Weidehaltung

Wolfsriss: Keine Chance wirksam zu schützen

Hirsch
Sandra Kalb Portrait 2019
Sandra Kalb
am Freitag, 04.12.2020 - 09:41

Der Wolf dringt in dicht besiedelte Regionen vor. Wildhalter fürchten das St.-Florians-Prinzip beim Herdenschutz.

Es war wie im Krimi“, berichtet Wildhalter Robert Altmann aus Mauern, Kreis Freising. Vor gut einem Monat überschlugen sich am Sonntagmorgen die Ereignisse. Denn vom Fenster aus entdeckte seine Familie etwas Ungewöhnliches im Gehege, den Kadaver von einem Damtier. Dann ging es Schlag auf Schlag, „wirklich schnell“ wie Altmann betont: Er benachrichtigte den örtlichen Jagdvorstand, man war sich unschlüssig, ob dies ein Luchs oder ein Wolf angerichtet hat. Klärung brachte die Unterstützung vom Netzwerk Große Beutegreifer. Ein ehrenamtlicher Ansprechpartner des Landesamtes für Umwelt dokumentierte den Riss und nahm Proben. Diese ergaben etwa zwei Wochen später: Ein Wolf hatte das fünfjährige Tier gerissen.

AltmannWolfszaun
Altmanns rund drei Hektar großes Gatter ist umgeben von einem zwei Meter hohen Zaun, der Beutegreifer jedoch grub sich unten durch. Was der Wildhalter nach dem Vorfall verändern will? „Es gibt keine Chance, keine Möglichkeit“, sagt er. Sowohl Elektrozäune als auch Herdenschutzhunde sind ungeeignet, verursachen zuviel Arbeit und Kosten – das rentiert sich mit den rund 30 Tieren nicht“, da ist sich Altmann mit Max Weichenrieder, dem Vorsitzenden des Verbandes bayerischer Wildhalter einig. Letzterer spannt den Bogen noch weiter, blickt sozusagen über den Zaun und spricht vom St. Florians-Prinzip. „Wenn es gelingt einige Gehege zu schützen, dann steigt der Druck auf die ungeschützten, meist kleineren Betriebe. Diese werden wir dann verlieren.“
Ein Ansatzpunkt, dem Problem Wolf zu begegnen sei das Jagdrecht – zuvor müsse man aber auf die Bevölkerung einwirken und zeigen, „dass der Wolf kein Kuscheltier ist“. Bei Altmanns Kindern im Kindergartenalter ist seit dem Kadaverfund am 25.10. der „böse Wolf“ aus dem Märchen Realität geworden. Sie haben Angst. Dieses Jahr sei allgemein komisch, sagt Altmann. Bereits im September waren einige seiner Tiere ausgebüxt, nicht alle seien zurückgekehrt, der Grund dafür sei völlig unklar. Für das gerissene Tier wurde jetzt Schadensersatz beantragt.