Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ausstellung

Zukunft in der Vergangenheit

Restlos glücklich mit Holz: (v. l.) Landwirt Martin Huber vor dem Miniatur-Modell seines realisierten Holzstalls mit den Bauberatern Stefan Bauer (AELF Holzkirchen) und Konrad Knoll (AELF Weilheim).
Martina Fischer
am Freitag, 18.11.2022 - 09:30

Ausstellung „Ställe aus Holz“ in Miesbach: Tierwohl, Ökonomie und gute Optik

Miesbach Ein vermeintlicher Schritt zurück kann auch ein möglicher Schritt in die Zukunft sein. Das vermittelt die Ausstellung „Ställe aus Holz“, die das AELF Holzkirchen in der Miesbacher Oberlandhalle präsentiert. Zu sehen sind Modelle und Infotafeln zu einem Dutzend Ställen in Oberbayern und dem Allgäu sowie Projektarbeiten von Architekturstudenten der TU München.

Bei der Eröffnung zeigten Planer die Möglichkeiten und Vorteile des Baustoffes Holz. Funktional, ökonomisch, gut fürs Tierwohl und auch fürs Ortsbild – all diese Anforderungen sollen moderne Ställe im besten Fall erfüllen. Das ist möglich, findet Konrad Knoll, Bauberater am AELF Weilheim-Schongau.

Vorbild: Die alten Feldstadl

Beim Tierwohl sind Luft und Licht die wichtigsten Faktoren. So sind Kühe eher kälte-, als hitzetolerant, ihr Wohlfühlbereich liegt zwischen 5 und 15 Grad. Ebenso essenziell ist laut Knoll die weiche Liegebox, schließlich verbringe die Kuh die Hälfte ihres Lebens darin. Und: „Wir brauchen einen wirksamen Schutz vor der Sonne“, betonte er. Dachbegrünung sei hier eine Möglichkeit oder eine Massivholzdecke. Falls Blechdach, bitte kein dunkles, sondern ein helles, das bringe eine Reduktion von 8 Grad.

Auch gestalterische Aspekte sind zu berücksichtigen. Eine geringe Dachneigung lässt den Stall nicht so massiv wirken. „Die Landschaft ist das Wichtige und der Stall soll nicht aussehen wie eine Fabrik.“ Als positives Beispiel nannte Knoll die alten Feldstadel. Falls gepflegt, seien sie langlebig, luftdurchlässig, umweltbewusst und auch noch preisgünstig. Das gilt auch für die größeren Holzstallbauten. Um bis zu 15 – 35 % billiger seien Holzställe als andere Baulösungen, erklärte Stefan Bauer, Bauberater des AELF Holzkirchen. Zum einen sind deren Fundamente einfacher, zum anderen ergibt sich eine Ersparnis oft durch Verwendung von eigenem Holz und allgemein einer durchdachteren, individuelleren Planung.

Ställe im Dorf als Kraftquelle

Bauer brach auch eine Lanze für den Bau des Stalls im Ort so wie in früheren Zeiten. Hier könne er viele Funktionen erfüllen, etwa mit Direktvermarktung wie eine Art Einkaufszentrum konzipiert werden oder mit Doppelfunktion für die Energieerzeugung. Falls die Landwirtschaft aufgegeben wird, könne das Gebäude bei vorausschauender Konzeption auch in Wohnraum umgewandelt werden. „Ställe im Dorf können eine Art Kraftquelle sein, ein Lebensmittelpunkt“, ist sich Bauer sicher.

Mit seinen Ideen konnte er Martin Huber begeistern, der im Bad Feilnbacher Ortsteil Sonnenham einen Biohof mit 55 Kühen plus Nachzucht betreibt und beim Stallbau von Bauer beraten wurde. Nach reiflicher Planungszeit entschied Huber sich für einen Stall im Ort aus Tannenholz, teils aus eigenem, teils aus dem Wald vom Schwager. Viel Licht haben seine Kühe. Die Belüftung erfolgt über Curtains. Durch die geringe Dachneigung von 15 Grad wurde Geld gespart und die Querlüftung verbessert. Huber freut sich über „extrem niedrige Tierarztkosten“. Das Gebäude wurde auch noch ausgezeichnet – mit dem Bayerischen Holzbaupreis 2014. Und das Allerwichtigste: „Meine Frau ist begeistert. Sie sagt, unser Stall hat ein richtiges Wohlfühlklima.“

Noch bis Ende des Jahres kann die Stall-Ausstellung in der Oberlandhalle besichtigt werden, jeweils Montag bis Donnerstag von 8 bis 16.30 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr.