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Öffentlichkeitsarbeit

Zeigen, was und wie es geht

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Andrea Hammerl
am Freitag, 17.06.2022 - 06:31

Viel beklagt ist die Kluft zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern. Im Donaumoos schritten vier Jungbauern zur Tat: Sie luden die Leute auf ihre Höfe ein und erklärten ihnen ihre Arbeit ganz genau. Eine Fortsetzung soll folgen.

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Wie sieht der normale Bürger die Landwirtschaft? Diese Frage war Peter Ziegler in einem Seminar gestellt worden. Der 27-jährige Agrarbetriebswirt überlegte kurz und antwortete dann: „Ganz einfach – wer keinen eigenen Bezug oder einen Freund aus der Landwirtschaft hat, der hat das Bild, das in den Medien vermittelt wird.“ Ein Bild, das neben Peter Ziegler auch Robert Ziegler, Tobias Schoderer und Max Steinherr aus der Jungbauernschaft im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gerne realitätsnäher gestalten möchten. Sie wollen das Image der Landwirtschaft aufpolieren, redeten nicht länger, sondern schritten zur Tat.

Die vier Jungbauern, alle mit Vollerwerbsbetrieb oder derzeit angestellt auf dem elterlichen Hof als designierte Nachfolger, haben auf eigene Faust einen Informationstag ins Leben gerufen. Am ersten Juniwochenende öffneten sie für jeweils zwei Stunden ihre Hoftore. Ziel war, interessierten Bürgern ihre Betriebe zu zeigen, Fragen zu beantworten und über mehr oder weniger brisante Themen rund um die Landwirtschaft zu diskutieren – von Angesicht zu Angesicht mit den Verbrauchern.

Einmal alles aus der Nähe sehen und verstehen

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Tobias Schoderer (28) ist auf dem elterlichen Hof in Alteneich in Vollzeit angestellter Landwirtschaftsmeister. Er und sein Vater Andreas Schoderer führten abwechselnd Besuchergruppen über den Hof. Zum einen interessierten die Leute die neunzig Milchkühe im Offenstall, die rund um die Uhr Weidezugang haben. Ein älterer Besucher, der früher Melker war, war sogar eigens wegen des Melkroboters gekommen.

Größter Anziehungspunkt aber war die Biogasanlage, die zu 50 % mit Gülle und Mist betrieben wird, daraus täglich 500 kWh erzeugt und über ein Fernwärmenetz 19 umliegende Haushalte mitversorgt. „Ab 2029 dürfen wir trotz Energiewende nur noch mit halber Leistung fahren“, berichtete Tobias Schoderer seinen erstaunten Zuhörern. „Man muss es nicht verstehen“, meinte er, „die Politik will es so“. Das löste Kopfschütteln aus. Hintergrund ist, dass seine Anlage konstant produziert, ab 2029 aber eine flexible Fahrweise gefordert ist. Die Familie müsste also investieren, um Strom vorzugsweise dann liefern zu können, wenn Photovoltaik oder Windkraft nicht erzeugen.

Auch die geplante Wiedervernässung des Donaumooses, Photovoltaik-Freiflächenanlagen, die auch auf dort entstehen sollen und der daher zu erwartende Pachtflächenkampf waren Thema auf dem Schodererhof, der auf 120 ha Ackerland Roggen, Stärkekartoffeln, Hafer, Körnermais, Silphie und Ackerklee anbaut, aber nur rund 25 ha Eigenfläche hat. Mit rund fünfzig Besuchern war die Resonanz auf den Infotag hier am größten.

Photovoltaik-Anlage noch nicht am Netz

Sorgen um höhere Pachtpreise aufgrund der immer weiter steigenden Flächenkonkurrenz muss sich auch Agrarbetriebswirt Peter Ziegler (26) aus Heinrichsheim machen. Von rund 200 auf 130 ha hat die Familie die Flächen in den vergangenen Jahren bereits reduziert. Angebaut werden Zuckerrüben, Weizen, Stärke- und Saatkartoffeln, Raps und Körnermais. Zum Hof gehört – als eigene GmbH und Co. KG – auch ein Golfplatz für Jedermann. Neu ist eine Photovoltaik-Freiflächenanlage, die eigentlich fertig ist, aber nicht ans Netz gehen kann, weil aktuell kein Trafo lieferbar ist.

