem Bio-Kontrollsystem ermöglichen, sich im laufenden Jahr auf die derzeit im Vordergrund stehende Reaktion auf die Corona-Krise zu konzentrieren, um den EU-Bürgern Lebensmittel in guter Qualität und ausreichender Menge zu bieten", betont Bio Austria-Obfrau Gertraud Grabmann.

"Bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie war die Ausarbeitung des für die Umsetzung notwendigen Sekundärrechts deutlich in zeitlichem Verzug. Selbst ohne die aktuell zu bewältigenden riesigen Herausforderungen zur Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung wäre die rechtzeitige Fertigstellung der Durchführungsbestimmungen in der notwendigen Qualität äußerst fraglich gewesen", argumentiert Grabmann. (Schluss) kam