Lebendvermarktung

Zander statt Milchkuh

Zander beide 1
Helga Gebendorfer
am Freitag, 02.04.2021 - 05:38

Familie Obermeier in Rabeneck vermarktet Besatz- und Speisefische. Sie besetzt damit erfolgreich eine Nische.

Mit der Lebendvermarktung von Zanderfischen besetzt Familie Obermeier in Rabeneck im Landkreis Erding erfolgreich eine Nische. Angelvereine in der Region und darüber hinaus bestellen die Besatzfische vom „Zandereck“.

Anton Obermeier übernahm den Betrieb seiner Eltern 2012 – mit Milchviehhaltung und einer Biogasanlage mit 150 kW Bemessungsleistung. Der Stall war sehr alt, weshalb sich die Frage stellte: Neubau oder alternative Einkommenskombination?

Einen neuen Betriebszweig gesucht

Wasserkreislauf

Die junge Familie liebäugelte mit einem neuen Betriebszweig und suchte dabei eine sinnvolle Nutzung der alten Stallgebäude in Kombination mit einer vernünftigen Wärmeverwertung der Biogasanlage. Auf die Fischhaltung stieß Anton Obermeier zum ersten Mal bereits vor zehn Jahren in einem Zeitungsartikel. Das Thema ließ ihn nicht mehr los und so reifte der Gedanke, es mit dieser Tierart zu versuchen.

Nach intensiver Auseinandersetzung informierte er sich 2016 auf einer Fachmesse und ließ sich dabei von einem Fischwirtschaftsmeister beraten. Ein Jahr später wurde eine gebrauchte Warmwasserkreislaufanlage gekauft.

Aktuell ist die Milchviehhaltung mit ehemals bis zu 60 Kühen mit Nachzucht am Auslaufen. Der Landwirtschaftsmeister bewirtschaftet mit seiner Frau Katharina den 90 ha Betrieb mit je zur Hälfte Grünland und Ackerbau mit Nachwachsenden Rohstoffen für die Biogasanlage, deren Leistung sich bis auf 300 kW in Spitzenzeiten verdoppelt hat. Hinzu kommen 28 ha Wald.

Der frühere Kälber- und Färsenstall wurde entkernt und darin eine Fußbodenheizung installiert, die mit der Biogasabwärme geheizt wird. Die Warmwasserkreislaufanlage (Indoor) umfasst insgesamt 20 Becken aus Glasfaser verstärktem Kunststoff (GfK) mit insgesamt 100 m³ Wasser. Darin schwimmen etwa 16 000 Fische in allen Größen.

Angelvereine geben Temperatur vor

Fischbecken

Die Wassertemperatur beträgt 24 °C und das Wasser wird zur Aufbereitung zweimal pro Stunde im Kreislauf umgepumpt. Die Reinigung des Fischwassers geschieht in fünf Becken, Trommelfilter und UV-Anlage in einem abgetrennten Nebenraum. Hier sorgen auf Biologieflocken angesiedelte Mikroorganismen für die Wiederaufbereitung.

Hinzu kommt eine Outdoor-Kreislaufanlage mit 24 m³ Beckenvolumen, wo die Fische „zwischengeparkt“ werden können bzw. das Wasser vor der Auslieferung nach und nach schonend bis auf Teichtemperatur heruntergekühlt wird. Die Angelvereine geben dazu die gewünschte Temperatur an, die je nach Jahreszeit zwischen 10 °C und 20 °C schwankt. „Das ist notwendig, da die Tiere sonst einen Schaden davon tragen können. Geschwächt sind sie anfälliger für Krankheiten und Keime“, erklärt der Landwirtschaftsmeister.

Anton und Katharina Obermeier

Das Kreislaufsystem ist sehr aufwendig und kostenintensiv. „Um rentabel zu sein, kam für uns nur ein hochpreisiger Fisch mit regionaler Produktion in Frage. So kamen wir auf den Zander, der voll im Trend liegt“, erläutert Katharina Obermeier. Ihr Mann kauft aus Zuchtanlagen in Deutschland Trockenfutter adaptierte Setzlinge zu.

Sie werden vier- bis fünfmal jährlich im Alter von vier bis sechs Monaten und einem Gewicht von 10 Gramm mit dem eigenen Pick-up mit Anhänger in zwei 1100 l-Tanks mit Sauerstoffversorgung selbst abgeholt. „Dabei legen wir viel Wert auf Qualität. Die Tiere sollen unversehrt und möglichst stressresistent sein“, stellt er fest. Denn bei den Raubfischen besteht bei Stresssituationen die Gefahr von gegenseitigen Verletzungen bis hin zu Kannibalismus. „Mit seinen Bedürfnissen ist der Zander in der Haltung einer der schwierigsten Fischarten“, informiert der 39-Jährige und fügt hinzu, dass maximal 50 bis 80 kg Fisch in einem Kubikmeter Wasser schwimmen sollen.

Fischbecken

Die Fütterung erfolgt mit Fertigfutter – in Form von Schwimmfutter, um eine bessere Kontrolle zu haben. Alle halbe Stunde legt der Automat die Pellets vor. Die Futtermenge bemisst sich auf das jeweilige Gewicht pro Kubikmeter und die Größe variiert von 2 mm bis 6,5 mm.