Peter Ziegler genießt seit seiner Teilnahme an der Castingshow „Bauer sucht Frau“ einen hohen Bekanntheitsgrad. Er hatte einen größeren Besucherandrang erwartet und war angenehm überrascht, dass nur wirklich am Betrieb Interessierte kamen. Jedenfalls zur offiziellen Öffnungszeit am Samstagnachmittag. Am Vormittag waren dagegen tatsächlich Leute aufgetaucht, die private Fragen stellten. Die beschied er freundlich, aber mit Nachdruck, dass es „heute nicht um mich, sondern um die Landwirtschaft geht“.

Warum spritzt der Bauer nachts?

Auf dem Hof der Familie von Robert Ziegler (32) in Untermaxfeld waren Kartoffelpflanztechnik, Düngerstreuer, Pflanzenschutzspritze und Kartoffelaufbereitungsanlage samt Sortiermaschine und Kistenfüller zu besichtigen. Die Familie bewirtschaftet 110 ha, davon 45 ha Speise-, Stärke- und Pommes-Kartoffeln, dazu Dinkel, Sommergerste und Körnermais. Hier hielt sich das Besucherinteresse in Grenzen. Die interessanteste Frage, die Agrarservicemeister Robert Ziegler gestellt wurde, lautete: Warum spritzt der Bauer nachts? Worauf er auf den Insektenschutz, weniger Wind nachts und den geringeren Wasserverbrauch aufgrund des Taus verwies.

Familie Steinherr bewirtschaftet 50 ha Land, das Gros mit Speisekartoffelvermehrung und Braugerste, neu ist ein Versuch mit Speisezwiebeln. Auf dem Hof in Unterhausen faszinierte die – ebenfalls eher wenigen – Besucher vor allem die Luftkühlungstechnik mit computergesteuerten Klappen, wie der angehende Landbautechniker Max Steinherr (22) und sein Vater Peter Steinherr erläuterten. Gleich ausprobiert wurde der Hofladen. „Ich werde öfter reinschauen, wenn ich hier vorbeifahre“, meinte Helga Lunzner, die dort die von Mutter Karin zubereitete Paella für sich entdeckt hatte.

Etwas mehr Besucher hätten sich die vier Jungbauern für ihren ersten Aktionstag schon gewünscht, doch am Ende zogen sie eine positive Bilanz, weil sie gute Gespräche mit wirklich Interessierten geführt hatten. „Der Anfang ist gemacht, wir bleiben am Ball“, bilanzierte Robert Ziegler am Abend. Vielleicht gibt es den nächsten Aktionstag schon im Sommer. Angedacht wird – sofern arbeitstechnisch und personell zu stemmen – die Betriebe in der Erntezeit in voller Aktion zu zeigen. Dann nur zwei Betriebe für jeweils einen halben Tag, mit Mittagessen als Angebot, um Familien entgegenzukommen.

Öffentlichkeitsarbeitauf allen Kanälen

Auch Social Media wollen die Jungbauern künftig nutzen, um die Öffentlichkeit stärker zu erreichen. Hier zeigt sich: Nicht so einfach, wenn der Betrieb alle Zeit und Ressourcen bindet. „Wir haben das vor, aber noch nicht den Geeigneten in der Familie gefunden, der das macht“, sagt Robert Ziegler augenzwinkernd, „meine Eltern haben mit Landwirtschaft und Lohnunternehmen genug zu tun, ich bin da nicht der Experte“. Auch Max Steinherr hat vor, Marketing über Social Media zu betreiben. „Die Ideen brodeln, aber erst muss ich die Technikerschule durchziehen und überlegen, wo ich hin will, denn wenn ich einmal angefangen habe, muss ich auch dranbleiben.“

Erfolgreich im Netz unterwegs ist dagegen schon seine Mutter Karin mit dem Hofladen, dafür läuft die Werbung nahezu ausschließlich über Instagram und Facebook. Dank „Bauer sucht Frau“ hat auch Peter Ziegler bereits 30 000 Follower auf Instagram. Das Interesse an seinem Privatleben nutzt er, um Landwirtschaft darzustellen. „Ich sage dort, was ich den ganzen Tag mache und freue mich, wenn die Leute nachfragen“, sagt er. Und das gilt mit Sicherheit für viele Landwirte.