Biodiversität

Aus zehn Blühflächen wurden wieder nur zwei

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Dietmar Fund
am Montag, 14.09.2020 - 10:03

Zehn Landwirte aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf waren 2020 dazu bereit, eine Blühwiese neu anzulegen, doch die Nachfrage der Verbraucher reichte nur für je eine pro Landkreis.

Peter Falter, Geschäftsführer des Maschinenrings Altötting-Mühldorf, hat das Anlegen von Blühflächen unter den Landwirten der beiden Landkreise rechtzeitig beworben und damit Erfolg gehabt. Zehn Landwirte wollten in diesem Frühjahr Flächen zur Stärkung der Artenvielfalt bereitstellen und damit zu einer positiven Außenwirkung der Landwirtschaft beitragen.

Da viele Blühpaten beim Start 2019 betont hatten, dass sie statt einjähriger Blühwiesen langjähriger angelegte nachhaltiger finden würden, hörte der Maschinenring auf sie und legte sein Vorhaben 2020 gleich auf fünf Jahre an.

Leider hat sich das auf die Nachfrage nicht ausgewirkt. Sie reichte wieder nur für je eine Blühwiese pro Landkreis, obwohl die Patenfläche bezogen auf das Jahr günstiger geworden ist. Das berichtete Falter bei einem Lokaltermin am Betrieb von Ferdinand Kreuzpointner im Töginger Ortsteil Dorfen.

Professionell gepflegte Flächen

Der Landwirt hat im April ein 14.300 Quadratmeter großes Grundstück von trapezförmigem Zuschnitt eingesät, das der Maschinenring bereits 2019 als Blumenwiese vermarktet hatte. In diesem Jahr verwendete er die Saatgutmischung „Blühendes Inntal“, die je zur Hälfte aus Gräsern und Kräutern besteht und vom zertifizierten Saatguterzeuger Georg Hans aus dem Obertaufkirchener Ortsteil Mimmelheim stammt.

Da die Fläche 2019 unter schnell hochkommender Melde gelitten hat, nahm Kreuzpointner Mitte Mai und drei Wochen später zwei Schröpfschritte vor. Deshalb und wegen der heuer feuchteren Witterung ist vieles aufgeblüht und die Paten sind mit dem Ergebnis zufrieden.

„Weil die Blühflächen nur durch das Mähen gepflegt werden, ist es wichtig, das Unkraut in den ersten Monaten zu unterdrücken und es vor allem am Aussamen zu hindern“, erklärt Falter. „Deshalb wurde die Blühwiese im Landkreis Mühldorf bereits gemäht.“

Diese und die Töginger Fläche kommen in diesem Jahr noch einmal und ab dem nächsten Jahr jeweils Ende Juni und im Spätherbst „unters Messer“, aber jeweils ein Zehntel der Fläche bleibt dabei im Rotations-Verfahren stehen. Das soll Insekten und Kleintieren einen Rückzugsraum bieten, bis der Rest wieder nachgewachsen ist. Das Mähgut wird abgefahren, weil Magerwiesen die größte Artenvielfalt aufweisen.

Beiträge kommen aufs Treuhandkonto

Ferdinand Kreuzpointner wollte 2020 weitermachen und kam deshalb wieder zum Zug. Seine 122 Blühpaten, die längst nicht alle schon 2019 dabei waren, mussten dafür je 225 Euro brutto für 100 Quadratmeter und fünf Jahre im Voraus überweisen.

Ebenso das Verfahren mit den 126 Blühpaten im Kreis Mühldorf, die auf der 17.350 qm Blühfläche in der Gemeinde Polling finanzieren. Sie gehört Johann und Ingrid Irgmaier, die 2020 erstmals mitmachen und die Fläche auf 20.000 Quadratmeter aufstockten.

Ihr Kraiburger Kollege aus dem Jahr 2019 wollte nicht mehr weitermachen. Die Beträge werden auf ein Treuhandkonto gebucht, aus dem die Landwirte jährlich entlohnt werden. „Dazu hat man uns geraten, damit wir nicht fünf Rechnungen pro Pate stellen müssen. Außerdem riskieren wir dann nicht, dass jemand im Laufe der Zeit seine Meinung ändert und wir das Geld per Rechtsanwalt eintreiben müssen“, ergänzte der Geschäftsführer des Maschinenring.

Gut zugängliche Flächen wählen

„Den Mühldorfer Standort haben wir aus drei in Frage kommenden Bewerbern ausgewählt, weil er verkehrsgünstig an einem Radweg liegt“, berichtet Peter Falter. „Auch die Töginger Fläche ist gut zugänglich. Das ist für die Öffentlichkeitswirkung von großer Bedeutung, weil viele Blühpaten gerne vorbeikommen und sich ihre Wiese anschauen, die wir mit einem Info-Banner markiert haben.“

Falter informiert die Blühpaten immer wieder per E-Mail und mit Fotos über den Stand der Dinge und erklärt, weshalb sie sich so und nicht anders entwickeln. „Das hat zu interessanten Rückmeldungen geführt, die zum Teil fachlich fundiert, zum Teil auch recht laienhaft sind“, sagt er. „Oft werden auch ganz andere landwirtschaftliche Themen angesprochen.“

Der Maschinenring hofft nun, für die kommenden Jahre weitere Blühpaten gewinnen zu können. Bei steigender Nachfrage sollen die Flächen ausgeweitet werden.