Almen

Der Wolf ist kein Landkreisproblem

Thumbnail
Kein Bild vorhanden
Sandra Schwägerl
am Montag, 13.08.2018 - 14:11

Hauptalmbegehung des AVO am Schliersee: Redner thematisieren den Großen Beutegreifer, den Klimawandel und den Tourismus.

Thumbnail

Der Almwirtschaftliche Verein lädt ein und alle kommen“, so das Fazit von Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak nach einem Blick in die Runde auf der Oberen Krainsbergalm. Dort versammelten sich zur diesjährigen Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) rund 900 gut ausstaffierte Wanderer – darunter (Alm-)Bauern, Vertreter und Freunde der Landwirtschaft und des ländlichen Raums. Erstmals mit Hans Stöckl als neuen AVO-Geschäftsführer besuchten sie vier Almen (siehe Kasten) am Schliersee. Darunter die Baumgartenalm von Josef Eham, die nicht erschlossen ist, und so laut AVO-Vorsitzendem Georg Mair „was ganz Besonderes“ sei.

Thumbnail
Doch aus dem Herzen sprach Mair den Almbauern wohl vor allem dann, wenn es etwa um die Sorge um den Verlust von Almflächen durch Wiederbewaldung oder um den Klimawandel ging. Dieser sei auch auf der Alm angekommen: „Heuer ist der Winter nahtlos in den Sommer übergegangen“, blickte Mair zurück. Er wies auf die Notwendigkeit eines „rechtzeitigen“ Auftriebs und einer „ausreichenden“ Tierzahl hin. Weiterer Zündstoff sei die Diskussion um den Begriff „aktiver Landwirt“. Mair versicherte, wachsam zu sein, um Nachteile für Nebenerwerbslandwirte zu verhindern.
Thumbnail
Viel Gesprächsbedarf gab es auch um denjenigen, der „noch nicht da ist“, mit dem aber in den nächsten Jahren fest gerechnet wird: den Wolf! Nach Aussage von Bayerns Umweltminister Marcel Huber sei gesunder Menschenverstand gefragt, auch wenn man den EU-weiten Schutzstatus des großen Beutegreifers nicht umgehen könne. „Wir dürfen die Population nicht auf Landkreisebene betrachten“, machte er deutlich und schickte nach, dass die Art in Deutschland und auch in Europa geschützt sei. Huber verwies auf den „Aktionsplan Wolf“, der demnächst veröffentlicht werde.
Thumbnail
„Die Almen sind auch ohne den Wolf ausgekommen“, so die Aussage von Ministerpräsident Markus Söder bei seinem kurzen Gastspiel zur Mittagsrast auf der Kreuzbergalm. Von ihm forderte der AVO-Vorsitzende, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden solle. Weiter verdeutlichte Mair dem Ministerpräsidenten seine Verantwortung für die „Leute in der Region“, die mit seinem Amt verbunden sei.
Einigkeit herrschte zwischen Georg Mair und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber unter anderem dann, wenn es um das Thema wolfssichere Zäune geht: „Zäune zerschneiden Lebensräume“, so Mairs Credo. Kaniber ging bei ihrer Rede auf der Gindlalm, der letzten vor dem Abstieg, noch ein Stück weiter: Nicht genug, dass Zäune durch das touristisch genutzte Gebirge nicht funktionieren würden. Rein rechnerisch wären 122 000 km wolfssicherer Zaun für die bayerischen Weiden notwendig: „Niemand bei Verstand kann das gutheißen“, erteilte sie dem eine klare Absage

Naturschutz und Landwirtschaft

Der Landesvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, Dr. Norbert Schäffer, machte auf die Gemeinsamkeiten von Landwirtschaft und Naturschutz aufmerksam, darunter die Hoffnung auf weitere Förderungen und den Schutz der Tiere. Denn genauso wie der Wolf Schafe reißen könne, könne er den Auerhahn erwischen. Dennoch erklärte er, er wolle es „mit dem Wolf ausprobieren“ und löste damit ein Raunen unter den Wanderern aus. „An- und Ausknipsen geht da nicht. Wenn der Wolf da ist, kann’s ganz schnell gar sein mit der Almwirtschaft“ entgegnete der AVO-Vorsitzende bestimmt. Und: „Wir haben schon genug Probleme.“
Was den Almbauern Sorgen bereitet, ist der stark zunehmende Tourismus, der die Ruhe auf den Almen störe. So formulierte Josef Eham von der Baumgartenalm gekoppelt mit seinem Wunsch nach einem Triebweg eine „außergewöhnliche Bitte“, nämlich ein Nutzungsverbot dieses Wegs für Mountainbiker. Ministerin Michaela Kaniber kündigte eine Kabinettsinitiative zum Thema an. Um Konflikte zu vermeiden, müsse jeder seinen Teil dazu beitragen.
Während die derzeitige Trockenheit anderen Sparten der Landwirtschaft enorm zu schaffen macht, wirken die Almbauern entspannt, bei ihnen hat es geregnet. Auf der Baumgartalm etwa gab’s vor einigen Jahren Wasserengpässe, woraufhin sie eine Pumpe installierten, die täglich 1200 l Wasser fördert. „Das reicht für die Tiere“, zeigt sich Eham zufrieden.
Einigkeit herrschte bei allen, wenn es um die Schönheit der Almen und die große Leistung der Bewirtschafter und die Arbeit des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern ging: „Die Wertschätzung gegenüber den Almbauern kann nicht hoch genug sein. Ihre Arbeit bringt die Touristen zu uns und erhält diesen schönen Lebensraum für uns Einheimische“, so brachte es Landrat Rzehak zum Ausdruck. Sandra Schwägerl

Besuchte Almen

Besuchte Almen

Obere Krainsbergalm von Manhart Sepp und Monika. Lichtweidefläche 31,9 ha. Die Alm wird mit 46 Stück Jungvieh bestoßen.

Baumgartenalm direkt unter der Baumgartenschneid von Eham Josef, nicht erschlossen. Sie hat eine Lichtweidefläche von 17,9 ha und wird mit 33 Stück Pensionsvieh bestoßen.

Kreuzbergalm von Eham Josef und Andrea mit einer Lichtweidefläche von 19 ha. Ab Mitte Mai wird die Alm mit 38 Stück Jungvieh und eigenem Pensionsvieh bestoßen.

Gindlalm wird von Anneliese Grimm und Johanna Leitner bewirtschaftet. Es werden 37 Stück Jungvieh (Eigen- und Pensionsvieh) aufgetrieben. Die gesamte Lichtweidefläche beträgt 24,67 ha.

Besuchte Almen

Obere Krainsbergalm von Manhart Sepp und Monika. Lichtweidefläche 31,9 ha. Die Alm wird mit 46 Stück Jungvieh bestoßen.

Baumgartenalm direkt unter der Baumgartenschneid von Eham Josef, nicht erschlossen. Sie hat eine Lichtweidefläche von 17,9 ha und wird mit 33 Stück Pensionsvieh bestoßen.

Kreuzbergalm von Eham Josef und Andrea mit einer Lichtweidefläche von 19 ha. Ab Mitte Mai wird die Alm mit 38 Stück Jungvieh und eigenem Pensionsvieh bestoßen.

Gindlalm wird von Anneliese Grimm und Johanna Leitner bewirtschaftet. Es werden 37 Stück Jungvieh (Eigen- und Pensionsvieh) aufgetrieben. Die gesamte Lichtweidefläche beträgt 24,67 ha.