Sämtliche Parameter der Anlage werden grundsätzlich überwacht. „Der Sauerstoffgehalt im Wasser ist dabei das wichtigste Kriterium. Er wird aktiv gemessen und von der Anlage geregelt“, berichtet der Fischhalter. Auch die Wasserinhaltsstoffe, z. B. Ammonium und Nitrit, die nahezu im Null-Bereich liegen sollen, werden ständig kontrolliert.

Wenn etwas aus dem Ruder läuft, gibt es einen SMS-Alarm auf das Handy. Medikamente werden nicht eingesetzt. „Für uns ist entscheidend, dass die Fische vital sind, damit sie mit den Standardkeimen zurechtkommen und diese abwehren können“, verdeutlicht er.

Bakterien

Das erste halbe Jahr werden die Fische regelmäßig einmal monatlich nach Gewicht sortiert, später dann nur noch nach Kontrolle und Notwendigkeit. Mit rund 800 Gramm steht die Trennung in Besatz- oder Speisefisch an.

Exemplare mit irgendeinem Makel, z. B. zu kleiner Flosse, wandern in die Kategorie Speisefisch. „Unser Ziel ist eine Zunahme von 10 Gramm bis 1 Kilogramm in einem Jahr“, informiert Anton Obermeier, der darauf hinweist, dass die 1 kg-Zander mit einer Länge von 48 cm bis 51 cm die optimale Größe für den Besatz bei Angelvereinen darstellen. „Diese wollen ihre Gewässer in der Regel mit fangfähigen Exemplaren besetzen“, begründet er.

Er und seine Frau garantieren den Kunden, dass sie nur Top-Ware erhalten. „Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, das Qualitätsniveau sehr hoch zu halten. Das ist unser Pluspunkt“, verraten sie.

Die Besatzsaison dauert vom Frühjahr bis in den Herbst. Das bedeutet, dass auf dem Hof von März bis November die bestellten Fische mit dem Kescher gefangen und zur Kühlung in den Außenbehälter umgelagert werden. Nach dem Wiegen geht es dann zur Auslieferung in den Transportbehälter.

Am Wochenende wird ausgeliefert

Der Verkauf geht nach Gewicht plus Transportkosten. Abnehmer sind Angelvereine und private Teichbesitzer schwerpunktmäßig im Umkreis von 200 km, die von 50 kg bis einer Tonne anfordern. Manche Kunden holen die Fische selbst ab. Doch die meisten Bestellungen werden in der Regel am Wochenende ausgeliefert.

Für die anfallenden Speisefische gibt es vier bis fünf Verkaufstage im Jahr: vor Aschermittwoch, Karfreitag, im Juli sowie im Herbst und vor Weihnachten. Dabei werden jedes Mal maximal 200 Fische abgegeben. „Die Nachfrage ist so hoch, dass wir schon Wochen vorher ausverkauft sind“, gibt Katharina Obermeier Auskunft. Zusammen mit ihrem Mann schlachtet sie die Zander im abgenommenen Schlachtraum und verkauft sie ab Hof.

Die Kundschaft kommt vor allem aus einer Entfernung von 20 bis 25 km. Im Angebot sind Frischfisch – ganz oder Filets – sowie geräucherte Filets. „Das ist unsere Spezialität, denn dieses Produkt ist sonst nirgendwo zu haben“, bemerkt die 36-jährige.

Eine positive Bilanz gezogen

Rückblickend ziehen Anton und Katharina Obermeier eine positive Bilanz. Sie sind froh, dass sie es geschafft haben, diesen Betriebszweig ins Leben zu rufen. „Es war nicht einfach, die Fischhaltung aufzubauen und in Betrieb zu bringen. Die Arbeit macht großen Spaß und auch in der Vermarktung haben wir unseren Weg gefunden – egal ob Speise- oder Besatzfisch“, meinen die beiden.

Ursprünglich war keine Direktvermarktung vorgesehen, die Besatz- und Speisefische sollten über Wiederverkäufer vermarktet werden. Doch nach reiflicher Überlegung ist ihnen bewusst geworden: Fisch liegt im Trend und vor allem in Süddeutschland ist der Zander ein sehr gefragtes Erzeugnis. „Dann hatten wir die Idee, die Angelvereine mit ins Boot zu holen“, schildern sie.

Im Januar vor einem Jahr startete die Bäuerin eine Werbeaktion und verschickte an diese Postkarten mit ihrem Logo. „Mit Riesenerfolg. Das war der Startschuss für unsere Fischproduktion“, erzählt sie. Mittlerweile läuft ausschließlich Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Speisefisch-Verkaufstage werden über WhatsApp angekündigt und weitere Informationen gibt es auch immer auf der Homepage www.zandereck.de.

Störungen werden selber behoben

Der Betriebsleiter macht deutlich, dass in dieser Sparte Flexibilität und handwerkliches Geschick Grundvoraussetzungen für den Erfolg sind. „Ich muss jederzeit in der Lage sein, Störungen sofort zu beheben und die Anlage wieder in Betrieb zu bringen“, sagt er.

Für die Zukunft nehmen sich Anton und Katharina Obermeier vor, noch an einer Reihe von Stellschrauben zu drehen, z. B. den Anteil der Speisefische zu minimieren, die Produktionstechnik zu verfeinern und die Produktion zu steigern. Dazu ist im Moment nicht geplant, die Anlage zu vergrößern, sondern sie Schritt für Schritt zu optimieren und parallel den Markt aufzubauen. „Wir möchten mit unserem Zander einen Markennamen setzen und sind zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen – weil die Nachfrage groß ist und wir hohe Qualität bieten“, bekräftigen sie.